Feeder – Action Cut

Carsten Fehse
Feeder – Action Cut
Schrei der Angst 1

Marctropolis, Braunschweig, 1. Auflage: 05/2010
1 Audio-CD (Kurzfassung, auch als Doppel-CD erhältlich)
Hörspiel, Horror-Thriller
EAN 4042564118803
Laufzeit: ca. 75 Min.
Sprecher: Martin May, Ernst Meincke u. a.
Musik von N. N.
Titelgestaltung von N. N.

www.marctropolis.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Auf den Fersen zweier Bankräuber gerät Agent Miguel Del Canto zufällig in ein fallengespicktes Haus, wo ihn ein grauenerregender Anblick erwartet: eine Frau, die aufgrund ihrer Körperfülle nicht mehr in der Lage ist, sich selbstständig zu bewegen, angeschlossen an Fütterungsmaschinen, die sie unablässig mästen. Es gelingt, das Opfer Doris Debrochet zu retten.

Einige Jahre später wird ein weiteres Opfer des Feeder gefunden: eine ehemalige Miss New York, die inzwischen auf über 200 kg Körpergewicht aufgedunsen ist. Überzeugt, dass Doris Debrochet mehr weiß, als sie damals ausgesagt hat, fährt Agent Del Canto mit seinem Partner Baker in die Kleinstadt, wo Doris inzwischen als Polizistin arbeitet. Eine Tätowierung auf der Leiche führt die übrigen Ermittler derweil zu einem stillgelegten Schlachthof nahe New Yorks, wo weitere Fallen des Feeders warten. Auch die Russenmafia interessiert sich für den Feeder und für Del Cantos Ermittlungen, denn die Frau eines russischen Paten wurde vom Feeder entführt. Und der Feeder selbst verfolgt die Ermittlungen und seine ehemalige Geliebte Doris Debrochet.

Verglichen mit dem kompromisslosen Eindruck, den Marctropolis mit ihrem ersten Hörspiel vermitteln wollen, ist die Umsetzung enttäuschend bieder geraten. Natürlich ist das Thema an sich provokativ, im Hörspiel noch nie dagewesen und bestimmt nicht jedermanns Sache. Viele werden von vorneherein abwinken, braucht man doch einen starken Magen, um sich die ehemals fraulichen Fleischberge – angeschlossen an unnachgiebige Fütterungsmaschinen – vorzustellen. Die relativ schlappe Umsetzung konterkariert das provokante Thema allerdings fast vollständig. Gerade bei „Feeder“ wäre eine moderne, stylische Umsetzung à la „Dorian Hunter“ wünschenswert und passend gewesen. Stattdessen bekommt der Hörer einen Erzähler, der mit stets gleich bleibender Stimmlage agiert, egal ob Del Canto sich einen Hot Dog bestellt oder mehrere Agenten gerade von siedendem Öl übergossen werden. Überhaupt ist der Erzähler die meiste Zeit überflüssig. Vieles hätte dynamischer durch die Dialoge der Figuren vermittelt werden können. Die Geräusche scheinen aus einem Standardkatalog zu stammen.

Leider bleiben auch die Figuren sehr blass. Zumindest im Fall Doris Debrochet hätte man sich einige Sätze über Therapien, plastische Operationen usw. gewünscht, die aus ihr wieder eine selbstbewusste Frau, sogar eine Polizistin, gemacht haben. Mal ganz abgesehen davon, wie unwahrscheinlich es ist, nach acht Jahren als Lustobjekt des Feeders innerhalb von verhältnismäßig kurzer Zeit wieder ein normales Leben führen zu können. Absolut lächerlich ist es auch, dass Doris Debrochet erst drei Jahre nach ihrem Martyrium den Namen des Feeders preisgibt. Bis auf die massiven Logiklöcher ist das Skript allerdings gar nicht so schlecht geraten. Die Story wird relativ weit aufgezogen, die Verwicklungen der Russenmafia in den Fall sorgen für zusätzlich Zündstoff. Auch Doris Debrochet scheint noch etwas vor dem FBI zu verbergen. Und der Feeder selbst lauert bereits im Hintergrund. Von den Sprechern überzeugt am ehesten der Sprecher der Hauptrolle Martin May, der bei „John Sinclair“ Suko spricht.

Was den Aufhänger der Story angeht, finden sich immerhin zumindest Anklänge, den Fetisch ‚dicke Frauen‘ und wie die ‚Opfer‘, angesichts einer Gesellschaft, in der das übermächtige Schönheitsideal schlank ist, einwilligen, immer weiter gefüttert zu werden, dankbar, so begehrt zu werden, wie sie sind, nachvollziehbar zu machen. Hier hätten die Macher gerne noch tiefer in die Gedankenwelten von ‚Täter und Opfer‘ eindringen dürfen. „Feeder“ will so etwas sein, wie das Hörspiel-Pendant zur „Saw“-Reihe, bietet aber am Ende nur Unterhaltung auf TV-Niveau mit einigen drastischen Bildern und stellenweise schlampigem Script. Das mag an den Kürzungen des Action-Cuts liegen, der mit 78 Min. nur rund 2/3 der Laufzeit der Erstveröffentlichung aufweist. Sollte das so sein, stellt sich die Frage nach Sinn und Zweck dieser Kurzversion.

In der eindringlichsten Szene des Hörspiels steht Agent Del Canto auf einer Party dem Russenpaten Vladimir Videofsky gegenüber, während dieser gerade ein Kalb schlachtet. Über dem Geschehen kreisen nenzische Raben, und das Lachen des Russen klingt verzerrt in Del Cantos Kopf, der schon die Wirkung der Betäubungsmittel spürt. Mehr von solch eindringlich inszenierten Szenen hätten „Feeder“ um Längen besser gemacht.

Gemessen an den Erwartungen, die durch die vollmundige Werbung geschürt werden, bietet der Auftakt leider zu wenig. Doch die „Feeder“-Saga geht weiter.

Copyright © 2011 by Elmar Huber (EH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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