Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff

Frank Heller, Christopher Lang (Herausgeber)
Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff
Lovecraft Country Collection Band 3
Cthulhu Quellenbuch

(sfbentry)

Pegasus Spiele Hardcover (2010)
ISBN 9783941976016, 205 Seiten
Illustratoren: Yörn Buttelmann, Aljoscha Nett, Kim Schneider
Übersetzungen: Frank Heller, Robert Maier

Basierend auf der Erzählung „Schatten über Innsmouth“ aus der Feder von H. P. Lovecraft und der umtriebigen Schaffenskraft der Call-of-Cthulhu-Autoren, präsentiert sich das kleine und düstere Küstenstädtchen Innsmouth im dritten Band der Reihe „Lovecraft Country Collection“. Die äußere Aufmachung ist verstörend gelungen und stimmt auf den mysteriös mythischen Inhalt ein, der die Spieler sicherlich das Grauen lehren wird.

Die Verarbeitung des Buchs ist gewohnt hoch, es liegt mit seinem schweren Papier griffig in der Hand. Es gibt ein goldgelbes Lesebändchen und hinten ist im Buch eine Plastikecke angebracht, in der sich eine DIN-A-2-Karte von Innsmouth befindet. Die Karte sieht schick aus, ist aber leicht verschwommen und wirkt pixelig, so als wäre eine kleine Vorlage passend vergrößert worden. Trotzdem übertrifft sie in puncto Qualität die Karte aus „Arkham – Hexenstadt am Miscatonic“ bei weitem. Die Karte wirkt zum Bespielen einfach zu edel und verlangt eigentlich danach, auf einem stabilen Untergrund aufgezogen oder stets sicher im Buch verwahrt zu werden. Auch die Seiten sind schön gestaltet und weisen die Optik eines alten, vergilbten Buches auf. Obwohl es sich um einen Druck in Graustufen handelt, sieht das ziemlich gut aus. Auch „Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff“ wurde dem 2009 verstorbenen Keith Herber gewidmet, dem Begründer der Lovecraft-Country-Reihe.

Das Lektorat des Buchs wirkt aufgeräumt und ordentlich. Der Kontrast der Texte ist weitgehend gut, einzig das Vorwort zeigt hier Schwächen. Im Hintergrund wird ein Teil der Innsmouth-Karte abgebildet und der schwarze Text auf stellenweise grauem Grund ist für die Augen anstrengend. Das ist glücklicherweise ein Einzelfall. Zudem ist das Vorwort nur kurzzeitig von Belang. Wichtiger ist der eigentliche Inhalt des Buches. Und der kann sich sehen lassen.

Nach einem groben Überblick über das Country und einer weiteren Karte von Innsmouth, geht es sofort ans Eingemachte. Zuerst wird ein grober Überblick über die kleine Stadt geboten, die gerade mal ein paar Hundert Einwohner hat. Wie ist das Wetter, wer hat das Sagen, wo liegen die Ursprünge der Stadt, wie steht der Mythos mit all dem in Verbindung? Alle diese Fragen und viele weitere werden gut und unterhaltsam beantwortet. Schnell wird klar, dass Innsmouth kein Urlaubsparadies ist, sondern ein düsterer und gefährlicher Misthaufen.

Ist der Leser erst einmal umfassend informiert, kann er sich den Stadtführer zu Gemüt führen. Um sich schnell und sicher zurechtzufinden, gibt es zwei weitere Karten der Stadt. Einmal mit der Nummerierung der Gebäude und dann eine weitere Karte, in der die Stadtviertel eingetragen sind. Nach Stadtvierteln getrennt werden nun die einzelnen Gebäude und Bereich beschrieben. Dazu gehören offensichtliche Dinge, geheimes Wissen, Fotografien, Personenbeschreibungen und NSC-Werte. Das Buch ist gespickt damit und strotzt nur so vor liebevollen Details, das der Leser davon beinahe erschlagen wird. Sogar das Teufelsriff wird genau vorgestellt und schon bald entsteht das Gefühl, tatsächlich einmal durch die Straßen der Stadt gegangen, den moderigen Geruch eingesogen und sich mit den Leuten unterhalten zu haben. Niemand ist in der Lage sämtliche Informationen im Kopf zu behalten, aber das Quellenbuch dient hervorragend als Nachschlagewerk und um sofort aus dem Buch heraus loszuspielen. Seien es vorgefertigte oder auch eigene Abenteuer.

