Blutschwur

blutschwurRichelle Mead
Blutschwur
Vampire Academy 4

(sfbentry)
Blood Promise, USA, 2009
Egmont LYX, Köln, dt. Erstausgabe: 03/2010
PB mit Klappbroschur, Horror, Romantic Mystery
ISBN 978-3-8025-8204-2
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Ivan Mladenov/Shutterstock
Autorenfoto von Michael Ort

www.egmont-lyx.de
www.richellemead.com
www.hildendesign.de
www.shutterstock.com

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Das Leben der Dhampir und angehenden Wächterin Rose Hathaway war und ist nicht einfach, was teils mit ihrer Herkunft zu tun hat, teils durch ihr ungestümes Wesen selbstverschuldet ist. Endlich schien es, als würden sich ihre größten Wünsche doch noch erfüllen, da schlägt das Schicksal gnadenlos zu: Dimitri Belkov, ihr Ausbilder und Liebster, wird bei einem Angriff der Strigoi in einen untoten, skrupellos mordenden Blutsauger verwandelt. Um ihn von diesem Dasein, vor dem er sich stets fürchtete, zu erlösen, beschließt Rose, ihn in den Weiten Sibiriens zu suchen. Dafür lässt sie alles hinter sich – ihre Freundin Lissa Dragomir, mit der sie ein geistiges Band teilt, ihren glücklosen Verehrer Adrian Ivashkov und die anstehende Abschlussprüfung, die eine Zukunft an Lissas Seite bedeutet hätte.

Auf ihrer Odyssee findet Rose neue Freunde, darunter Dimitris Familie. Freundlich wird sie von den Belikovs aufgenommen. Man behandelt sie, als wäre sie die Witwe Dimitris. Allein der zwielichtige Abe Masur scheint von ihrer Anwesenheit wenig begeistert zu sein. Unmissverständlich gibt er ihr zu verstehen, dass jemand großes Interesse daran hat, dass sie schleunigst wieder abreist und am besten in die USA zurückkehrt. Um Viktoria, Dimitris Schwester, davor zu bewahren, die Bluthure eines egoistischen Moroi zu werden, der ihr seine Liebe bloß vorspielt, lässt sie sich auf einen Handel mit Abe ein, wodurch sie sich den Hass des Mädchens zuzieht und nun nichts mehr hat, was sie in Baja hält. Mit einer Gruppe jugendlicher Strigoi-Jäger zieht sie weiter nach Nowosibirsk. Dort gelingt es ihr schließlich, Dimitri aufzuspüren, aber die Begegnung verläuft anders, als geplant – und Rose begeht einen tödlichen Fehler. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie eine Gefangene der Strigoi, und Dimitri will sie zu einer der ihren machen. Rose ist hin und her gerissen. Meist scheint er ein machthungriges, eiskaltes Monster zu sein, dann wieder glaubt sie, den Mann zu sehen, den sie immer noch liebt. Sie kann sich nicht gegen seinen Biss wehren, der sie zu seiner Bluthure macht. Rose beginnt, den nächsten Biss und Dimitris Umarmungen herbei zu sehen und alles andere zu vergessen …

Unterdessen gerät Lissa an falsche Freunde und in Lebensgefahr. Selbst ihr Gefährte Christian Ozera und Adrian, der mit ihr übt, das Element Geist zu beherrschen, merken nicht, was gespielt wird und distanzieren sich von der immer kapriziöser und unberechenbarer werdenden jungen Frau. Nachdem der dritte Band von „Vampire Academy“ mit einem wahren Knaller endete – Dimitri wird zum Strigoi (zum untoten, gefühlslosen Vampir, der seine Opfer tötet), und Rose beschließt, alles aufzugeben, um den geliebten Mann von diesem grausamen Dasein zu erlösen -, beginnt die Fortsetzung doch recht verhalten mit der langwierigen Aufarbeitung dieses Verlusts.

Mehr als die Hälfte des Buchs verbringt die Protagonistin, aus deren Sicht die Geschehnisse sehr gefühlvoll geschildert werden, sowohl mit der Suche nach einer Spur von Dimitri, als auch mit der Suche nach ihrem eigenen zukünftigen Weg. Was soll sie tun, falls sie am Leben bleibt? Eine Rückkehr an die „Vampire Academy“ scheint ausgeschlossen, denn nach all den Eskapaden wird man sie gewiss nicht mehr aufnehmen und die Prüfung ablegen lassen. Lissa hat bereits neue Freunde und Wächter gefunden und braucht sie nicht mehr. Selbst Adrian wendet sich von Rose ab. Könnten die Belikovs ihre neue Familie werden? Oder soll sie sich als unabhängige Strigoi-Jägerin durchschlagen? Das alles spielt letztlich keine große Rolle – solange Dimitri nicht erlöst ist. Kleine Konflikte mit Moroi (den menschlich wirkenden Vampiren mit Psi-Kräften, die ihre Opfer nicht ermorden) und Dhampiren (Mischlingen aus Moroi und Mensch, die die Moroi für die Fortpflanzung benötigen und ihnen meist als Wächter dienen), die mit Informationen geizen, Menschen, die über die Existenz von Vampiren Bescheid wissen (darunter die Alchemisten, welche Strigoi, Moroi und Dhampire gleichermaßen für ‚böse’ erachten), und Strigoi sollen für gelegentliche Höhepunkte sorgen, was so offensichtlich ist, dass die Auseinandersetzungen ihre Wirkung verfehlen.

