Beuterausch

Jack Ketchum & Lucky McKee
Beuterausch

(sfbentry)
The Woman, USA, 2011
Heyne Verlag, München, 12/2011
TB, Thriller, Splatter
ISBN 978-3-4536-7615-2
Aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler
Titelgestaltung von Hauptmann & Kompanie Werbeagentur

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Bei einem Jagdausflug macht der erfolgreiche Anwalt Christopher Cleek eine unglaubliche Entdeckung: eine verwilderte Frau, die allein in den Wäldern lebt. Cleek ist derart fasziniert von ihrer Erscheinung, dass er einen verhängnisvollen Entschluss fast. Er fängt die Frau ein und kettet sie in seinem Keller an die Wand. Gemeinsam mit seiner Familie will er ein Experiment machen und die Frau zivilisieren. Doch weder seine Frau Belle noch seine älteste Tochter Peggy sind von der Idee begeistert, trauen sich aber nicht, Widerspruch einzulegen. Für Cleeks jüngste Tochter Darleen ist das alles ein großes Abenteuer, das sie nicht richtig versteht. Einzig und allein der Sohn Brian ist fasziniert von der wilden Frau und hilft seinem Vater, wo er nur kann. Doch die letzte Überlebende des Kannibalen-Stamms, der die Gegend seit Jahrzehnten unsicher gemacht hat, ist ein unzähmbares Raubtier und lauert geduldig auf ihre Chance Rache an ihren Peinigern zu nehmen …

Die Gemeinschaftsarbeit von Jack Ketchum und Lucky McKee bildet die direkte Fortsetzung der Bestseller „Beutezeit“ („Off Season“) und „Beutegier“ („Offspring“), funktioniert aber auch als einzelner Roman tadellos. Man muss also die beiden Vorgänger keineswegs kennen, um das vorliegende Buch verstehen und lesen zu können. Wie eigentlich alle Romane von Jack Ketchum so geht auch „Beuterausch“ über den plakativen, effektheischenden Horror weit hinaus, liest sich stellenweise wie eine brisante Mischung aus „Beutegier“ und „Wahnsinn“. Trotz des gefälligen Umfangs von 231 Seiten gelingt es den Autoren nicht nur glaubwürdige Charaktere zu schaffen, sondern auch eine intensive, vielschichtige und erschreckende Geschichte zu Papier zu bringen.

Obgleich es auch in diesem Buch um die Perversionen der modernen Zivilisation und ihren Kampf gegen die animalischen Triebe der Kannibalen geht, unterscheidet sich „Beuterausch“ in einigen Punkten eklatant von den beiden ersten Menschenfresser-Romanen. Dieses Mal wird nämlich die letzte Überlebende der Kannibalen zum Opfer der oberflächlich zivilisierten Menschen, ehe sie am Schluss einen blutigen Rachefeldzug startet. Und wie bereits in „Wahnsinn“, so lauert das wahre Grauen auch dieses Mal hinter der gutbürgerlichen Fassade einer typisch amerikanischen Kleinstadtfamilie.

Vor allem im letzten Drittel erreicht der Roman eine fast unerträgliche Spannung und hinterlässt beim Lesen einen dumpfen Druck im Magen. Die Gewalt, die Cleek psychisch und physisch gegen seine eigene Familie ausübt, wirkt so authentisch und beklemmend, dass man als Leser starke Nerven haben muss. Mindestens ebenso sehr wie bei den blutigen Details des finalen Massakers, das fast wie eine Erlösung für den Leser und die Überlebenden der Familie Cleek wird. Jede einzelne Figur der Familie hat eine wichtige Funktion in dieser Geschichte; es gibt keinerlei überflüssige Szenen, denn jede einzelne ist für die Charakterisierung der Protagonisten von enormer Bedeutung. Vermutlich ein Grund dafür, dass die Verfilmung von Lucky McKee, der hier als Co-Autor genannt wird, sich äußerst dicht an die literarische Vorlage hält. Tatsächlich zeigt das Cover auch das Antlitz der Schauspielerin Pollyanna McIntosh, welche die Frau in dem Film „The Woman“ spielt. So lautet übrigens auch der Originaltitel des Romans, der eigentlich viel besser zu der Story passt. „Beuterausch“ ist lediglich ein Zugeständnis an die deutsche Vermarktung und soll die Zugehörigkeit zu den beiden oben genannten Vorgänger-Titeln verdeutlichen.

Für Fans von Jack Ketchum und seinen Kannibalen-Thrillern ist dieses Buch ein absolutes Muss, für Leser, die gerne mal über den Tellerrand schauen möchten und von den üblichen Serienkiller-Thrillern nach Schema F genug haben, eine empfehlenswerte Alternative. Der Film ist gut, aber der Roman ist genial! Als Bonus beinhaltet das Buch die gut 50-seitige Kurzgeschichte „Das Vieh“ von Jack Ketchum, die die Geschehnisse aus „Beuterausch“ unmittelbar fortsetzt. Wie immer ein gelungenes Stück Horror-Literatur, das sich in Story und Umsetzung wieder mehr dem kannibalischen Schwerpunkt widmet. Achtung, nichts für schwache Mägen!

„Beuterausch“ ist ein intensiver Horror-Schocker über Angst und Gewalt in Familien. Ein fabelhafter Thriller über die animalischen Triebe, die in jedem von uns schlummern und dort am stärksten sind, wo man es am wenigsten vermutet.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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