Der tibetische Verräter

Eliot Pattison
Der tibetische Verräter
Shan Tao Yun 6

The Lord of Death, USA, 2008
Nach dem gleichnamigen Romans „Der tibetische Verräter“, Aufbau-Verlag, Berlin, 08/2009
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 09/2009
4 CDs, Hörbuch, Krimi
ISBN 978-3-88698-456-5
Laufzeit: ca. 275 Min.
Aus dem Englischen von Thomas Haufschild
Gekürzte Lesung von Bernd Rumpf
Titelillustration von steinbach sprechende bücher

www.sprechendebuecher.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eliot Pattison hat mit der Figur des Chinesen Shan eine sehr kontroverse Figur geschaffen. Dieser war einst einer der besten Kriminologen des Landes, bis er den falschen Leuten auf die Füße trat. Verbannt in ein Arbeitslager in Tibet lernte er viel von den ebenfalls dort gefangenen Mönchen und Lamas Er nimmt in der Folgezeit viel von der Lebensart der Tibeter an, auch wenn er von Geburt her ein Chinese ist, und fühlt sich dem unterdrückten Volk inzwischen mehr verbunden als seinem eigenen. So bleibt er nach seiner Entlassung bei einigen versteckt lebenden Mönchen und verdient sich seinen Unterhalt durch Gelegenheitsarbeiten. Shan arbeitet als Bergführer in einem Basislager am Mount Everest.

Zu seinen Hauptaufgaben gehört der Abtransport toter Sherpas und Bergsteiger, ein Job, um den sich kein anderer kümmern will. Doch sein eigentliches Ziel ist es, an seinen Sohn oder wichtige Leute heran zu kommen, die erst in einem Strafarbeitslager waren, aber nun als Versuchskaninchen in eine ‚Spezialklinik„ in den Bergen gebracht wurden. Bisher hat er noch keinen Weg gefunden, wie er das bewerkstelligen soll. Als er wieder einmal einen Toten in die Täler bringt, entdeckt er eine schicke Limousine, die von der Straße abgekommen zu sein scheint. Doch als er sich nähert, um festzustellen, ob er helfen kann, findet er nur zwei Frauen, eine tot, eine im Sterben liegend. Beide sind erschossen worden. Shan weiß, dass er besser verschwinden sollte, da sich die chinesischen Soldaten, die sich nähern, kaum die Mühe machen werden, nach einem weiteren Täter zu suchen.

Doch zu spät. Er wird verhaftet, gefoltert und erwartet schon bald seine Hinrichtung. Aber dann wendet sich das Blatt, denn ein anderer Verdächtiger wird gefunden und scheinbar überführt – Oberst Tan, der Chef des Lagers, der als einziger die Macht hätte, Shans Sohn aus der Klinik zu holen. Und so versucht der Ex-Ermittler einen Deal: Er will die Unschuld von Tan beweisen, wenn dieser den jungen Mann in das normale Arbeitslager zurück holt.

Anders als die vorhergehenden Abenteuer ist „Der tibetische Verräter“ persönlicher, und es geht zum ersten Mal nicht darum, Tibeter zu retten und direkte Ungerechtigkeiten gegenüber den Ureinwohnern dieses Himalaya-Reichs zu aufzuzeigen. Das geschieht eher indirekt, den Shan wird in die Intrigen von Unternehmern und korrupten Politikern verwickelt, die ihren Teil vom Tourismus in Tibet abhaben wollen. Und dass sie vor Mord an hochrangigen Leuten aus der Regierung nicht zurückschrecken, zeigt der Tod der Ministerin. Darin verwickelt sind diesmal interessanterweise auch Leute aus dem Westen, die sich als genauso hinterhältig erweisen wie ihre chinesischen Rivalen und Partner.

Der Kriminalfall ist jedoch Nebensache, denn wieder einmal beschäftigt sich der Autor mehr mit dem Drumherum. Shan erlebt am eigenen Leibe, wie die Chinesen Tibeter und Verräter wie ihn behandeln. Die entsprechenden Folterszenen sind zwar nicht überspitzt dargestellt, gehen aber in ihrer Direktheit unter die Haut. Man bekommt sehr deutlich die beklemmende und bedrückende Atmosphäre mit, die über dem Land liegt. Und durch entsprechende Berichte ahnt der Leser durchaus, dass dies nicht nur Imagination des Autors ist. Dennoch kann die Geschichte nicht ganz so fesseln wie die der Vorgänger. Vielleicht weil die tibetische Kultur und das Leben in dem Land diesmal eine untergeordnete Rolle spielen, vielleicht auch weil die Intrigen und Machenschaften durchschaubarer sind als früher. Oder es liegt an der Kürze, die verhindert, dass auch die Figuren neben Shan Profil gewinnen.

An der Lesung selbst liegt es nicht, denn Bernd Rumpf liest sehr klar und bewegt, gibt den einzelnen Personen Stimme und Leben, ohne zu übertreiben. Alles in allem ist „Der tibetische Verräter“ vielleicht schwächer als seine Vorgänger, bleibt aber immer noch über dem Durchschnitt üblicher Krimikost, was sicherlich auch an den Themen und dem Setting liegt, die schon alleine sehr brisant sind.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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