Apokalypse Z: Dunkle Tage

Manel Loureiro
Apokalypse Z – Dunkle Tage

(Apokalypse-Z-Trilogie, Bd. 2)

Originaltitel: Apocalipsis Z: Los días oscuros (Barcelona : Debolsillo 2013)
Übersetzung: Sybille Martin
Deutsche Erstausgabe (Paperback): November 2014 (Heyne Verlag/TB Nr. 31637)
398 S.
ISBN-13: 978-3-453-31637-9
eBook: November 2014 (Heyne Verlag)
1138 KB
ISBN-13: 978-3-641-14439-5

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Das geschieht:

Weil Grusel-Viren freikamen, die dumme Wissenschaftler irgendwo in einem der neuen Nach-Sowjet-Staaten zusammengebraut hatten, brach die Zivilisation binnen kurzer Zeit weltweit zusammen: Dank viraler Nachhilfe stehen die Toten wieder auf und gehen als Zombies um, die Jagd auf die Lebenden machen, um sie zu fressen oder wenigstens anzunagen, woraufhin sich diese Opfer ihnen anschließen.

Seit mehr als einem Jahr sind die Untoten (ahnungslose) Herren der Welt. Die wenigen Restmenschen sind auf der Flucht und suchen verzweifelt nach sicheren Orten, an denen sie sich sammeln, verbarrikadieren und neu organisieren können. Einer dieser seltenen Stätten liegt auf den Kanarischen Inseln. Sie liegen weit vor der nordafrikanischen Küste im Atlantik, den auch die Zombies nicht überwinden können.

Diese kleine Gruppe zusammengewürfelter Überlebender schlägt sich zu den Kanaren durch: ein (namenloser) Anwalt, sein Kater, der Pilot und Ex-Soldat Victor „Prit“ Pritschenko, die 17-jährige Lucía und die Nonne Cecilia. Als sie ihr Ziel zwar erreichen aber notlanden müssen, scheint ihr Schicksal besiegelt, doch in letzter Sekunde werden sie von einem Kommando der „Armada“ gerettet: Auf der Insel Teneriffa bilden ca. 1,5 Mio. Menschen eine der letzten Menschenkolonien, der sich das Quartett (plus Katze) nun anschließt.

Die Ruhepause ist kurz, denn dem kleinen Refugium gehen die Ressourcen aus. Der Anwalt und Prit werden für ein Himmelfahrtskommando ins zombieverseuchte Madrid zwangsrekrutiert: Dort soll ein riesiges Medikamentenlager geleert werden. Lucía bleibt zurück – und gerät in einen Staatsstreich: Auf der Insel Gran Canaria haben dem spanischen Königshaus verbundene Überlebende ebenfalls eine Kolonie gegründet, die im Krieg mit den ‚Rebellen‘ von Teneriffa liegen. Grinsende Dritte in diesem Konflikt, der nunmehr ausartet, sind die geduldigen Untoten …

¿A dónde va esto?

Nicht nur der Biss eines Zombies, sondern auch der Erfolg kann tödlich sein. Während im ersten Fall ein Wiederaufstehen zumindest im Untod möglich ist, bleibt abzuwarten, ob und wie sich die „Apokalypse-Z“-Trilogie entwickeln wird. Selbst ein Zombie ist geistreicher als der hier vorgestellte zweite Teil, weshalb es eigentlich nur noch besser werden kann.

Diese Geschichte hatte zwar bereits begonnen, ohne dass Esprit dabei versprüht wurde. Interessant war in erster Linie das ungewöhnliche, gut in die Handlung einfließende Lokalkolorit einer vom Untod heimgesuchten Mittelmeerwelt. Darüber ließ sich die Erkenntnis verschmerzen, dass Zombies in Spanien auch nicht origineller sind als Zombies in anderen, bisher bevorzugt von den Untoten durchwankten Regionen dieser Welt sind. Sie torkeln also auch dieses Mal herum, sind nur durch Kopfschuss auszuschalten und vor allem in der Überzahl, weshalb sich Kämpfe auf kleine Scharmützel beschränken müssen, während ansonsten wilde Flucht anzuraten ist. Die Jagd aus der Perspektive des (unterlegenen) Opfers ist als Thema ein Dauerbrenner. Jede Bewegung will bedacht werden, denn der Gegner ist quasi allgegenwärtig. Mangelnde Feuerkraft muss durch Geist und Improvisation ausgeglichen werden, was stets spannend ist, wenn die dabei umgesetzten Ideen eine Überraschung darstellen.

