Das keltische Grab

Pierre Pelot
Das keltische Grab


(sfbentry)
Originaltitel: Brocéliande (Paris : Payot Rivages 2003)
Übersetzung: Gabriele Lefevre
Deutsche Erstausgabe: April 2004 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. 45646)
239 S.
ISBN-13: 978-3-442-45646-8

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Das geschieht:

An der Universität von Rennes möchte Chloé Séverin Geschichte und Ethnologie studieren. Der Ort ist gut gewählt, denn just haben im Wald von Brocéliande groß angelegte Ausgrabungen begonnen. Eine keltische Kultstätte wurde dabei gefunden. Vor zwei Jahrtausenden haben Druiden an diesem Ort ihre mysteriösen Zeremonien abgehalten.

Die Wissenschaftler wissen (noch) nicht, dass besagte Druiden über einen okkulten Wachschutz geboten. Bei Bedarf weckten sie einen urzeitlichen Dämon: die fürchterliche Furie Morrigane. Der gefiel es noch nie in ihrer privaten Hölle, die sie gar zu gern verlässt, um Mord & Schrecken über die Menschen zu bringen. Chloé sieht sich schnell in diverse unheimliche Ereignisse verwickelt. Vor ihren Augen wird des Nachts ein irischer Gelehrter von einem Ungeheuer in Stücke gerissen. Die Polizei kann keine Spuren entdecken, man tippt sich vielsagend an den Kopf.

Das Monster verfolgt inzwischen Chloé; besser gesagt: Es bewacht sie. Die junge Frau hat Freunde gefunden und macht sich daran, das Rätsel zu lüften. Der berühmte Professor Brennos scheint weitaus mehr zu wissen, als er bereit ist zuzugeben. Die Archäologen der Universität finden im Fort von Brocéliande weitere Spuren, die zur Beunruhigung Anlass geben.

Immer deutlicher werden auch für Chloé die Hinweise auf ein schreckliches Geschehen, in dem sie die Hauptrolle spielen soll. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November berühren sich die Welten der Lebenden und der Toten: Samhain wird blutige Realität. Morrigane benötigt ein letztes Menschenopfer, dann wird sie ihre Schreckensherrschaft antreten. Da sie nicht bereit ist, diese Rolle zu übernehmen, geht Chloé in die Offensive – und arbeitet der Furie in die Klauenhände …

Schlaffes Grauen aus der Retorte

Manche Horrorromane gleichen den Spukgestalten, von denen sie erzählen: Es sollte sie eigentlich nicht geben, aber trotzdem existieren sie, denn sie sind verflucht. Gespenster, Dämonen und selbst der Anblick trocknender Farbe an der Wand sind freilich unterhaltsamer als dieses Buch. Das ist außerordentlich überflüssig weil langweilig, vorhersehbar und in seiner dunklen Liebe zum abgedroschenen Klischee wahrhaft höllisch.

Grundsätzlich ist es lobenswert, dass europäische Unterhaltungsautoren ihr reiches mythologisches und historisches Erbe nutzen. Der alte Kontinent birst vor fabelhaften Geschichten. Die Kelten sind ideal als Ausgangspunkt: ein hoch zivilisierter aber immer noch wenig bekannter, fremd wirkender Verbund von Volksstämmen, deren kultisches Treiben heutzutage überaus bizarr und grausam anmutet.

Leider bleibt davon in der literarischen oder filmischen Umsetzung allzu oft nur das Bild hakennasiger Druidenpriester mit Rauschebart im Wallewalle-Laken, Modell Miraculix, die kreischende Gefangene auf Altarsteine zwingen und mit der Sichel aufschlitzen, während wohlgestalte Tempeldienerinnen heidnisch nackt die Szene umtanzen. Auch bei Pierre Pelot läuft es letztlich darauf hinaus. Bis es so weit ist, reihen sich langweilige Ankündigungen drohenden Unheils, die selbst im Halbschlaf als solche zu erkennen sind und ganz und gar nicht fesseln können.

Widerliche Heldin wider Willen

Wie üblich gibt sich die Heldin ausgesprochen dämlich; sie bleibt irgendwie die einzige Person, die einfach nicht begreifen will, was sich da abspielt. Sie ist eine schreckliche Nervensäge, die arme Chloé. Ihr bleibt gar keine Alternative, denn sie muss die übliche Rolle des schönen Opfers im minderbemittelten Gruselschocker übernehmen. Chloé ist folglich vom Schicksal arg gebeutelt, trotzdem überaus reizvoll anzuschauen, aber ein ‚gutes Mädchen‘, das viele wertvolle Gedanken (die sie den Lesern leider nicht vorenthält) bezüglich der Frage wälzt, mit wem sie ihr schmales Studentenlager teilen könnte. Kurz und schlecht: Chloé ist eine fade und langweilige Figur, der man insgeheim wünscht, dass ihr Schädel möglichst bald die Kultstätte von Brocéliande schmückt .

Wer sich sonst noch dort oder auf dem Campus von Chloés Uni herumdrückt, wurde ebenfalls nach Schema F geformt. Die Schurken in dem trüben Schauspiel bleiben erneut nur für Chloé unerkannt, dass ihre angeblichen ‚Freunde‘ bis zum Hals im keltischen Komplott stecken, ist deshalb nur für sie eine Überraschung.

Was die Morrigane will in der Welt des 21. Jahrhunderts, muss ihr Geheimnis bleiben. So ist das oft mit heraufbeschworenen Ungeheuern: Ihnen bleibt keine Zeit, sich über moderne Zeiten zu wundern, denn in letzter Sekunde werden sie von heldenhaften Geisterjägern zurück in die Hölle befördert. So auch dieses Mal – und das ist kein Spoiler, der erwartungsvollen Lesern den Spaß verderben könnte, sondern die traurige Realität einer Geschichte, deren Ablauf schon nach den ersten fünf Seiten absolut klar ist, bis sie in ein jämmerliches Finale mündet, das an Lächerlichkeit schwer zu übertreffen ist.

Der Film zum Roman

„Brocéliande“ ist das Buch zum gleichnamigen Spielfilm, der 2002 in Frankreich entstand. Unter dem Titel „Pakt der Druiden“ ist dieser auch in einer deutschen Fassung erhältlich. Regisseur und Drehbuchautor Doug Headline (der eigentlich Tristan Jean Manchette heißt) schuf einen Gruselstreifen, der daheim in den Kinos floppte und in Deutschland gleich auf DVD veröffentlicht wurde; dort gehört er erstens hin und zweitens schnell vergessen, denn da ist rein gar nichts, das dieses Machwerk aus der Flut ähnlicher Horrorfilme ragen ließe.

Autor

Pierre Pelot (geb. 1945) ist ein Veteran der Unterhaltungsliteratur, der sich seit vier Jahrzehnten in allen Genres tummelt. Dass er sich nicht zu schade ist, Filmdrehbücher in Romane umzusetzen, bewies er schon mit dem Buch zum ungleich gelungeneren Horrorfilm „Der Pakt der Wölfe“. Vermutlich ist der Erfolg dieser Geschichte, die ebenfalls in Deutschland erschien, der Grund für die Veröffentlichung vom „keltischen Grab“, das hoffentlich wie die Morrigane bald wieder vom Erdboden verschwunden ist.

Über sein Werk informiert Pelot auf seiner Website.

[md]

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