7 Tage der Rache

Patrick Senécal
7 Tage der Rache
Horror TB 71

Les Sept Jours du talion
Festa Verlag, Borsdorf bei Leipzig, 04/2014
TB, Thriller, Horror
ISBN 978-3-86552-300-6
Aus dem Französischen von Alexander Rösch
Titelmotiv von Cristina Otero

http://www.festa-verlag.de
http://cristinaotero.com/
www.senju-hime.deviantart.com

Daniel Grou (Regie), Patrick Senécal (Drehbuch, Vorlage)
7 Days
Les Sept Jours du talion, Go Films, Frankreich, 2010
I-On New Media/Störkanal, Köln, 27. August 2010
1 DVD im Amaray-Case, Thriller, Laufzeit: ca. 106 Min.,
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Region: Region 2
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16 : 9 – 2.35 : 1
Altersfreigabe/FSK: 18
Darsteller: Rémy Girard, Claude Legault, Fanny Mallette, Martin Dubreuil, Rose-Marie Coallier
Musik: Nicolas Maranda
Titelgestaltung: N. N.

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„In den kommenden sieben Tagen wirst du vor dem Zubettgehen jedes Mal sagen können, dass hinter dem Monster, das unsere Tochter vergewaltigt und getötet hat, ein Tag des Leidens liegt. […] Er wird nie wieder dieses verdammt arrogante Lächeln auf den Lippen haben. Verstehst du? Bis zum nächsten Montag kannst du dir sicher sein, dass irgendwo der Mörder deiner Tochter vor Schmerzen laut brüllt.“ Jasmine, die siebenjährige Tochter von Bruno Hamel (Claude Legault) und Sylvie Bérubé (Fanny Mallette), kommt eines Tages nicht zur gewohnten Zeit von der Schule nach Hause. Nach einigen Stunden wird ihre Leiche aufgefunden. Vergewaltigt und ermordet. Vier Tage danach nimmt die Polizei den Täter Anthony Lemaire (Martin Dubreuil) fest.

Ab da reift ein Plan in Hamels Kopf. In einem abgelegenen Haus lässt sich der Arzt nach seinen eigenen Plänen eine Apparatur aus Ketten, Winden und einem Stahltisch bauen. Anschließend – während seiner Überführung ins Gericht – entführt er Lemaire, um ihn in eben jenem Haus sieben Tage lang für den Tod seiner Tochter leiden zu lassen. Danach will er sich der Polizei stellen. Doch Hamel unterschätzt die Auswirkungen dieser Extremsituation auf seinen eigenen Geist, der – unterstützt von steigendem Alkoholkonsum – immer mehr entgleist. Und während Hamel in der Bevölkerung Gegner wie auch Fürsprecher findet, setzt sich Detective Sergeant Hervé Mercure auf seine Spur, der selbst unter dem kaltblütigen Mord an seiner Frau leidet. „Bruno spürte, wie etwas in ihm zersprang, sich sein Magen verengte. […] Vier Tage hatte ihn der Verlust von Jasmine so stark in Anspruch genommen, dass ihm, so verrückt das jetzt erschien, nie der Gedanke gekommen war, dass es einen Vergewaltiger, einen Mörder gab, der sich noch auf freiem Fuß befand. Zum ersten Mal verlagerten sich seine Gefühle von seinem Verlust hin zur Existenz dieses Mörders.“

Zunächst sei gesagt, dass weder Roman noch Film besonders angenehm sind, geschweige denn besonders viel Spaß machen. Beiden ist gemein, dass Bruno Hamel nicht zu einem Sympathieträger aufgebaut wird und damit recht bald die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen. Hamel ist besessen von seinen ganz persönlichen Rachegedanken, die er ohne Rücksicht auf Verluste auslebt und in die er nicht einmal seine Partnerin einbezieht. Die Verfilmung von Patrick Senécals Roman hält sich nicht nur inhaltlich sehr eng an die Vorlage, sondern trifft den tristen Ton des Romans sehr gut, wenngleich einige Passagen stark gestrafft wurden und einzelne Szenen damit etwas in der Luft hängen. So fehlen im Film beispielsweise die akribischen Vorbereitungen Hamels auf Lemaires Entführung und Folterung. Man fragt sich mit Recht, wie denn ein einzelner Mann die Eskorte des Mörders einfach so ausschalten kann. Hier erweist sich der Roman in seine Ausführlichkeit als folgerichtiger.

Dort wird auch Hamels Abdriften in den Wahnsinn – verstärkt durch aus dem Ruder laufenden Alkoholkonsum – sehr viel deutlicher. Er glaubt, um die Hütte herum immer wieder das Bellen eines Hundes zu hören. Das Echo eines prägenden Erlebnisses, das er einige Jahre zuvor hatte. Ein Detail, an dem Kommissar Mercure ansetzen kann, um Hamel aus der Reserve zu locken. Dieser Aspekt fehlt im Film völlig. Stattdessen zieht es den Film-Hamel immer wieder zum angefressenen Kadaver eines Rehs nahe seiner Hütte. Auch die Figur des Polizisten Mercure wurde für den Film angepasst. Während der Roman-Mercure immer wieder den Mörder seiner Frau – diese wurde bei einem Ladendiebstahl erschossen – im Gefängnis besucht, begnügt sich der Film-Mercure damit, sich regelmäßig das Überwachungsvideo des Ladens anzusehen, auf dem die Erschießung seiner Frau festgehalten ist.

Was die Folterszenen angeht, gehen Buch und Film in ihrer Präsentation recht schonungslos zur Sache, auch wenn die Gewalt nie zum Selbstzweck verkommt. Die unterkühlte und triste Darbietung erlaubt es dem Zuschauer zudem, einen gewissen Abstand zum beschriebenen/gezeigten Geschehen zu wahren. Den Darstellern von Bruno Hamel (Claude Legault) und Anthony Lemaire (Martin Dubreuil) muss auf jeden Fall Mut für ihre überzeugende Darstellung attestiert werden. Bereits 2002 erschienen, hat der Festa-Verlag – als der führende Verlag für harte Thriller und Horrorromane – Senécals Roman dieses Jahr in seine „Horror-Taschenbuch“-Reihe aufgenommen, wo er sich auch ohne fantastische Bestandteile gut eingliedert. So ist es durchaus denkbar, dass auch Senécals Romane „5150 Rue des Ormes“ („5150 Elm’s Way“) und „Evil Words“ bald im Verlagsprogramm auftauchen. Beide wurden ebenfalls bereits verfilmt und finden sich zusammen mit „7 Days“ in der „Störkanal“-Reihe des Labels I-On New Media.

Sowohl als Buch als auch als Film ist „7 Tage der Rache“/„7 Days“ ein trister und schwer zu ertragender Rache-Thriller, in dem das Täter-/Opferverhältnis zusehends verschwimmt und das auch die psychologischen Folgen von Hamels Racheaktion nicht ausspart.

Copyright © 2016 by Elmar Huber (EH)

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