„Überraschung“ ist freilich ein Wort, das mit diesem Roman schwer in Einklang gebracht werden kann. Offenbar wurde Autor Manel Loureiro vom Erfolg seines Erstlings überrollt und überfordert. Er hatte seine Geschichte vom untoten Untergang seiner spanischen Heimat stressfrei im Internet erzählt und dabei ein Garn gesponnen, das zwar fern jeder Originalität aber als routiniert zubereitetes Lesefutter für eine stets nachschubhungrige Horror-Fraktion genießbar war. ‚Richtige‘ Verlage witterten daraufhin ein Geschäft und winkten mit Verträgen. Loureiro unterschrieb eines dieser Papiere, war nun ein ‚echter‘ Schriftsteller – und saß in der Falle: Solange das untote Eisen heiß war, sollte es weitergeschmiedet werden. Die „Apokalypse Z“ musste weitergehen, und das pronto!

Gedruckte Ratlosigkeit

Dummerweise bekam der daraus resultierende Druck der Geschichte nicht. War sie überhaupt als Trilogie geplant? Als solche wurde sie jetzt proklamiert, und Loureiro musste sie neu organisieren. Es gelang ihm nicht, weshalb sich zu allzu deutlicher Ratlosigkeit die übliche Problematik eines Romans gesellt, der den Mittelteil einer Trilogie bildet: „Dunkle Tage“ verknüpft den vielversprechenden Einstieg mit dem (hoffentlich) spektakulären Finale. Daher gibt es keinen echten Auftakt und kein logisches Ende. Die Handlung setzt ein und wird abgeblendet. Wie Loureiro sie abspult, könnte dieser zweite Teil problemlos übersprungen werden. Die Geschichte ist reines Strohdreschen. Sie führt nirgendwohin, sondern erschöpft sich fast ausschließlich in reinem Aktionismus. Schlimmer noch: Die eher willkürlich als überzeugend vom Zaun gebrochenen Kommandounternehmen und ‚dramatischen‘ Zwischenfälle gehören zum Routine-Geröll des Zombie-Genres.

Trotzdem könnten sie interessant sein. Doch Loureiro hat offenkundig wenig Ahnung, wie man Spannung schafft, schürt und schließlich auflöst. Stattdessen weicht er auf Tricks aus und springt nach jedem Kapitel von einer Krise zur nächsten; selbstverständlich blendet er mit einem Cliffhanger und in einem ganz besonders aufregenden, gefährlichen, für die Helden hoffnungslosen Moment aus. Solche Situation lösen sich allzu oft in Wohlgefallen auf, was die Erwartung des Lesers nachhaltig verpuffen lässt.

Kontraproduktiv ist die Aufteilung der Hauptfiguren. Lucía bleibt nur deshalb auf Teneriffa zurück, um in die dort ausbrechenden Unruhen verwickelt zu werden. Was sie dabei erlebt, gleicht wiederum einem Lauf im Hamsterrad: Abwechselnd wird Lucía von Zombies und Lebendlumpen verfolgt, doch was sie dabei erlebt, bringt die Handlung keinen Deut weiter. Das gilt auch für die Abenteuer des namenlosen Anwalts und seines Kumpels, des Haudrauf-Klischee-Russen Prit. Weshalb liegt das große Medikamentenlager ausgerechnet bzw. ausschließlich in Spaniens Hauptstadt Madrid und damit ziemlich genau im Zentrum des zombieverseuchten Landes? Die Erklärung ist simpel: Der Autor kennt sich hier aus und nutzt die Gelegenheit, eine Art Sightseeing zu veranstalten, indem er seine Helden auf der Flucht vor den Zombies prominente Sehenswürdigkeiten der genannten Stadt passieren lässt.

