Flucht ins Verderben

Erik Albrodt, John Baker
Flucht ins Verderben
Agent Smith 2 – Dreamland Action 3

Dreamland Productions, Rüsselsheim, 06/2010
1 Audio-CD, Hörspiel
Mystery-Thriller, Action
ISBN 978-3-939066-83-5
Laufzeit: ca. 72 Min.
Sprecher: Wolfgang Rüter, Rainer Schmitt, Heidi Schaffrath, Katja Brügger u. a.
Musik von N. N.
Titelillustration von Jole Stamenkovic

www.ts-dreamland.de/index2.html

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eigentlich wollte Special-Agent Larry Smith seinen Urlaub allein in den Spielcasinos von Las Vegas verbringen, ab und zu gewürzt mit einem amourösen Abenteuer. Unvermutet aber klinken sich seine Kollegin Nina Anderson und Sandra Higgins in den Urlaub ein. Vor zehn Monaten waren die Agenten in einen bizarren Fall involviert, bei dem Sandras gesamte Familie starb. Einzig der Teenager überlebte, ist seitdem aber mit einem Mutagen infiziert, dass in Stresssituationen für temporäre Transformationen ihres Körpers sorgt. Bereits auf dem Flug Richtung Nevada nimmt Sandra plötzlich die Gedankenströme ihres tot geglaubten Freundes Billy wahr, der ebenfalls ein Mutant ist. Kurzentschlossen ändern die Agenten Nina und Larry ihren Tourplan und fahren mit Sandra zu dem Ursprung der Gedankenströme. Die Spur führt die drei in eine verlassene Stadt mitten in der Wüste Nevadas. In jene Gegend hat es auch drei Bankräuber verschlagen, die ausgerechnet dort mit ihrem Hubschrauber notlanden mussten. Aber die Geisterstadt ist alles andere als leer. In den Ruinen hausen grauenerregende Kreaturen, und ein verblendeter Wissenschaftler braucht dringend neues Forschungsmaterial in Form von gesunden, lebendigen Menschen …

Folge 3 der neuen Hörspielreihe aus dem Hause Dreamland ist die direkte Fortsetzung der ersten Folge „Genetic Code“. Die Subserie „Agent Smith“ ist ein unterhaltsamer Mix aus Action und Horror und erinnert nicht zufällig an die Kultserie „Larry Brent“. Doch was Thomas Biker, Erik Albrodt und Co. dem Hörer präsentieren, ist weit mehr als nur ein Plagiat. Das Hörspiel nutzt mit 72 Min. Laufzeit die Kapazität des Tonträgers zunächst weidlich aus. Dabei wird es an keiner Stelle langweilig, und man bekommt auch nicht den Eindruck, dass Szenen überflüssig sind. Im Gegenteil, es wird sich lediglich Zeit gelassen, die Geschichte zu erzählen und eine angemessene Atmosphäre zu erzeugen. Dass die Macher selbst große Fans von Dan Shocker und „Larry Brent“ sind, merkt man der Produktion nicht nur anhand der Stoyline an, sondern auch an der Namensgebung der agierenden Charaktere. Dr. Norman Huntington, Chiefinspector Crowden oder auch Sandra Higgins – mit den Nachnamen wurde mehreren Nebenrollen der Serie „Larry Brent“ ein Denkmal gesetzt.

Die Geschichte selbst erinnert in einzelnen Szenen und in ihren Grundzügen an die geniale Folge „Atomgespenster“, besitzt aber genügend Eigenständigkeit, um nicht als plakativer Ableger abgetan zu werden. Die Handlung ist nicht nur gut durchdacht, sondern auch temporeich und dem Reihennamen entsprechend actionbetont. Die Dialoge wirken lebensnah und sind an den richtigen Stellen mit der nötigen Prise Humor gewürzt. Die Effekte sind erstklassig und der Soundtrack wirklich einmalig, genau das Richtige für ein Actionhörspiel der Superlative. Vor allem der Bonustrack „Schuldig“ bildet den optimalen Abschluss der Episode.

Das Sahnehäubchen stellen aber, wie so oft, die fabelhaften Sprecher dar. Die Europa-Legenden Rainer Schmitt und Heidi Schaffrath als die Agenten Smith und Anderson agieren auf gewohnt hohem Niveau, auch wenn man ihnen die Jahre mittlerweile schon anhört. Gerade Schmitt ist nicht mehr ganz so agil und munter, wie in den 80ern. Ein ähnliches Phänomen erlebt der Hörer bei Katja Brügger, die als Isabell Jamisson dieses Mal eine in Latex gehüllte Bankräuberin mimen darf. Trotzdem leisten die Sprecher wunderbare Arbeit und bringen all ihre Erfahrung in das Projekt mit ein. Wolfgang Rüter erweist sich als kongenialer Erzähler, der mit seiner prägnanten Stimme für die optimale Hörspielstimmung sorgt. Ein großes Lob gebührt wieder den Jungsprechern Johanna Klein (Sandra Higgins) und Josia Jacobi (Billy Jacobs), die eine mehr als überzeugende Darbietung abliefern. Tilo Schmitz als Sir Stevens ist dieses Mal in einer für ihn etwas ungewöhnlichen Rolle zu hören, die aber nicht minder gut zu ihm passt. Klaus-Dieter Klebsch ist als zynischer Chiefinspector voll in seinem Element, und in der Rolle eines desillusionierten Mutanten ist David Nathan zu hören.

Das Reizvolle bei Dreamland ist die gesunde Mischung aus omnipräsenten Sprechern und eher unbekannten Schauspielern. So dürften die Sprecher der drei Bankräuber vielen, gerade jüngeren Hörern nicht viel sagen. Doch für die Fans der alten „John Sinclair“-Hörspiele aus dem Tonstudio Braun geht ein kleiner Traum in Erfüllung, denn mit Helmut Winkelmann, Peter Niemeyer und Aart Veder agiert das Geisterjäger-Trio (John Sinclair, Suko und Bill Conolly) aus alten Tagen erstmals wieder gemeinsam in einem Hörspiel. Die Krönung des Ensembles ist schließlich Utz Richter, der als Dr. Norman Huntington über sich hinauswächst. „Agent Smith“ ist auf alle Fälle mehr als nur eine Hommage an „Larry Brent“, und für die Hörer beginnt nach dem Genuss dieses großartig inszenierten Hörspiels eine quälend lange Wartezeit auf die Fortsetzung.

Das Cover von Jole Stamenkovic ist äußerst ansprechend, und der Stil des Künstlers passt optimal zum Serienlayout. Sexy und kunstvoll.

Fazit:

Fulminantes Action-Spektakel mit hohem Funfaktor. An diesem Hörspiel stimmt alles, angefangen bei der Story, über die fabelhaften Sprecher, bis hin zu dem erstklassigen Sounddesign, bei dem vor allem die großartige Musik auffällt. Bitte mehr davon. Viel mehr!

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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