So plätschern die Geschehnisse, die sich ausführlich den Gefühlen von Rose und einem scheinbaren Idyll im Kreis der Belikovs widmen, dahin, bis Rose endlich auf Dimitri stößt. Natürlich kann sie ihn nicht einfach töten, das wäre zu einfach gewesen. Stattdessen wird sie seine Gefangene und von ihm in Versuchung geführt: Als Strigoi wäre sie viel mächtiger und unsterblich, zusammen könnten sie die Organisation übernehmen, der er sich angeschlossen hat, und für immer zusammen sein. Sein Biss, der erregende, Glück spendende Endorphine freisetzt, durch die Menschen und Dhampire süchtig nach weiteren Bissen werden, tut ein Übriges, um Rose völlig durcheinander zu bringen. Sie liebt Dimitri noch immer – aber empfindet er dasselbe? Oder ist er nur ein skrupelloses, mordendes Ungeheuer, das … was … von ihr will? Erneut muss Rose eine schwere Entscheidung fällen. Parallel dazu geht das Leben auch an der „Vampire Academy“ weiter. Regelmäßig ‚besucht’ Rose Lissa in deren Gedanken, um zu sehen, wie es der Freundin geht. Hin und wieder erscheint ihr auch Adrian im Traum, aber Rose will ihm nicht verraten, wo sie sich befindet und was ihr alles zugestoßen ist, und schließlich gehen sie im Streit auseinander. Einige Dinge geben Rose zwar zu denken, aber es dauert lange, bis sie die Wahrheit erkennt, und dann ist sie zu weit weg, um rechtzeitig an die Schule zurückkehren zu können.

Der Band endet mit noch einigen Überraschungen, die für erfahrene Leser vielleicht nicht ganz unerwartet kommen, gab es doch genügend versteckte Details, die auf diese Entwicklungen hin arbeiteten. Die hoch dramatischen Ereignisse in den letzten zwei Fünfteln des Buchs entschädigen für den schleppenden Beginn. Die Autorin versäumt nicht, die Weichen für das Kommende zu stellen, denn sie führt interessante neue Figuren und Gruppen ein, erinnert an einen alten Feind, der Konflikt innerhalb der Moroi-Hierarchie wird konkretisiert, das Liebes-Karussell dreht sich, und in Rose keimt ein Fünkchen Hoffnung. Rose, die Hauptfigur, zieht wieder einmal ihr eigenes Ding durch, ohne Rücksicht auf andere und sich selbst zu nehmen. Dabei stürmt sie blindlings los, und der Leser ahnt, dass ihre Mission nicht einfach verlaufen wird. Tatsächlich muss sie viele Hürden überwinden, tritt dabei anderen empfindlich auf die Zehen und erreicht doch immer ihr Ziel dank dritter und sehr viel Glück. Manchmal macht es sich die Autorin schon ein wenig einfach, um einen Konflikt zu lösen, aber man nimmt es ihr nicht übel, da die Handlung flüssig voran schreitet und man an den Krisen der sympathischen Protagonisten teilnimmt.

Diese entwickeln sich nur teilweise weiter. Den größten Sprung macht Adrian, obwohl seine Rolle eher klein ist. Christian wird an den Rand gedrängt und durch eine andere Figur ersetzt, die Lissa maßgeblich beeinflusst. Dimitri weckt zwiespältige Gefühle, so dass man das Zögern von Rose sehr gut nachvollziehen kann. Auch über sich selbst erfährt Rose Neuigkeiten. Auf jeden Fall bleibt die Geschichte spannend und man darf dem nächsten Teil, der wohl bis Ende 2010 in den Buchhandel gelangen wird, entgegenfiebern. Schätzt man phantastische Romane wie „Stadt der Finsternis“, „Dante Valentine“ oder „Dhampir“, wird man auch an „Vampire Academy“ viel Spaß haben. Obwohl man die Titel durchaus der Romantic Fantasy oder Mystery zuordnen kann, wird in ihnen die Phantastik groß und die Romantik klein geschrieben, so dass sich eine packende Handlung mit reizvollen Charakteren entwickeln kann, die alles bietet, was man von Fantasy- und Horror-Romanen erwartet. Zwar ist in „Blutschwur“, dem vierten Band von „Vampire Academy“, die Liebe die Triebfeder für das Handeln der Hauptfigur, aber im großen Zusammenhang macht dies Sinn und verwässert nicht den dramatischen Plot.

Man kann sich als Quereinsteiger problemlos in „Blutschwur“ zurechtfinden, da sich das Wesentliche der Handlung entnehmen lässt. Sehr viel mehr Spaß macht die Lektüre jedoch, wenn man mit Bd. 1 beginnt. „Vampire Academy“ ist einer der Top-Titel von LYX und bietet weiblichen und männlichen Phantastik-Fans ab 15 Jahre beste Unterhaltung!

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

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