Um hier die Arbeit zu erleichtern und spannende Unterhaltung zu bieten, enthält das Buch sechs Abenteuer, die zu einer Kampagne zusammengefügt werden können. Die Abenteuer-Reihe ist allerdings unvollständig und es wird das Buch „Sturm über Innsmouth“ benötigt, um die Kampagne abzuschließen und alle Geheimnisse Innsmouth‘ zu ergründen. Doch bis dahin bieten die in „Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff“ enthaltenen Abenteuer genug Stoff für viele spannende Spielabende.

Im Buch sind die Abenteuer „Das Erbe der Crawfords“ (von Kevin Ross), „Der einsame Sumpf“ (von Mirko Bader), „Mary“ (von Mike Lay), „Ein alter Bekannter“ (von Ralph Dula), „Die Innsmouth-Connection“ (von Gary Sumpter) und „Fischfutter“ (von Bernhard Bihler) enthalten. Sämtliche Abenteuer sind detailliert geschrieben, besitzen alle wichtigen Werte, sehr viele Illustrationen, Karten, Grundrisse und schick aufgemachte Handouts. Die Präsentation ist vorbildlich und ein Genuss fürs Auge.

„Das Erbe der Crawfords“ eignet sich gut, um eine Spielgruppe von Außerhalb ins Geschehen einzubinden, konzentriert sich aber stark auf einen einzigen Charakter. Hier bietet es sich also an, das Abenteuer mit nur einem Spieler oder einer sehr kleinen, eventuell verwandtschaftlich verbundenen Gruppe zu spielen, um jeden ins Boot zu holen. „Der einsame Sumpf“ eignet sich wiederum sehr gut für größere Gruppe, die gerne etwas freier agieren möchten. Leider führt es zu Problemen, falls die Spieler den entscheidenden Hinweis übersehen.

„Mary“ ist ein Abenteuer, dass sich vor allem an Spielleiter richtet. Die meisten Informationen dürften den Spielern nämlich unbekannt bleiben, sind aber durchaus lesenswert. Außerdem besteht die Gefahr, dass Spieler mit ihren Aktionen die Handlung in eine andere Richtung drücken, als es der Autor vorgesehen hat. Dann sollte der Spielleiter etwas aus dem Ärmel schütteln können. Mit „Ein alter Bekannter“ wird der Fokus dann wieder auf einen einzelnen Spieler gerichtet – wie es bereits in „Das Erbe der Crawfords“ der Fall ist. Zudem bietet sich hier den Spielern die Möglichkeit frei in Innsmouth zu ermitteln und so beim Städteführer aus dem Vollen zu schöpfen. Für Spielleiter sehr anspruchsvoll, da sie schnell reagieren und improvisieren müssen, um die Bewohner der Stadt darzustellen.

Das Abenteuer „Die Innsmouth-Connection“ hebt sich vom üblichen Allerlei ab, denn das Abenteuer hat eine ziemlich weltliche Handlung. Und genau das wird ja keine gestandene Cthulhu-Abenteuergruppe erwarten. Somit hat Die „Innsmouth-Connection“ den größten Überraschungswert. Zwar gibt es eine überraschende Begegnung mit einem Shoggothen, aber dieses plötzliche und sicherlich tödliche Zusammentreffen ist wohl eher der Monster-Quote geschuldet, als der eigentlichen Handlung. An sich ist der Shoggothe verzichtbares Beiwerk.

Den Abschluss der Abenteuer bildet „Fischfutter“. Dieses Abenteuer kann sehr spannend werden, richtet sich aber auch an erfahrene Spielleiter. Anfangs werden die Spieler nämlich ziemlich hart an die Leine genommen (was manche Gruppen doof finden) und dann plötzlich von selbiger gelassen (was dazu führen kann, dass die Gruppe nicht weiter der geplanten Handlung folgt). Der humorvolle Ton des Abenteuers entschädigt aber  ein wenig für diese Problematiken. Vor allem der ethische und moralische Fokus ist der Knaller.

Allgemein richten sich die Abenteuer an erfahrene Spielleiter, da oft improvisiert wird. Eine genaue Lektüre des Buchs im Vorfeld ist anzuraten, um wenigstens einen guten Überblick zu haben. Obwohl ständig „Sturm über Innsmouth“ erwähnt wird, können die Abenteuer auch davon losgelöst und sogar einzeln gespielt werden.

„Innsmouth – Küstenstadt am Teufelsriff“ ist ein wunderbares Quellenbuch und eine Bereicherung für jede Spielgruppe, die in dieser Region unterwegs ist. Als Teil einer Innsmouth-Kampagne die sich mit den Tiefen Wesen und dem Dagon Orden auseinandersetzt, ist das Buch ziemlich unverzichtbar. Klasse Teil!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Buch24.de

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