Frankenstein

Mary W. Shelley
Frankenstein

Mitternachtsbibliothek 4
Frankenstein – The Modern Prometheus, England, um 1820
Arena Verlag, Würzburg, 2/2008, Lizenzausgabe/Originalausgabe: Hanser-Verlage, München, 1993
HC, Gruselklassiker, Horror, 978-3-401-06113-9, 375/1495
Aus dem Englischen von Friedrich Polarkovics
Titelbild von N. N.
Vignetten von Klaus Steffens
www.arena-verlag.de

In Zusammenarbeit mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar erscheint im Arena Verlag seit 2007 die „Mitternachtsbibliothek“, in der die wichtigsten Gruselklassiker noch einmal in einer einheitlichen Aufmachung präsentiert werden. Natürlich gehört auch der um 1820 erschienene Roman „Frankenstein – oder der moderne Prometheus“ von Mary W. Shelley dazu.

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Rahmen eines Wettbewerbs zwischen jungen Dichtern der Boheme in der Villa Diodati am Genfer See, die dem berühmten englischen Dichter Lord Byron gehörte. Der Roman steht in der Tradition der englischen Gothic Novel und wird von manchen auch als Beginn der Science Fiction und nicht nur als Schauerroman gewertet, denn erstmals bestimmen nicht übernatürliche Mächte das Schicksal der Helden sondern die Wissenschaft.

Während einer Reise in die Nordpolarregionen nimmt eine Schiffsbesatzung einen halberfrorenen Mann auf, der auf einem Hundeschlitten über das Eis jagt. Der Mann, der sich am meisten um ihm kümmert, erfährt dessen tragische Geschichte: Victor Frankenstein ist auf der Suche nach einem Monster, das er mit eigenen Händen erschuf und womit großes Unglück über die Familie brachte.

Als Mann der Wissenschaften hat er nach ausgiebigen Studium, akribischen Beobachtungen und kleinen Tests eine wahnwitzige Idee entwickelt: Könnte es nicht möglich sein, aus toten Körpern mittels Elektrizität neues Leben zu erschaffen? Sorgt diese vielleicht nicht nur für Muskelzuckungen, sondern bringt sie auch wieder die Prozesse im Körper in Gang? Entsetzt und angewidert wenden sich die meisten Professoren und Magister von ihm ab. Auch wenn sie aufgeklärte Männer der Wissenschaft sind, so fühlen sie sich doch nicht so vermessen und sind zu gottesfürchtig, um die Schöpfung selbst in die Hände zu nehmen.

Doch Frankenstein ist derart von seiner Idee überzeugt, dass er den Plan gegen alle Widerstände heimlich in die Tat umzusetzen beginnt. Doch als sein Vorhaben endlich gelingt, schreckt er entsetzt vor dem Monster, das er geschaffen hat, zurück und flüchtet. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die seine Familie in den Untergang treibt, beginnend mit der Ermordung seines kleinen Bruders Wilhelm…

Auch nach fast zwei Jahrhunderten behandelt der Roman immer noch aktuelle Themen, denn regelmäßig wird offen gelegt, dass Wissenschafter auch heute noch bereit sind, um der Forschung Willen über moralische und ethische Grenzen hinweg zu gehen, die unser Menschsein definieren.

Mary W. Shelley beleuchtet die Geschehnisse aber nicht nur aus der Sicht des Forschers, der alle damaligen Regeln der menschlichen Gesellschaft bricht, sondern auch aus der der Kreatur, die zunächst nur aus reinen Instinkten handelt und erst später die Grenzen der Moral kennen lernt. Am Ende überlässt sie es dem Leser zu entscheiden, wer hier nun der Mensch und wer das Monster ist.

Die Ausgabe ist sehr schön bearbeitet, mit stimmungsvollen Vignetten und einem ausführlichen Vorwort der Herausgeberin der Reihe versehen und in seiner Original-Struktur als Sammlung von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen belassen. Eventuell hat der Übersetzer kleine Kompromisse gemacht, was Formulierungen und Worte betrifft, die zu veraltet waren, geblieben ist aber der für diese Zeit und diese Romane bildhafte Stil.

Vielleicht ist der Spannungsaufbau wesentlich gemächlicher, als man ihn gewohnt ist, aber „Frankenstein“ setzt nicht auf Action und oberflächliche Effekte sondern auf atmosphärische Innen- und Außensichten, die mehr unter die Haut gehen als blutrünstige Schockeffekte und wildes Abenteuer. Er gehört jedenfalls zu den Klassikern, die jeder Genrefan kennen sollte. (CS)

Bei Amazon.de
Mitternachtsbibliothek. Frankenstein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.