Die Herrin der Schmerzen

Michael Marcus Thurner (Autor), Uwe Voehl (Hrsg.)
Die Herrin der Schmerzen
Horror Factory 6

Lübbe Audio, Köln, 08/2013
Ungekürzter Audio-Download
Horror, Thriller
ISBN 978-3-8387-7248-6
Laufzeit: ca. 131 Min.
Gelesen von Uve Teschner

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www.perry-rhodan.net/michael-marcus-thurner.html
www.perrypedia.proc.org/wiki/Michael_Marcus_Thurner
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„Kerzenlicht, Musik von Ella Fitzgrald, das Knistern und Prasseln eines Feuers im Kamin. Ein ausgezeichnetes Essen in Gegenwart einer wunderschönen Frau. Was konnte ein Mann mehr verlangen? Nun, da war dieses verdammt schlechte Gefühl in Marcos Magengegend. Irgendetwas stimmte mit Evi nicht. Doch er schaffte es nicht, den Grund seines Unwohlseins zu bestimmen. Gewiss, er hatte ein schlechtes Gewissen angesichts der bösen Dinge, die er und seine Freunde während der Schulzeit mit dem zöpfchentragenden und sommersprossigen Mädchen, das mittlerweile zu einer wahren Schönheit gereift war, angestellt hatten. Doch da war noch mehr. Evis Stimmungsschwankungen machten ihm gehörig zu schaffen. Irgendein Geheimnis umgab diese Frau. Und – er musste es sich eingehstehe – je mehr Unsicherheit er verspürte, desto mehr Lust empfand er.“

Auf einem Klassentreffen sieht Marco seine alte Klassenkameradin Evelyn „Evi“ Hamberg wieder, mit der er sich in der Schulzeit nie gut verstanden hatte. Er muss feststellen, dass sich die einfältige Schnepfe von einst zu einer äußerst attraktiven, intelligenten und weltgewandten Frau entwickelt hat. Dass er und seine Freunde Evi zur Schulzeit grob gehänselt hatten, bis hin zur Demütigung, daran kann er sich kaum noch erinnern.

Einem Quickie auf der Restauranttoilette folgen für Marco Tage des Wartens, in denen er herausfindet, dass es Evi nicht nur durch ihre Heirat und folgende Witwenschaft, sondern auch durch eigene Initiative weit gebracht hat. Seit diesem Abend ist Marco ihr regelrecht verfallen. Seine Hoffnungen gehen in Erfüllung, als sie ihn zum Abendessen in ihr großzügiges, ererbtes Palais einlädt. Doch der Abend verläuft anders als geplant, denn im Gegensatz zu Marco hat Evelyn die Vergangenheit nicht vergessen, und sie war in den letzten 25 Jahren nicht untätig. „Es roch streng. Nach Kot und nach Kadavern. Marco kniff die Augen zusammen. Allmählich gewöhnte er sich an die Dunkelheit. Da waren viele Ausstellungsstücke, die teilweise von Tüchern bedeckt zu sein schienen. Von irgendwoher drang klägliches Gejammer, wie von Kleinkindern. […] Sie drehte das Licht an. Marco schloss geblendet die Augen. Als er sie wieder öffnete, sah er sich einer ausgestopften Katze gegenüber, die mit Zimmermannsnägeln gegen eine Holzwand gepinnt worden war.“

Der vor allem als „Perry Rhodan“-Autor bekannte Michael Marcus Thurner liefert hier die erste ‚Real-Horror‘-Story ohne übernatürliche Elemente innerhalb von Uwe Voehls „HORROR FACTORY“ ab. Das Sujet der gedemütigten Frau, die sich an ihrem Peiniger rächt, klingt verdächtig nach angesagtem Torture Porn, der hier gegen den Strich aufgezogen ist, nämlich aus der Sicht des ehemaligen Peinigers. Doch Michael Marcus Thurner enttäuscht die dahingehenden Erwartungen, um sie letztendlich weit zu übertreffen.

„Herrin der Schmerzen“ ist so generalstabmäßig und stringent aufgebaut, dass man bereits nach wenigen Minuten im Netz des Autors zappelt. Beständig steigert sich sowohl bei Marcus als auch beim Leser die Gewissheit, dass hier etwas ganz und gar nicht so läuft wie erwartet. Doch die Geilheit (bei Marco) respektive die Neugier (beim Leser/Hörer) gewinnen, und man lässt sich aus perversem Vergnügen auf Evelyns Spiel ein, bei dem sich die Rollen langsam aber sicher verkehren.

Sobald sich Marcus in Evelyns Haus und damit buchstäblich in ihren Fängen befindet (nach etwa 40 Min.), steigert sich der Horror unaufhörlich (die verbleibenden 90 Min.). Voller Stolz präsentiert Evelyn dem wehrlosen Marco die beträchtlichen Früchte ihres Lebens seit der Schulzeit. Scheinbar nebensächlich eingeflochtene Kleinigkeiten bohren sich nacheinander an die Oberfläche der Geschichte und gewinnen plötzlich unangenehme Bedeutung. Hier erlangt die Story schließlich etwas von Kim Newmans „Der Mann, der Clive Barker sammelte“.

Michael Marcus Thurner gelingt es nicht nur, die Spannung über den kompletten Zeitraum außergewöhnlich hoch zu halten, sondern auch das perverse Grauen, das Marcus in Evelyns Haus erlebt, über weit mehr als die Hälfte der Laufzeit unnachgiebig und quälend langsam zu steigern. Dabei transportiert er das Grauen direkt in den Kopf seiner Leser/Hörer und verzichtet fast gänzlich auf explizite Gewaltszenen. Edgar Allan Poe hätte seine wahre Freude an dieser Geschichte.

Das Hörbuch:

Wie schon Christian Endres‘ „Crazy Wolf“ wird auch „Die Herrin der Schmerzen“ von Uve Teschner gelesen, der sich in den letzten Jahren zu einem mit Recht vielbeschäftigten Hörbuchinterpret entwickelt hat. Mit härteren Stoffen konnte der vielseitige Sprecher bereits bei Audible Erfahrung sammeln, wo er unter anderem die exklusiven Hörbücher von Richard Laymon und Jack Ketchum kongenial eingelesen hat. Mit leichten Stimmodulationen gelingt es ihm, die Figuren, allen voran Marco und Evelyn, überzeugend zum Leben zu erwecken.

Brillante Rachegeschichte, die ein Folterszenario antäuscht, um schließlich die Entsetzensschraube langsam und unbarmherzig anzuziehen.

Copyright © 2013 by Elmar Huber (EH)

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Comments

  1. FRISCH AUFGENOMMEN:

    HÖRBUCHBESPRECHUNG: DIE HERRIN DER SCHMERZEN – HORROR FACTORY 6 von Michael Marcus Thurner (Autor), Uwe Voehl (Hrsg.) – Rezensiert von Elmar Huber

    SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Paraphrenie – Geschichten von Verfolgung, Folter und Mordgelüsten”

    http://sfbasar.filmbesprechungen.de/buecher/sfbasar-de-anthologie-mit-themenschwerpunkt-%e2%80%9cparaphrenie-%e2%80%93-geschichten-von-verfolgung-folter-und-mordgelusten%e2%80%9d/

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