Das Herz des Bösen

Joy Fielding
Das Herz des Bösen

Shadow Creek, USA, 2012
Der Hörverlag/Random House, München, 02/2014
Die Buchausgabe ist erhältlich bei Goldmann Verlag/Random House
6 CDs im Jewel Case, gekürzte Lesung, Thriller, 9783844511888, Laufzeit: ca. 418 Min., EUR 9,99
Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze
Gelesen von Anneke Kim Sarnau
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Mark Owen/plainpicture/Arcangel AG

www.randomhouse.de/Verlag/der-Hoerverlag/70000.rhd

www.randomhouse.de/Verlag/Goldmann/4000.rhd

www.joyfielding.com/

www.uno-wa.de/

www.plainpicture.com

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Fünfzig Jahre zusammen, dachte sie. Eine so lange Zeit. Und dann war es plötzlich ohne jede Warnung vorbei. „Das ist viel zu heftig, um lange zu dauern“, erinnerte sie sich an die Worte, die ihr Mann vorhin über das Unwetter gesagt hatte.

Sie sank auf die Knie, sah wie der Raum sich vor ihren Augen drehte, und fragte sich, wie lange es dauern würde, bis man sie fand.

Das Letzte, was sie sah, bevor ein letzter Stoß des Messers ihre Augen ein für alle Mal schloss, war das warmherzige, liebevolle Gesicht ihrer Mutter.“

Valerie Rowe ist nicht gerade begeistert von dem Plan, ihre Tochter Brianne gemeinsam mit ihrem noch-Ehemann Evan und dessen neuer Verlobter Jennifer ein Wochenende in einem Luxushotel in den Adirondack Mountains verbringen zu lassen. Um des Friedens mit der pubertierenden Brianne willen willigt sie jedoch ein.

Kurz vor der Abfahrt meldet sich Evan damit, dass er sich wegen eines Geschäftstermins verspäten wird, weswegen plötzlich Jennifer allein bei Valerie auftaucht. Diese lässt sich überreden, die beiden samt Briannes Freund James in einer mehrstündigen Fahrt zum Hotel zu bringen. Als wäre dieses Pulverfass menschlicher Emotionen nicht genug, treibt in den Bergen gerade ein Killerpärchen sein Unwesen.

Er hatte wieder getötet, das wusste sie mit Sicherheit, und sie spürte einen Stich der Eifersucht, nicht an seiner Seite gewesen zu sein. Ein Aufflackern von Wut, dass er nicht auf sie gewartet hatte. Doch sie war klug genug, ihn nicht darauf anzusprechen. Er würde es ihr erzählen, wenn es soweit war. „Später“ hatte er nur geantwortet, als er ihren fragenden Blick gesehen hatte. Dieses einzelne Wort, voller Verspechen und Faszination, hatte sie noch mehr erregt.“

Was Joy Fielding hier serviert, ist nicht leicht zu schlucken. Und damit ist nicht die Kaltblütigkeit und Brutalität des Killerpärchens gemeint, das die Adirondack Mountains unsicher macht, sondern eher die sagenhaft lächerliche Verkettung von Umständen, die die muntere Gruppe zuerst mit Mordgedanken im Herzen über Stunden in einem Auto zusammen pfercht und schließlich – Evan, dessen Ankunft die angespannte Situation entschärft hätte, hat seine Verspätung seitdem mehrmals verlängert – das Wochenende zusammen verbringen lässt.

Ist die lustige Runde erst mal in den Bergen angekommen, juckt es einen förmlich in den Fingern, noch einmal zurück zu blättern, um auf dem Titelblatt nach einem Hinweis zu suchen, der etwa lauten könnte „Nach einer Idee von Richard Laymon“, denn genau so liest sich „Das Herz des Bösen“. Eine absolut hanebüchene Abfolgevon Ereignissen und Entscheidungen, die eine ohnehin spannungsgeladene und realitätsfern zusammengestellte Gesellschaft an einen einsam gelegenen Ort bringt, wo zufällig gerade ein Killerpärchen seinem blutigen Hobby nachgeht …

In der Hauptsache erhält man hier ewiges gegenseitiges Anschnauzen und endloses auf-der-Stelle-Treten der Handlung, bis mal wieder die Machete gezückt wird. Auch das Faible für und die fortwährende Erwähnung von Briannnes High Heels, die die komplette männliche Romanbelegschaft aufreizen, könnten genau wie die albernen Pubertätsdialoge direkt aus einem Laymon-Roman stammen.

Wo es dieser jedoch schafft, seine geneigte Leserschaft immerhin mit unvorhersehbaren, abgrundtief bösen Entwicklungen und schmuddelig-dreckigen Charakteren bei der Stange zu halten, herrscht hier gepflegter Leerlauf. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Protagonisten uneingeschränkt naiv und realitätsfern agieren und so gar nicht die Gefahr besteht, dass man sich zu sehr mit den Personen identifizieren könnte. Vor allem die Hauptfigur Valerie kann man kaum ernst nehmen in ihrer nicht nachvollziehbaren Hoffnung, Evan, schon vor der endgültigen Trennung ein notorischer Fremdgänger, dadurch zu beeindrucken, dass sie seine neue Flamme chauffiert. Alleine dafür schon mal die Goldene Himbeere der „Emma“.

Wer Joy Fielding als eine der Grande Dames des formsicheren und romantischen Psycho-Thrillers in Erinnerung hat, sollte sich diesen unmotiviert zusammengeschusterten Stuss möglichst ersparen.

Das Hörbuch:

Für die Hörbuchversion von Der Hörverlag wurde der Roman dankenswerterweise gekürzt. Eine längere Version will man sich auch gar nicht vorstellen. Die spürbar fehlende Vorleselust kann man Anneke Kim Sarnau (als Ermittlerin Katrin König in „Polizeiruf 110“) bei diesem Schmarren gewiss nicht verdenken. Dazwischen gibt es übrigens immer mal wieder Papiergeraschel zu hören vom Umblättern der Seiten. Alles in allem klingt das Hörbuch nach einem schnell auf den Markt geschmissenen Nebenprodukt, um ohne großen Aufwand noch einige Euros zu verdienen.

Hanebüchen-alberner Thriller-Stuss mit realitätsfern agierenden Personen und einer Handlung ohne Hand und Fuß.

Copyright © 2016 by Elmar Huber (EH)

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