Kannibalen – Menschenfleisch, sittlich und moralisch tabu

Robert Bloch, Harlan Ellison, H.P. Lovecraft u.a.
Frank Festa (Hrsg.)
Kannibalen – Menschenfleisch, sittlich und moralisch tabu

(sfbentry)
Festa-Verlag
ISBN  978-3-86552-126-2
Horror
Erscheinungsjahr: 2011
Originalausgabe
Broschur 19 x 12 cm, Umschlag in Lederoptik (Menschenhaut?)
Umfang 320 Seiten

www.festa-verlag.de/

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Zum Buch:

13 Geschichten rund um das Thema Kannibalismus hat Frank Festa in diesem Buch zusammengetragen. Gewürzt wird dieses Potpourri des Grauens von echten Pressemitteilungen, die trotz der Kürze und des Unkommentiertseins im Weiteren bei mir für ganz schöne Gänsehaut gesorgt haben.

Folgende 13 Leckerbissen gibt es für die Mutigen unter den Horror-Fans zu entdecken:

Greg F. Gifune „Schnee-Engel“
Ein Autor, den ich erst vor gar nicht allzu langer Zeit für mich entdeckt habe macht hier den Anfang. Eine Geschichte, die bis kurz vor ihrem Ende eher bittersüß ist und dann so endet, wie man es sich eher nicht gewünscht hätte. Aus diesem Grund aber ist sie für mich aber auch in diesem Buch die Lieblingsgeschichte.

E.T.A. Hoffmann „Cyprians Erzählung“
Auch in längst vergangenen Zeiten gab es sie schon, Menschen, die Menschen essen und diese Erfahrung muss nun auch Graf Hippolit mit seiner Aurelie machen. Grässlich, abscheulich, aber man mag nicht aufhören.

Harlan Ellison „Auf der Suche nach dem verlorenen Atlantis“
Ein Mann fährt mit seiner äußerst seltsamen Braut durchs Land -wie selbstverständlich- und findet sich dann bei ihrer noch viel merkwürdigeren Familie wieder. Alles untermalt beim Lesen (in meinem Kopf) von „Clair de Lune“.

Tim Curran „Maden“
Das ist eine wirklich eklige Geschichte und die Bilder, die in meinem Kopf entstanden sind, wenn ich mir diese Maden vorgestellt habe, werde ich so leicht auch nicht mehr los. Also hat diese Geschichte perfekt ihr Ziel erreicht. Ich könnte mir wirklich einen Film vorstellen, in dem ein Mann Maden in sich hat, die ihm befehlen, Leichen zu essen, stinkende, faulige Leichen.

Anthony Boucher „Sie beißen“
Tja, es sind eben nicht alle Gruselgeschichten nur erfunden, so manches Mal gibt es in alten, verlassenen Gebäuden eben jene Kreaturen doch und wie der Titel es verrät, es sind bei Weitem keine Kuscheltiere. Aber der „Held“ dieser Geschichte mag daran nicht glauben, so muss er es halt am eigenen Leib spüren.

H.P. Lovecraft „Das Bild im Haus“
Und wieder einmal bestätigt sich, man sollte vorsichtig sein und sich genau anschauen, an wessen Türe man klopft, wenn man in fremder Umgebung Unterschlupf begehrt. Hier könnte es jemand sein, der dem Wahn verfallen ist und in seiner Einsamkeit einen merkwürdigen Appetit entwickelt hat.

Edward Lee „Madenmädchen im Gefängnis der toten Frauen“
Das ist meine zweitliebste Geschichte in dem Buch. Ziemlich eklig, aber schmunzeln musste ich bei dem Erzählstil des Madenmädchens schon. Zombie-Prostituierte, entstanden durch einen Unfall, werden benutzt, wie Vieh gehalten und spuren sie nicht, gequält. Doch sollte der Mensch aus der Geschichte gelernt haben, dass so etwas nie sehr lange gut geht. So auch hier.