Die Dummheit überlebt immer

Der Zombie-Horror ist stets auch ein Spiegel für Gesellschaftskritik. Die Untoten kreisen die Lebenden ein, isolieren sie, führen ihnen die Nutzlosigkeit wirtschaftlich und sozial vorgeprägten Klassendenkens vor Augen. Privilegien lösen sich auf, plötzlich sitzen alle in einem Boot. Man sollte meinen, dies sei der ideale Punkt eines Neubeginns, der altes Unrecht überwindet, auf dass man sich einig und konzentriert den Untoten entgegenstemmen kann. Diese Form der gedanklichen Evolution findet man jedoch nur selten in den Zombie-Welten – kein Wunder, denn welcher Autor würde freiwillig auf eine nie versiegende Quelle in Handlung umsetzbarer Konflikte verzichten?

Nur die geistig schlichten Horrorfreunde geben sich mit einem Zombie-Grusel zufrieden, der sich im wechselseitigen Abschlachten erschöpft. Tatsächlich sind die Untoten recht langweilige Gesellen. Ihnen fehlt buchstäblich der Verstand, der sie zu raffinierten Bösartigkeiten befähigen würde. Deshalb müssen die Lebenden einspringen. Folgerichtig wird im Windschatten des Untods intrigiert und getückt wie zu allen Zeiten.

Diesbezüglich scheinen die Möglichkeiten (oder das Vorstellungsvermögen genannter Autoren) freilich begrenzt zu sein. Auch Loureiro hakt die Liste einschlägiger Übeltaten ab. Deshalb wimmelt es auf Erden plötzlich von Warlords, die schwerbewaffnete Söldnertruppen auf Raubzüge schicken. Seltsamerweise ziehen sie es immer vor, fleißige, friedliche Jäger & Sammler zu überfallen, statt selbst die überall lockenden Vorratskammern zu plündern. Auch über Teneriffa, eigentlich ein Hort des Guten, lässt Loureiro den Ungeist der Diktatur schweben: In der Not lässt sich der gierige Pöbel offensichtlich nur mit Gewalt (aber im eigenen Interesse) in Schach halten. (Eine besonders absurde Lösung hat sich Loureiro für den Krieg zwischen Teneriffa und Gran Canaria einfallen lassen: Dort liegen monarchistentreue Spanier im Streit mit ‚abtrünnigen‘ Republikanern!)

Am (vorläufigen) Ende sind fast alle (un-) tot. Unsere drei überlebenden Hauptfiguren (und die Katze) fliehen aus dem untergehenden Teneriffa. Auf diese Weise und überaus plump setzt Loureiro die Handlung zurück auf null. Für ihn wird die Fortsetzung damit einfach. Sein Publikum erkennt dies als Trick und ärgert sich. Die Erwartung und damit die Lust, der „Apokalypse-Z“-Trilogie ins Finale zu folgen, ist nach diesem zweiten Band jedenfalls auf einen für Autor und Verlag besorgniserregenden Tiefpunkt gesunken!

Autor

Manel Loureiro wurde 1975 in der Autonomen Gemeinschaft Galicien, gelegen im Nordwesten Spaniens nördlich der portugiesischen Grenze, geboren. Er studierte Jura an der Universidade de Santiago de Compostela, arbeitete nach dem Abschluss aber zunächst für das Fernsehen. Loureiro schrieb Drehbücher und stand als Moderator vor der Kamera.

„Apocalipsis Z“, Loureiros Romandebüt, nahm Stück für Stück im Internet Gestalt an und fand dort ein kopfstarkes Publikum, was wiederum die klassische Verlagswelt aufmerksam machte. Auch im spanischsprechenden Ausland war Loureiros Zombie-Garn sehr erfolgreich. Bisher gibt es zwei Fortsetzungen.

Wie der namenlose Held der „Apocalipsis“-Romane lebt Manel Loureiro in Pontevedra. Dort ist er nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Anwalt tätig.

Copyright © 2015/2017 by Michael Drewniok (md)

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Apokalypse Z

http://buchrezicenter.filmbesprechungen.de/genres/horror/apokalypse-z-zorn-der-gerechten/

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