Auferstehung

Brian Keene
Auferstehung

(sfbentry)
The Rising, USA, 2003
Heyne Verlag, München, 02/2011
TB, Horror
ISBN 978-3-453-52812-3
Aus dem Amerikanischen von Charlotte Langstrass
Titelillustration von Animagic, Bielefeld

www.randomhouse.de/heyne/index.jsp
www.briankeene.com/
www.animagic.com

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Ein militärisches Experiment endet in einer globalen Katastrophe. Ein Riss in den Dimensionen entsteht, und etwas kommt herüber und erweckt die Toten zu einem neuen, unheiligen Leben. Der Wissenschaftler Baker ist der letzte Überlebende im Testgelände Havenbrook. Auch sein Kollege und Freund Dr. Timothy Powell wird zum Untoten, der einen unbändigen Hunger nach menschlichem Fleisch entwickelt. Entgegen der landläufigen Meinung, basierend auf einschlägigen Filmen, können die Zombies sprechen. Doch es ist nicht der ursprüngliche Charakter, der aus den seelenlosen Körpern spricht, sondern etwas unsagbar Böses. Baker ergreift die Flucht aus Havenbrook, in der Hoffnung einen Platz zu finden, der sicher ist und noch nicht von Zombies überrannt wurde.

Der Bauarbeiter Jim hat sich in einem Luftschutzbunker verbarrikadiert, während seine hochschwangere Frau Carrie draußen als Zombie umherwandert und unablässig Eingang fordert. Bevor Jim die Hoffnung ganz aufgibt, erhält er einen Anruf seines Sohnes aus erster Ehe, Danny, der in New Jersey lebt. Er habe sich mit seiner kranken Mutter auf dem Dachboden eingeschlossen, während sein Stiefvater als Zombie durchs Haus läuft. Diese Nachricht gibt Jim neuen Mut, und er wagt einen Ausbruchsversuch. Auf seiner langen Reise nach New Jersey macht er die Bekanntschaft des älteren Pfarrers Martin, der ihn auf seiner Odyssee durch das von Zombies verseuchte Land begleitet. Doch die Untoten sind nicht die einzige Gefahr. Paramilitärische Gruppierungen, die das Gesetz in die eigenen Hände genommen haben, Plünderer und Kannibalen machen die Gegend zunehmend unsicherer.

Das muss auch Frankie feststellen, eine ehemalige Fixerin, die vor ihrem Dealer und seinen Schlägern auf der Flucht ist, und sich in einem Zoo versteckt hat, der von Zombie-Tieren nur so wimmelt. Doch Frankie ist zäh und kennt das Gesetz der Straße. Auf ihrer Flucht gerät sie an eine Einheit der Nationalgarde, geführt von dem wahnsinnigen Colonel Schow, der die Gunst der Stunde genutzt und sich zum uneingeschränkten Herrscher über Leben und Tod gemacht hat. Als schließlich auch Baker in seiner Hände fällt, kennt seine Machtgier keine Grenzen. Er befiehlt die Umsiedlung der gesamten Kolonie, bestehend aus Soldaten und unterdrückten Zivilisten. Sein Ziel: das militärische Testgelände Havenbrook. Der Ursprung der seuchenhaften Auferstehung …

Brian Keene ist einer der produktivsten und bemerkenswertesten amerikanischen Horror-Autoren. Das gilt vor allem für das zurzeit beliebteste Subgenre, seit es Vampire gibt: Zombies. Losgetreten von George A. Romeros „Night of the Living Dead“ begeistern die menschenfressenden Untoten ein Millionenpublikum (ob dies Anlass zur Beunruhigung gibt, kann an dieser Stelle nicht ausreichend beantwortet werden). Dass das Zombiephänomen auch in der Literatur bestens funktioniert, hat Brian Keene bereits in „Totes Meer“ hinlänglich bewiesen. Sein minimalistischer und fast schon voyeuristischer Stil ist wie geschaffen, um die Schreckensszenarien einer postapokalyptischen, von Untoten bevölkerten Welt zu dokumentieren. Und dabei gelingt es Keene immer wieder, dem scheinbar eingeschränkten Thema neue Facetten zu verleihen.

