Das Königshaus der Monster

Jonathan Barnes
Das Königshaus der Monster

OT: Domino Men
Aus dem Englischen von Biggy Winter
Piper
Erscheinungsdatum: März 2009
Hardcover
396 Seiten
ISBN 9783492701761

Nach seinem fulminanten Debüt „Das Albtraumreich des Edward Moon“ kehrt Autor Jonathan Barnes in seinen Kosmos zurück, beschreibt dieses Mal jedoch das London der Gegenwart, in dem einige merkwürdige Gestalten ihr Unwesen treiben. Mit von der Partie sind auch wieder die beiden völlig durchgeknallten Killer in Schuluniform, die unaufhaltsam jedes Opfer zur Strecke bringen können. Die beiden kennt der Leser schon aus dem ersten Roman des Autors.

Bis diese jedoch endlich eingreifen dürfen, sind wahrscheinlich die meisten Leser bereits sanft entschlummert oder haben sich wütend von der Lektüre verabschiedet. Um es vorwegzunehmen: In punkto Spannungsgehalt ist die vorliegende Geschichte ein großer Sack heiße Luft, oder, um es anders auszudrücken, eine einzige große Enttäuschung. Denn leider scheint dem Autor diesmal jegliche gute Idee abhanden gekommen sein. Da hilft auch sein guter Stil nichts. Absolut enervierend ist es, wenn Barnes sich in geheimnisvollen Andeutungen erschöpft und den Leser im Unklaren lässt. Kurzfristig mag man auf diese Art und Weise Spannung erzeugen, aber auf mehr als 100 Seiten funktioniert dies nicht mehr. Eine Frechheit ist es dann, dass der bis dahin ahnungslose Protagonist einen Teil des Geheimnisses erfährt, daran den Leser jedoch nicht teilhaben lassen möchte, sondern stattdessen äußert: „Wäre ich der Meinung, es hätte irgendeinen Nutzen, würde ich Ihnen das Geheimnis an dieser Stelle verraten. Ich würde es niederschreiben, ganz gleich, welche Folgen es hätte. Aber ich sehe keinen Vorteil darin…“ (Seite 111).

Dieser dilettantische Versuch, Spannung beim Leser zu erzeugen, wirkt einfach nur erbärmlich, zumal der Klappentext des Hardcovers dem uninformierten Leser längst auf die Sprünge geholfenhat. Was sich hinter der großen Verschwörung verbirgt, die der farblose Protagonist zu seiner wie der Qual des Lesers zuerst nur in vielen mysteriösen Andeutungen häppchenweise unterbreitet bekommt, ist schlussendlich auch nur ein Rohrkrepierer, der höchstwahrscheinlich nur eingeschworene britische Royalisten in Wallung bringt. Dass die Mitglieder des britischen Königshauses einen an der Klatsche haben, dürfte keine sensationelle Neuigkeit sein. Dass sie nun auch noch zu bösartigen Verschwörern mutieren… na ja, in China ist schon mal der eine oder andere Sack Reis umgefallen. Vielleicht sollte Barnes hierzu mal was schreiben, es könnte kaum „packender“ sein, als das vorliegende Elaborat.

Schade, denn nach seinem Erstling schien der Autor ein Wunderkind, ein vielversprechendes Erzähltalent, von dem der Leser noch viel Gutes würde erwarten können. „Das Königshaus der Monster“ aber zeigt eines in aller Klarheit: Auch ein brillanter Stilist braucht zumindest eine gute Grundidee, um eine interessante Geschichte erzählen zu können. Fehlt diese und versucht der Autor dies auf die billigste Art und Weise zu kaschieren, dann entsteht ein Langweiler wie das vorliegende Buch. Ein spannungsarmes, sich in paranoiden Andeutungen erschöpfendes Etwas, das den Leser durch billige Trickserei versucht bei der Stange zu halten, anstatt durch wahre Phantasie und Poesie.

War „Das Albtraumreich des Edward Moon“ noch die hohe Bühnenmagie eines Großmeisters, so ist „Das Königshaus der Monster“ einfach nur kriminelle Hütchenspielerei, geeignet nur zum Betrug und zur Enttäuschung des Lesers. (gb)

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