Mark Brandis – Raumsonde Epsilon 1

Raumsonde Epsilon 1
Mark Brandis 9

(sfbentry)

Universal/Folgenreich (2010)
Hörspielbearbeitung: Balthasar v. Weymarn
Buchvorlage: Nikolai v. Michalewsky
Produktion und Regie: Jochim C. Redeker, Balthasar v. Weymarn
1 CD (10 Tracks), ca. 57 Minuten
ISBN 978-3-8291-2317-4

Sprecher: Wolf Frass, Michael Lott, Mark Bremer, Anke Reitzenstein, Kai Jürgens, Martin Wehrmann, Michael Westphal, Udo Schenk, Michael Pan, Julien Haggége, Christine Mühlenhof, Cho See-Young, Tomasina Ulbricht, Gerhart Hinze, Stefan Peters,
Oliver Seidler

http://www.folgenreich.de

Mark Brandis ist auf dem Weg zur Erde. Im Schlepptau die Delta IX. Wenigstens die Rückreise scheint problemlos zu verlaufen, da ist das geborgene Wrack plötzlich verschwunden. Untersuchungen ergeben, dass die Delta IX zu einer Raumstation der Republiken gebracht wurde und somit setzt Brandis mit seiner Hermes neuen Kurs. Da erreicht ihn ein Funkspruch, dass eine Sonde unbekannter Herkunft geortet wurde, die Epsilon genannt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um eine außerirdische Technologie handeln könnte.

Erneut ändern sich die Befehle und Prioritäten von Brandis. Er muss die Sonde vor allen Anderen erreichen, doch erneut wird ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht – aus einer vollkommen unerwarteten Richtung …

Mit „Raumsonde Epsilon“ kommt der nächste Zweiteiler aus dem Brandis-Hörspieluniversum auf den Markt. Es handelt sich dabei um die nahtlose Fortsetzung der Geschichte, somit sind alle bis zuletzt an Bord der Hermes befindlichen Leute wieder mit dabei. Die Geschichten um Mark Brandis stammen von Nikolai von Michalewsky und vorliegende Geschichte wurde 1974 in der Reihe „Mark Brandis – Weltraumpartisanen“ erstveröffentlicht.

Die Geschichte zeichnet sich deswegen durch Elemente aus, die aus der Sicht eines Autoren der 70er Jahre stammt. Somit ist der kalte Krieg ein zentrales Element und auch die Angst, dass jederzeit ein neuer großer Konflikt ausbrechen kann. Auch die eingesetzte Technik wirkt – aus heutiger Sicht – viel bodenständiger und Realer. Die Geschichten um Mark Brandis sind beinahe greifbar und eine tatsächlich denkbare Zukunft, wirken somit sehr authentisch.

Auch die Bearbeitung von Balthasar von Weymarn kann sich sehen, viel mehr, hören lassen. Obwohl die Geschichte einen durchgehenden Handlungsfaden hat, ist der Fokus in jeder Folge dennoch leicht verschoben. So stehen hier vor allem die agierenden Personen und politische Begebenheiten im Mittelpunkt. Es gibt einfache Alltagssituationen, aber auch klassisches, abenteuerlastige Szenen.

Die Regie führte erneut Jochim C. Redeker. Das ist ihm auch recht gut gelungen und es gibt nur wenige Schönheitsfehler. Auffällig ist erst einmal der Unterschied in der Lautstärke zwischen Musik und Dialog. Die Musik übertönt das gesprochene Wort und macht manchmal auch eine Korrektur der Lautstärke nötig, um das Hörspiel an die Umgebung anzupassen. Ähnliche Probleme sind vom TV bekannt, sobald der Film in die Werbung übergeht.

Ebenfalls störend auffällig ist die Sequenz mit den Morsezeichen. Zum Einen sollten die Wachen des Feindes ebenfalls Morsezeichen verstehen und kapieren was da gerade vor sich geht (da eigentlich gleiche Ausbildung), zum Anderen passen die Morsezeichen scheinbar in keinster Weise zum angeblichen Text – weder vom Inhalt, noch von der jeweiligen Länge. Allerdings nutzen Brandis und seine Leute englischsprachige Morsecodeabkürzungen, wie sie auch von 1845 bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eingesetzt wurden. Das erklärt zwar die Merkwürdigkeit, wird dem Hörer aber leider nicht erklärt. Kennt dieser das normale Morsealphabet, kann es zu Irritationen kommen. Sehr gelungen ist dagegen die Geräuschkulisse, die passend und stimmig umgesetzt wurde.

Bei den Sprechern gibt es kaum Grund zu meckern. Fast alle leisten hervorragende Arbeit und sind mit hörbarer Spielfreude bei der Sache. Einzig Tomasina Ulbricht fällt negativ auf. Sie hat eine angenehme Stimme, ihr gelingt es aber kaum Emotionen hinein zu legen. Dadurch wirkt ihre Rolle hölzern. Es ist wohl auch mit keiner Verbesserung zu rechnen, da auch die bisherigen Rollen von Frau Ulbricht (Abschluss der Filmschauspielschule Berlin 2009) stets neutral und gefühllos wirken, beinahe statisch, aufs Stichwort achtend. Hier scheint einfach ein schauspielerisches Defizit vorzuliegen. Es kann aber auch daran liegen, dass Balthasar v. Weymarn die Darstellung einer emotional blockierte Wissenschaftlerin forcierte und somit die Leistung schwächer wirkt, als sie eigentlich ist.

„Mark Brandis – Raumsonde Epsilon 1“ ist ein spannendes Stück Unterhaltung, das vor allem mit einer möglichen Zukunft kokettiert. Die Bodenständigkeit macht den großen Reiz der Serie aus und ist auch in diese Folge ein Pfund, mit dem gewuchert wird. Trotz kleiner Mängel ein gutes Hörspiel.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Titel bei Buch24.de

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