In „Auferstehung“ beweist der Schriftsteller Mut und bricht eherne Gesetze des Genres, die gerade für Zombie-Puristen starken Tobak darstellen dürften. Wie in „Totes Meer“ bekommen es die Überlebenden nicht nur mit menschlichen lebenden Leichen zu tun, sondern auch mit mannigfaltigen Zombie-Tieren. Dieser Umstand allein dürfte seit den „Resident Evil“-Filmen indes kaum noch jemanden überraschen oder gar stören. Doch ein sprechender Zombie galt bislang als absolutes Sakrileg. Umso mehr gebührt Brian Keene die höchste Anerkennung, dass er diesen Umstand glaubhaft und spannend umzusetzen versteht.

Die übersinnliche Komponente tritt bald in den Hintergrund, und die düstere, beklemmende Atmosphäre nimmt den Leser gefangen. Dabei wird die Aufmerksamkeit gleich auf drei, später sogar vier Handlungsstränge gelenkt. Jim, als Prototyp des aufopferungsvollen Vaters, verkörpert den amerikanischen Gutmenschen, der mit all seinen Stärken und Schwächen wohl zur Identifikationsfigur Nummer eins für den (männlichen) Leser avanciert. Doch auch mit der toughen Frankie leidet man und bewundert ihren Mut, während man zugleich abgestoßen ist von den Dingen, die sie zu tun gezwungen ist, um zu überleben. Würde das Buch verfilmt werden, wäre Morgan Freeman sicherlich die beste Besetzung für Pfarrer Martin, der Jim nicht nur ein treuer Gefährte, sondern auch Beichtvater und seelische Stütze ist. Der Wissenschaftler Baker hingegen steht für die Reue, die man empfinden mag, wenn man mit seinen Fehlern konfrontiert wird, die man in bester Absicht begangen hat. Aufopferungsvoll kümmert er sich um den minderbegabten Wurm, der wie durch ein Wunder überlebt hat.

Im späteren Handlungsverlauf treffen die Protagonisten auf die Einheit von Colonel Schow, einem Sadisten, wie er im Buche steht, und dem Soldaten Skip, der die Gräuel seiner Kameraden verurteilt, aber sich außerstande sieht, dem Terror-Regime ein Ende zu bereiten. Gerade hier zeigt Keene auf erschreckend plastische Art und Weise, dass Menschen selbst ihre ärgsten Dämonen sind und in Sachen Grausamkeit den lebenden Toten in Nichts nachstehen. Mit diesem Punkt greift der Schriftsteller die Botschaft auf, die George A. Romero bereits in seinen Filmen immer wieder verkündete. Während die Zombies ihre Gräueltaten stoisch, ohne sichtbare Regung und von einem animalischen Instinkt getrieben begehen, morden und foltern die Menschen bewusst aus Gier und Sadismus.

Die Story des vorliegenden Buches wird zudem so rasant und dramatisch geschildert, dass selbst kleinere Fehler im Lektorat nicht weiter ins Gewicht fallen. Es klingt einfach unelegant, wenn Dialoge genickt oder gelächelt werden. Nichtsdestotrotz liefert der Autor mit „Auferstehung“ einen der eindringlichsten, schockierendsten und brutalsten Zombie-Romane ab, bei dem eigentlich nur das offene Ende stört. Doch Keene hat bereits eine Fortsetzung mit dem Titel „Stadt der Toten“ geschrieben, deren Veröffentlichung als Taschenbuch allerdings noch auf sich warten lässt. Cover und Gestaltung des Buches passen sich der Aufmachung der ersten beiden Keene-Taschenbücher aus dem Heyne-Verlag an. Papier und Satzspiegel sind sehr hochwertig und äußerst gefällig.

Ein Zombie-Schocker der Superlative. Trotz des offenen Endes ein schonungsloses und brutales Lesevergnügen mit originellen Ideen, sowie glaubwürdigen und sympathischen Protagonisten.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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