Die Löwenmähne

Sir Arthur Conan Doyle, Daniela Wakonigg
Die Löwenmähne
Sherlock Holmes 46

Verlagsgruppe Hermann, Maritim, Dortmund, 02/2010
1 Audio-CD, Hörspiel, Krimi
ISBN 978-3-867-14261-8
Laufzeit: ca. 64 Min.
Sprecher: Christian Rode, Peter Groeger, Norbert Gastell, Stephan Schwartz,
Eckart Dux, Fritz von Hardenberg, Andreas von der Meden u. a.
Titelillustration von Simon Römer

www.maritim-produktionen.de/
www.ash-tree.bc.ca/acds%20details.htm
http://wakonigg.de
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Titel erhältlich bei Buch24.de
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Sherlock Holmes und Dr. Watson machen Urlaub in Sussex, wo ein alter Freund des Doktors, Harold Stackhurst, einer Internatsschule vorsteht. Doch die Idylle ist nicht von langer Dauer, denn bei einem Strandspaziergang stoßen Holmes, Watson und Stackhurst auf den sterbenden Biologielehrer Fitzroy McPherson, der im Meer schwimmen wollte. Bevor er stirbt, spricht der Lehrer von einer Löwenmähne. Ein schwieriges Rätsel für den Meisterdetektiv, denn offensichtlich erlag McPherson einem Herzschlag in Folge schwerer Misshandlungen in Form von Peitschenhieben auf den Rücken. Für Dr. Watson und auch für Harold Stackhurst ist der Hauptverdächtige schnell gefunden. Doch Sherlock Holmes weiß, dass die Lösung eines Falles selten so einfach ist, und er soll recht behalten …

„Die Löwenmähne“ ist einer der sonderbarsten und originellsten Fälle, denen sich der Detektiv je gegenübersah. Das betrifft sowohl die Art des Verbrechens als auch die Erzählperspektive, den Schauplatz, sowie die Zeit, in der der Fall spielt. Sir Arthur Conan Doyle machte nämlich Holmes selbst zum Erzähler der Affäre, die der Meisterdetektiv in Ermangelung seines Chronisten Dr. Watson festgehalten hat. Sherlock Holmes selbst hat sich in Sussex zur Ruhe gesetzt und widmet sich ganz der Bienenzucht und seinen privaten Studien. Der Leser erfährt also, wie und wo Holmes seinen Lebensabend verbringt und wird zugleich Zeuge, wie der Detektiv einen Fall ganz ohne seinen treuen Begleiter Dr. Watson löst. Leider scheinen diese Aspekte für die Hörspielserie allzu sehr von der gewohnten Norm abzuweichen, so dass die Drehbuchautorin Daniela Wakonigg die Handlung in die aktive Phase des Detektivs verlegt und die beiden Serienhelden, Holmes und Watson, einfach in Urlaub schickt.

Dass es reichlich ungewöhnlich und unglaubwürdig ist, dass ausgerechnet dann der Mord geschieht, wird dabei billigend in Kauf genommen. Passiert anderen Detektiven schließlich auch am laufenden Band. Schade ist eigentlich nur, dass sich die Serie um eine interessante Gelegenheit bringt, eine Folge mal ein wenig anders aufzuziehen. Natürlich hätte der Hörer dann eine Folge lang auf Peter Groeger als Dr. Watson verzichten müssen, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel. Allerdings scheint die Serie nur ungern die eingetretenen Pfade verlassen zu können, die vor allem durch die unzähligen Verfilmungen geprägt wurden. So wurde bereits die Heirat zwischen Dr. Watson und Mary Morstan in „Das Zeichen der Vier“ verschwiegen. Dabei hätte ein wenig Abwechslung der Serie wirklich gut getan.

Andererseits ist dieser Aspekt der einzige Negativpunkt der Produktion, denn sowohl technisch, als auch schauspielerisch bewegt sich das Hörspiel auf einem hohen Niveau. Holmes und Watson agieren in gewohnt souveräner Manier als eingespieltes Team, was sich vor allem in der Leistung der Sprecher Christian Rode und Peter Groeger wiederfindet. Norbert Gastell, Stephan Schwartz, Eckart Dux, Fritz von Hardenberg, Andreas von der Meden – der Cast ist eine Sammlung hochprofessioneller Sprecher, die ihre Arbeit verstehen und die einzelnen Charaktere sehr authentisch zum Leben erwecken. Vor allem Dr. Watson kann dieses Mal wieder ein wenig aus dem Schatten seines Freundes Sherlock Holmes hervortreten.

Die Autorin hat einfach den Arzt zum Freund von Harold Stackhurst gemacht und lässt ihn das Gespräch zu Beginn fast im Alleingang führen. Später, als die Ermittler auf einen weiteren Verletzten treffen, darf Watson außerdem zeigen, dass er ja nicht umsonst als Militärarzt in Afghanistan gedient hat. Alles in allem also eine sehr gelungene Folge, die trotz der Abweichungen von der Vorlage, bestens unterhält und vor allem durch die Identität des Mörders eine gelungenen Überraschung parat hält. Die Grafik von Simon Römer zeigt das Mordopfer mit den Striemen auf dem Rücken. Eine Illustration, die vor allem in Zusammenhang mit dem Titel, neugierig auf das Hörspiel macht.

„Die Löwenmähne“ ist ein höchst bemerkenswerter und interessanter Fall und spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Schauspielerisch und technisch bleiben keine Wünsche offen, nur inhaltlich täte der Serie ein wenig Experimentierfreude gut, zumal die Autorin sich nur dichter an Doyles Vorlage hätte halten müssen.

Copyright © 2011 Florian Hilleberg (FH)

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