David Case „Der Kannibalenschmaus“
Ein Forschungsreisender trifft auf einen sehr gebildeten Kannibalen, eine wahnwitzige Situation, stellen wir uns diesen Klischee-Kannibalen doch ganz anders vor. Umso erschreckender ist es dann, dass trotz seiner zivilisierten Sprache er ganz gewiss nicht davon abrückt, den Reisenden zur Hauptspeise zu erklären.

Robert Barbour Johnson „Tief unten“
Hierbei handelt es sich auch um eine sehr bildhafte Geschichte. Man ist auch hier live dabei, so geschickt ist die gruselige Geschichte um bösartige Kreaturen in der Unterwelt der Großstadt. Und man mag daran glauben, dass es mit den Jahren für diejenigen, die dort unten dafür sorgen, dass diese gefräßigen, gefährlichen Wesen nicht an die Oberfläche gelangen, höchst ansteckend sein könnte und dass sie selbst zu dem werden, was sie eigentlich in Schach halten sollen.

Edgar Allen Poe „Arthur Gordon Pym, der Kannibale“
Eine klassische Geschichte, schon älter, aber man könnte sich sehr wohl vorstellen, dass in so einer Situation es genauso laufen könnte und in Kriegszeiten z.B. wird es auch so passiert sein. Bevor alle sterben, soll einer der Männer auf dem Schiff sich opfern. Doch wie lange zehren die Überlebenden davon, bis ein nächstes Opfer gefunden werden muss.

Robert Bloch „Das Festmahl in der Abtei“
Und wieder begibt sich ein Reisender in ungleiche Gefahr, als er dem Äußeren einer Abtei vertraut und sich in einem wahrgewordenen Albtraum wiederfindet, mit einem Mahl, dass ihm auf immer den Appetit verderben wird.

Brian McNaughton „Lord Gryphtards Geschichte“
Hier kommt ein weiteres Element hinzu, das Fantastische. Ein Junge entwickelt von klein auf eine Vorliebe für Tote, für den nahen Friedhof, für Mausoleen, für Grüfte. Hierbei entdeckt er eben auch die für ihn große Liebe und leider auch die Erkenntnis, dass diese Liebe sehr einseitig ist und sein tot geglaubter Vorfahre doch mehr Vorzüge zu bieten hat, als er selbst.

Graham Masterton „Eric, die Pastete“
Der Titel hat mich getäuscht. Ich habe etwas gänzlich anderes erwartet, als die Tatsache, dass ein Junge einfach nur den Sprüchen seiner Mutter folgt, ad absurdum führt. So sagt Erics Mutter in einer Tour zu ihrem Sprössling „Du bist was du isst“. Gut, Eric testet es aus, beginnt mit Kellerasseln und arbeitet sich im Laufe seines Lebens hoch. Nichts für Tierliebhaber. Aber wer immer schon en detail wissen wollte, wie der frühe Werdegang eines Serienkillers aussieht, wird hier bestens bedient.

Fazit:
Ich hatte einiges an Vorschusslorbeeren zu dem Buch gelesen und ich kann mich dem nur anschließen. Ein ausgesprochen vorzüglicher Leseschmaus für Freunde des Extremen, des Abscheulichen, ja aber auch mit einer gehörigen Portion Ironie gewürzt. Eben ein Reigen aus Kannibalismus-Häppchen, die dem geneigten Leser wohl munden dürfte.

Der Herausgeber hat in seiner Vorbemerkung einen Ausspruch Robert Blochs zitiert, den ich hier auch gerne anbringen möchte, allerdings ganz zum Schluss. Ich finde, wer bei dem Spruch auch schmunzelt, so wie ich, der ist als Leser dieses Buches genau richtig:

„Ich habe das Herz eines Kindes – es steht in einem Glas Spiritus auf meinem Schreibtisch“

Copyright © 2012 by Sabine Kettschau

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