Die Entdeckung des Hugo Cabret

Brian Selznick
Die Entdeckung des Hugo Cabret

The Invention of Hugo Cabret, USA, 2007
cbj-Verlag, München, 2/2008
HC, Jugendbuch, Mystery, Horror, 978-3-570-13300-1, 543/1995
Übersetzung aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
Titelbild und Innenillustrationen von Brian Selznick

www.cbj-verlag.de

Hugo Cabret ist ein armer Waisenjunge zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, der in Paris lebt und für sein Auskommen sorgen muss. Sein Vater war ein begabter Uhrmacher, der aber bei einem tragischen Brand in einem Museum ums Leben kam. Stattdessen nahm sein Onkel sich des Jungen an. Auch dieser war mit Uhren beschäftigt: Er war für die Wartung der Uhren im Pariser Hauptbahnhof zuständig – eine Arbeit, die fortan Hugo verrichten durfte.

Und so sieht denn auch sein Leben aus: tagein, tagaus harte Arbeit, um all die Uhren im Bahnhofsgebäude am Laufen zu halten. Und nicht einmal genug Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen, geschweige denn…

Hugo hat da nämlich ein Geheimnis, er hütet sozusagen das Erbe seines Vaters und will es wieder richten. Nur leider kommt der wahre Eigentümer dieses Erbes Hugo auf die Schliche…

Historische Figuren anhand von fiktiven zu erklären und ihre Abenteuer erleben zu lassen, ist ein alter Kniff der Autoren eben jenes Genres. Historische Romane mit Bildern zu illustrieren, um der Geschichte vielleicht mehr Tiefe zu geben, das ist auch schon des Öfteren vorgekommen. Was allerdings Brian Selznick da abliefert, hat mit einem Roman nur noch gemeinsam, dass eine historisch belegbare Figur auftritt: die Filmlegende aus der Zeit, als die Bilder laufen lernten – Georges Méliès.

Was der Autor, der eigentlich Illustrator ist, sich da zusammen gesponnen hat, mag vielleicht noch einen gewissen humoristischen Wert besitzen; wirklich auf die Beine kommt sein erklärtes ‚Wunschkind’ dagegen nie, dazu wirkt dieses Experiment zu schwergängig.

Der Autor/Illustrator erzählt in Worten und Bildern (vor allen Dingen Bildern!) seine Geschichte um den fiktiven Waisenjungen Hugo und den desillusionierten Ex-Filmemacher Méliès. Letzterer hat im Bahnhof, in dem der Junge schuftet, nämlich ein Geschäft mit allerlei mechanischem Spielzeug. Was Selznick damit ausdrücken möchte, ist klar: Der frühere, gefeierte Star der ersten Leinwandfilme befindet sich auf dem absteigenden Ast.

Mélièr scheint es wirklich absolut daneben zu gehen, wenn ihm nicht einmal auffällt, dass Hugo sich quasi ständig im Bahnhof herumtreibt, oft genug mit einem Eimer voller Werkzeug.

Aber beim ersten Zusammentreffen der beiden (sowie auch später) beschimpft Mélièr den Jungen immer wieder als Tagedieb und Taugenichts. Und Hugo, natürlich ganz der verschüchterte, aber auch verstockte Junge am Rande der Pubertät, nimmt logischerweise vor einem alten Mann Reißaus, der ihm das Notizbuch seines Vaters stiehlt. Ihm fällt auch nicht mehr zu der ganzen Geschichte ein, als ‚Onkel Georges’ ständig lauthals zu beschimpfen, und das mehrmals über Tage, was natürlich auch wieder keinem der Nachbarn oder der Passanten auffällt – oh, lobenswerte gute, alte Zeit, in der wir alle noch keine Ohren zum Hören besaßen!

Leider fällt neben der Idee auch die deutlich bildlastige Umsetzung des Stoffes durch. Die Zeichnungen sind von sehr guter bis hervorragender Qualität, daran liegt es also nicht.

Woran es liegt, ist schlicht das simple Scheitern von Selznicks Versuch, einen Film in Buchform zu erzählen. An irgendeiner Stelle schaltet der Leser nämlich einfach ab, sieht sich entweder nur noch die Bilder an oder liest die wenigen, beschrifteten Seiten. Dass gerade letzteres fatal ist, sieht man schon allein am ersten Kapitel: Von knapp 70 Seiten bestehen 65 aus Zeichnungen. Da wäre wohl ein Comic deutlich angebrachter gewesen, dann hätte man auch auf die komplett geschwärzten Seiten verzichten können.

Was vielleicht ein guter Weg hätte sein können, gerade jungen Lesern über eine Zeit zu berichten, als die Bilder Laufen lernten, verkommt schließlich und endlich leider nur noch zu einer Farce, bei der man als Leser froh ist, das Buch endlich zur Seite legen zu können.

Daran ändert dann auch das doch gut recherchierte Glossar am Ende des Bandes nichts. Man braucht nicht ein und die gleiche Zeichnung des Mondes auf zehn Doppelseiten, um zu verstehen, dass dieses Buch endlich vorbei ist.

Alles in allem sehr enttäuschend! Der Stoff erscheint für ganz junge Leser zu komplex, und ältere werden ihre liebe Not mit ihrer Konzentrationsfähigkeit haben. Einziger Lichtblick: Für die Toilettenpause braucht es keine halbe Stunde. (RSch)

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