Haunted Houses – Spukhäuser: Englische Gruselgeschichten

Anne Rademacher (Hrsg.)
Haunted Houses – Spukhäuser: Englische Gruselgeschichten

dtv-Verlag/dtv zweisprachig, München, 11/2012
TB 9511, Mystery/Horror, Drama, Paralleldruck Englisch-Deutsch
ISBN 978-3-423-09511-2
Aus dem Englischen von Anne Rademacher, Wolfheinrich von der Mülbe
Titelgestaltung von Balk & Brumshagen und Nico Schönicke unter Verwendung eines Fotos von Dee Counter-Griffis

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„Haunted Houses – Spukhäuser“ stellt im Horror-Genre durchaus schon ein eigenes Genre dar, sind sie oft der Dreh- und Angelpunkt für unheimliche Geschehnisse. Meist treibt der Geist eines Ermordeten sein Unwesen, hin und wieder ist das Gemäuer sogar selbst ‚lebendig‘. Es lockt Neugierige an, die ihren Mut beweisen, das Rätsel lüften oder den Geist vertreiben wollen. Anne Rademachter offeriert in der vorliegenden bilingualen Anthologie fünf typische Erzählungen namhafter britischer (irischer) Autoren der Phantastik aus dem 19. Und 20. Jahrhundert. Im Anhang werden sie kurz vorgestellt.

M. R. James: „Lost Hearts – Verlorene Herzen“.
Der 11-jährige Stephen Elliott wird nach dem Tod seiner Eltern von seinem kauzigen Verwandten Mr. Abney zu sich genommen. Schon bald ereignen sich merkwürdige Dinge: Der Jungen glaubt, in der Badewanne eine Gestalt liegen zu sehen. An der Tür zu seinem Zimmer werden Kratzer gefunden, und sein Nachthemd ist auf ähnliche Weise zerfetzt worden. Eines Nachts bemerkt er im Garten die beiden Kinder, die vor ihm Aufnahme bei Mr. Abney gefunden hatten, plötzlich verschwunden waren – und Rache nehmen wollen für das, was ihnen angetan wurde.

H. G. Wells: „The Red Room – Das Rote Zimmer“.
Ein junger Mann möchte den Geist sehen, der angeblich im Roten Zimmer eines Schlosses spukt und für den Tod seines letzten Besitzers verantwortlich sein soll. Die alten Verwalter bemühen sich vergeblich, den Gast von seinem Vorhaben abzubringen. Als er sich im fraglichen Raum befindet, erlöschen plötzlichen die Kerzen, und die Dunkelheit erweist sich als sehr beängstigend.

Saki: „The Open Window – Die offene Terrassentür“.
Wegen eines Nervenleidens soll sich Mr. Nuttel auf dem Land erholen. Die Familie, die ihn als Gast aufnehmen will, scheint jedoch etwas eigentümlich zu sein. Die 15-jährige Vera erzählt ihm von einer Tragödie, die sich vor drei Jahren ereignet hat. Demnach kamen die männlichen Mitglieder des Haushalts niemals von der Jagd heim, doch wird seither für sie die Terrassentür stets offen gehalten, da man immer noch auf die Rückkehr der Vermissten hofft. Mit einem Mal nähern sich von draußen Stimmen.

Joseph Sheridan Le Fanu: „An Authentic Narrative of a Haunted House – Die wahre Geschichte eines Spukhauses“.
Aus gesundheitlichen Gründen zieht eine Familie mit ihren Angestellten in ein Haus am Meer. Kaum haben sie sich eingerichtet, sehen sie im Haus und im Garten fremde Personen und hören seltsame Geräusche. Als ein Stück eines menschlichen Kieferknochens an einer Stelle im Garten ausgegraben wird, an der regelmäßig eine zerlumpt gekleidete Frau auftaucht, wird das Rätsel nicht kleiner.

Roald Dahl: „The Landlady – Die Wirtin“.
Billy Weaver befindet sich auf der Suche nach einem billigen Zimmer. Eine kleine Pension, die von einer schrulligen Dame geführt wird, scheint genau das Richtige zu sein. Aber etwas ist seltsam: Der kleine Hund wacht nicht auf, der Papagei spricht nicht, in all den Jahren gab es anscheinend nur zwei Mieter, deren Namen Billy irgendwie vertraut vorkommen.

Nachdem man die Storys gelesen hat, möchte man eigentlich nur „Lost Hearts“, „The Red Room“ und „An Authentic Narrative of a Haunted House“ in die „Haunted House“-Rubrik stecken. Vor allem die Beiträge von H. G. Wells und J. S. Le Fanu rücken mysteriöse Geschehnisse in einem unheimlichen Haus in den Mittelpunkt, lassen es dort spuken und geben nicht wirklich eine Erklärung für die Phänomene, was vor allem „Die wahre Geschichte eines Spukhauses“ etwas blass erscheinen lässt. „Verlorene Herzen“ spielt zwar ebenfalls mit bizarren Vorkommnissen in einem Herrenhaus, doch die Geister wurden in diesem Fall von den Menschen gerufen.

„The Open Window“ liest sich wie eine Parodie auf das Genre und gefällt durch die einerseits erwartete, aber unerwartet komische Wende am Ende. „The Landlady“ merkt man an, dass sie jüngeren Datums ist. R. Dahl umgibt nicht die Pension sondern seine Besitzerin mit dem Unheimlichen.

Freunde des gepflegten Horrors werden von dieser Anthologie mit abwechslungsreichen Geschichten sehr gut unterhalten. Besonders schön ist, dass man den englischen Original-Text lesen kann und auf der gegenüberliegenden Seite stets die deutsche Übersetzung findet, falls man bei einigen Vokabeln im Zweifel ist.

Es empfiehlt sich, der englischen Version den Vorzug zu geben, die nicht so schwierig zu lesen ist, wie Ungeübte vielleicht meinen, und nur ausnahmsweise den deutschen Text zu Rate zu ziehen. Man findet sich schnell zurecht und hat dadurch ein kleines Erfolgserlebnis. Möchte man seine Englisch-Kenntnisse auffrischen, erhält man mit „Haunted Houses – Spukhäuser“ eine dafür geeignete kurze und vor allem kurzweilige Lektüre. Insbesondere für Schüler ab der Mittelstufe ein sehr empfehlenswertes Buch. Bitte, mehr davon!

Copyright by 2013 © Irene Salzmann (IS)

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