Tony Hill & Carol Jordan 01 – Das Lied der Sirenen

tony-hill-carol-jordan-01-das-lied-der-sirenenVal McDermid
Tony Hill & Carol Jordan 01 – Das Lied der Sirenen

Nach dem Roman „Das Lied der Sirenen”, Kraur, München, 1997
The Mermaids Singing, GB, 1993
Der Hörverlag, München, 2/2009
2 CDs auf Displays in aufklappbarer Pappbox, Krimi-Hörspiel
ISBN
9783867172615
Laufzeit: ca. 129 Min.
Aus dem Englischen von Manes H. Grünwald
Hörspielbearbeitung von Sven Stricker
Sprecher: Heikko Deutschmann, Leslie Malton, Boris Alinovic, Florentine Lahme, Felix Manteuffel u. a.
Musik von Jan-Peter Pflug
Titelgestaltung von Alexandra Dohse unter Verwendung eines Fotos von Ilona Wellmann/Trevillion Images
Fotos im Innenteil von Claudia Frickemeier
In der Box befestigtes, 6-seitiges Booklet

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Der Tod von vier jungen Männern schockiert die Bevölkerung und sogar hart gesottene Polizisten: Jedes der Opfer war ledig, angeblich homosexuell, wurde gefoltert und grauenhaft verstümmelt. An keinem Tatort gibt es Hinweise auf den Mörder. Alles ist sorgfältig inszeniert, fast schon wie ein Kunstwerk. Als eine der Leichen als Kollege identifiziert wird, ist klar, dass der Täter die Beamten herausfordern will. Da diese lange auf der Stelle treten, wird ihnen der Profiler Tony Hill zugeteilt. Mit Ausnahme von Carol Jordan, die das Team leitet, ist niemand sonderlich begeistert darüber, dass ein Psychologe ihre Arbeit unterstützen soll. Tony und Carol kommen sich während der Recherchen zögerlich näher, doch ab einem bestimmten Punkt scheint es eine Barriere zu geben, die Tony nicht überwinden kann. Tatsächlich geht er in seiner Arbeit auf, denkt sich in den Mörder hinein, hält mit ihm geistige Zwiesprache und findet auf diese Weise auch Dinge über sich selbst heraus, die ihm nicht gefallen. Aber es kommt noch schlimmer für Tony: Der Täter wird auf ihn aufmerksam…

Aufgeschlossenen Krimi-Freunden dürfte Val McDermid keine Unbekannte sein. Beispielsweise im Argument Verlag erschienen ihre „Lindsay Gordon“- und „Kate Brannigan“-Serien, in denen jeweils eine lesbische Journalistin bzw. Privatdetektivin ihre Nase in gefährliche Angelegenheiten steckt. In die spannenden Storys eingebaut ist stets die Kritik an einer Gesellschaft, die Homosexualität ablehnt, Bekennende ausgrenzt und nicht selten sogar terrorisiert. Auch die Gleichberechtigung der Frau, die weitgehend nur auf dem Papier existiert, wird thematisiert. Viele Männer und erschreckenderweise auch Geschlechtsgenossinnen reagieren negativ auf eine selbstbewusste, intelligente Frau in leitender Position und würden sie am liebsten zurück zu den ‚drei Ks’ (Küche, Kinder, Kirche) verbannen.

Diese Motive spielen im vorliegenden Psycho-Thriller ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Täter wird als ‚Schwulenmörder’ bezeichnet, so mancher Beamte outet sich als ‚Schwulenhasser’ und Chauvinist, selbst der Profiler hat Probleme mit seiner eigenen Sexualität. Es gibt immer wieder Seitenhiebe, die sich gegen die Intoleranz, Verlogenheit und Sensationsgier der Menschen richten. Im Vordergrund steht jedoch der spannende Fall, in dem ein grundverschiedenes Ermittlerpaar versucht, einen perversen Psychopathen aufzuspüren. Anhand der vagen Hinweise erstellt Tony Hill ein Täterprofil und kommt dem Mörder gefährlich nahe, so dass dieser nun nach dem Leben des Psychologen trachtet.

Die Autorin bedient sich einer gepflegten Sprache, schockiert aber immer wieder mit drastischen Beschreibungen und Ausdrücken, wenn sich der Fokus auf den Täter und seine Grausamkeiten richtet. Dies wird auch in der Hörspiel-Version des Titels gekonnt umgesetzt und schreckt den Zuhörer regelmäßig auf, der gebannt die Geschehnisse verfolgt. Die Besetzung der Rollen vermag zu überzeugen. Fast bildlich kann man sich die ehrgeizige Carol Jordan, den innerlich zerrissenen Tony Hill und all die anderen vorstellen. Die düstere Hintergrundmusik von Jan-Peter Pflug und die realistische Geräuschkulisse tragen gleichfalls dazu bei, dass man sich von der unheilvollen Atmosphäre einfangen lässt.
Wer den Roman „Das Lied der Sirenen“ gelesen hat, kann unmittelbar vergleichen, ob die Hörspielfassung gelungen ist. Geht man unbedarft an den Titel heran, bekommt man einen spannend inszenierten Psycho-Thriller geboten, der sich um interessante Charaktere rankt und Lust auf mehr macht. Mittlerweile umfasst die Serie sechs Bücher; von daher darf man sich gewiss auf weitere faszinierende „Tony Hill & Carol Jordan“-Hörspiele freuen. (IS)

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