Der Mann, der seinen Kopf verlor

Der Mann, der seinen Kopf verlor
Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen 04

(sfbentry)

Folgenreich/Universal (10/2010)
Gesamtspielzeit ca. 63 Minuten, Altersempfehlung ab 10 Jahren
ISBN 978-3-8291-2401-0
Produzent & Initiator der CD-Auflage: Sebastian B. Pobot, Highscore Music
Skript: Michael Koser
Regie: Rainer Clute
Aufnahmen: RIAS Berlin
Covergestaltung: Lars Vollbrecht
Illustrationen: Lars Vollbrecht und Gerd Pircher
Extras auf dieser CD: Kommentar Entscheidung van Dusen als Reihe, Persönliche Anekdoten von Rainer Clute
Sprecher: Prof. van Dusen (Friedrich W. Bauschulte); Hutchinson Hatch (Klaus Herm); Jonathan Henry/ein Mann ohne Gedächtnis (Lothar Blumhagen); William Manning/ein Pokerspieler (Gerd Duwner); Mrs. Henry/eine fürsorgliche Gattin (Monika Hansen); James/van Dusens Diener (Joachim Pukaß); Börsenmakler (Otto Czarski); Detective-Sergeant Caruso/ Hotelportier (Reinhard Kolldehoff)

Der Titel der vierten Folge des Radiohörspiels „Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen“ ist keinesfalls wörtlich zu nehmen. Denn tatsächlich dreht sich alles um einen Mann, der sein Gedächtnis verlor und die selbsternannte Denkmaschine um Hilfe bittet, um seine Identität in Erfahrung zu bringen. Obwohl van Dusen anfangs zögert den Fall anzunehmen, macht er sich später doch daran das Rätsel, um den Mann der sein Gedächtnis verlor, zu lösen.

Die Vorlage stammt aus der Feder von Jacques Futrelle und spielt in einer Gesellschaft, die einhundert Jahre zurückliegt. Das Hörspiel selbst ist ebenfalls schon angestaubt und wurde Ende der Siebziger Jahre für RIAS Berlin produziert. Nun wird die van-Dusen-Reihe neu aufgelegt und in Konkurrenz zu modernen Hörspielen gestellt. Um auf dem Markt zu bestehen, muss sich die Reihe vor allem auf ihren nostalgischen Charme verlassen.

Die Geschichte selbst ist spannend inszeniert. Dabei gibt es zum Original einige Änderungen, die für das Hörspiel vorgenommen wurden, um es abzurunden. Erneut fabuliert der kluge Professor über den Fall, verfolgt unterschiedliche Spuren und präsentiert schlussendlich seiner verblüfften Zuhörerschaft des Rätsels Lösung. Leider ist es unmöglich selbst Lösungsansätze zu suchen, da einige Spuren erst im Finale offenbart werden. Schade, aber verzeihlich.

Das Stück steht und fällt vor allem mit dem Sprecher der Denkmaschine: Friedrich W. Bauschulte (* 1923; † 2003). Auf seinen Schultern ruht die vollständige Dramatik. Glücklicherweise verstand Herr Bauschulte sein Handwerk. Süffisant, arrogant und trotzdem mit Humor und Herz, so erobert sein van Dusen die Herzen der Zuhörer.

Obwohl das RIAS-Stück bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, kann es noch immer mit modernen Produktionen gleichziehen. Zwar ist das Arrangement einfach, gar schlicht, aber das fällt kaum ins Gewicht. Der Mangel an Musik und der rare Einsatz von Geräuschen wird hervorragend von der Sprecherleistung ausgeglichen. Es ist einfach eine etwas andere Art des Hörspiels und somit eine Bereicherung. Denn hier wird sehr gut gezeigt, dass Klänge und Musik zwar erheblich zum guten Ton beitragen, aber schlussendlich noch immer die Schauspieler von zentraler Bedeutung sind.

Jedenfalls ist „Der Mann, der seinen Kopf verlor“ ein unterhaltsames Hörspiel, dass mit einer schönen Wendung und spannenden Augenblicken daherkommt. Auch die Produktion der Neuauflage ist gut gemacht. Technisch ist alles einwandfrei. Wem das Cover ein wenig zu schlicht und klassisch ist, der kann das Booklet einfach umdrehen und bekommt ein buntes, modernes Cover. Die Illustration ist sehr gelungen und stimmt mit etwas Humor auf die Handlung ein.

Auf der CD befinden sich zudem zwei Bonustracks. Es handelt sich um einen Kommentar zur Entscheidung „van Dusen“ als Reihe zu Veröffentlichen und um persönliche Anekdoten von Regisseur Rainer Clute. Diese Tracks sind sehr aufschlussreich und unterhaltsam. Leider werden sie ohne klanglichen Vor- und Abspann in Szene gesetzt. Das ist Schade. Trotz dieser kleinen Schwäche bleibt „Der Mann, der seinen Kopf verlor“ eine klare Empfehlung für Freunde des kriminalistischen Hörspiels.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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