Apartment 16

Adam Nevill
Apartment 16

(sfbentry)
USA, 2010
Heyne Verlag, München, 04/2012
PB, Horror
ISBN 978-3-4535-2876-5
Aus dem Englischen von Ronald Gutberlet
Titelgestaltung von t. mutzenbach Design, München

www.randomhouse.de/heyne/
www.adamlgnevill.com

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Die junge Amerikanerin Apryl reist nach London, um dort den Nachlass ihrer kürzlich verstorbenen Großtante Lilian zu ordnen. Diese wohnte in einem luxuriösen Apartment des Barrington House, einem Mietshaus für gut betuchte Bürger. Schon bald ist Apryl fasziniert von dem prunkvollen, aber einsamen Leben, das Lilian nach dem frühen Tod ihres Mannes Reginald führte. Doch offenbar litt Lilian an einer schweren Schizophrenie, denn ihre Tagebücher berichten auf beängstigende Art und Weise von einer Macht, die verhindert, dass sie sich allzu weit vom Barrington House entfernt.

Schließlich stolpert Apryl bei ihren Nachforschungen auf den Namen eines Malers, Felix Hessen, dessen Bilder bizarre Kreaturen zeigen, die direkt aus der Hölle zu stammen scheinen. Tatsächlich hat Hessen wohl an Beschwörungen und Riten teilgenommen, die er von Aleister Crowley persönlich erlernt hat. Apryl verliert sich mehr und mehr in den obskuren Wahnvorstellungen ihrer Großtante. Oder war Lilian am Ende doch nicht verrückt? Was ist damals im Apartment 16 geschehen, das heute niemand mehr betreten darf? Und warum verhält sich der Nachtportier Seth so merkwürdig? Als Apryl die Wahrheit herausfindet, ist es bereits zu spät …

Mit diesem Roman schrieb Adam Nevill, der neue Star der britischen Horror-Literatur-Szene, einen klassischen Okkult-Thriller an dem Roman Polanski seine helle Freude haben würde. Die beklemmende Atmosphäre des Barrington House erinnert frappant an „Rosemary‘s Baby“ oder auch „Der Mieter“. Im Gegensatz zu den Schriftstellern der neuen, härteren Gangart wie beispielsweise Brett McBean, Bryan Smith, Edward Lee oder Brian Keene setzt Nevill die Horror-Elemente seiner Geisterhausgeschichte sehr viel subtiler ein. Der Roman beginnt langsam und seicht. Vom Prolog einmal abgesehen, ist Nevill zunächst bemüht, eine Atmosphäre der Normalität zu schaffen, in die sich das (übernatürliche) Grauen langsam und unmerklich einen Weg bahnt.

Dürre Gestalten, die sich im Spiegel zeigen, und bizarre Visionen, die den Nachtportier Seth plagen, sowie die barsche, beinahe hasserfüllte Ablehnung einiger Hausbewohner sorgen im Verlauf der Handlung für die entsprechende Gänsehaut. Allerdings dauert es tatsächlich einige Zeit, bis die Geschichte in Fahrt kommt, und nach dem wirklich gelungenen, fast schon surrealen Ende hat man schnell den Eindruck, dass die Geschichte mit 100 Seiten weniger sehr viel spannender und stringenter hätte erzählt werden können. Auch die sehr überstürzte und haarsträubende Lovestory in der Mitte des Buches wirkt recht konstruiert, beinahe so, als ob Nevill von Seiten seines Verlags den Hinweis bekommen hat, dass zumindest ein wenig Romantik heutzutage auch in Horror-Romanen vorkommen müsste. So authentisch und lebendig Apryl auch sonst wirken mag, dieses überstürzte Techtelmechtel fällt gänzlich aus dem Rahmen. Zum Glück bleibt die Romanze lediglich schmückendes Beiwerk, und im letzten Drittel entwickelt die Geschichte ein enormes Tempo und eine bedrückende Gruselatmosphäre. Wie schon erwähnt, die ideale Vorlage für einen okkulten Horror-Thriller à la Roman Polanski.

Schrifttyp und Aufmachung des Buches erinnern an Nevills Erstling „Im tiefen Wald“. Eine ausführlichere Beschreibung des Inhaltes findet sich auch bei diesem Buch nicht auf dem hinteren Buchdeckel in Form eines Klappentextes, sondern auf der vorderen Klappenbroschur. Das Buch liegt trotz seiner Größe gut in der Hand, besitzt eine feste und stabile Papierqualität, sowie einen angenehmen Satzspiegel.

Stimmungsvoller Geisterhausgrusel mit schleppendem Anfang und beklemmendem Finale. Trotz einer unpassenden Romanze im Mittelteil entwickelt die Geschichte nach anfänglichen Schwierigkeiten später eine wirklich schaurige Gruselatmosphäre.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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