Showdown

Matthew Reilly
Showdown

Originaltitel: Contest (Sydney : Pan Macmillan 2000)
Übersetzung: Alfons Winkelmann
Deutsche Erstausgabe: Juli 2002 (Ullstein Verlag/TB Nr. 25406)
440 S.
ISBN-13: 978-3-548-25406-7
eBook: April 2013 (Ullstein Verlag)
3760 KB
ISBN: 978-3-8437-0486-1

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Das geschieht:

Unheimliches geht vor in den stillen, endlosen Gängen der New York State Library. Wo sonst das Wissen der Welt friedlich verstaubt, wird die fürchterlich zugerichtete Leiche eines Nachtwächters gefunden. Ein wahrer Unmensch muss ihn in Stücke gerissen haben, vermutet die Polizei. Wenn sie wüsste, wie richtig sie damit liegt! Außerirdische haben sich in der Bibliothek eingenistet. Alle 1000 Jahre halten sie ein Präsidian ab – einen Wettkampf, dessen Ausgang die Herrschaft über die Galaxis entscheidet. Ein hoher Preis, für den die beteiligten grünen Männchen, grauen Aliens & Co. ihre tüchtigsten, d. h. stärksten und mordlustigsten Repräsentanten in die Arena schicken.

Um die Macht wird buchstäblich auf Leben und Tod gekämpft: Nur einer wird den Ring verlassen! Pech für die Menschheit, dass auch sie großzügig als Mitbewerber akzeptiert wurde, denn irgendwer hat stets versäumt, sie darüber zu informieren, wie der Präsidian-Hase läuft. Deshalb ziehen seit vielen Jahren die denkbar ungeeignetsten Krieger unfreiwillig in die Schlacht – antikrömische Gelehrte, englische Feudalherren oder just Dr. Stephen Swain, seines Zeichens Unfallchirurg am St. Luke‘s Hospital in Connecticut.

Er findet sich eines Nachts in besagter Bibliothek wieder. Metzeltauglich wurde sie mit allerlei Alien-Tricks in ein Labyrinth umgestaltet. Dort umschleichen nun sieben Gladiatoren einander. Damit Dr. Swain ein nicht gar zu klägliches Bild abgibt, stellt ihm die Spielleitung den Führer Selexin zur Seite, der ihn auf dem Schlachtfeld berät. Um Swain darüber hinaus anzuspornen, wurde auch Holly, sein achtjähriges Töchterlein, in die Arena versetzt. Das stachelt den Vater tatsächlich zu Höchstleistungen an, was nur gut ist, denn die Nacht, die es zu überstehen gilt, ist lang, die Gegner sind schrecklich hartnäckig, und von Fair Play halten sie sämtlich gar nichts …

Gut geklaubt, dann breitgetreten

Damit könnten wir diese Besprechung im Grunde abbrechen, denn „Showdown“ ist ein Buch, dessen Handlung deckungsgleich mit dem Geschehen ist, was bedeutet: Im Vordergrund steht ausschließlich die „Äkschen“, wie Schwarzenegger hollywoodselig es gern nannte. Die Motivation der Aliens, die Vorgeschichte der Gladiatoren, Hintergrundinformationen zur galaktischen Weltordnung, überhaupt alles, was die Story irgendwie zum Stillstand und den Leser zum Nachdenken bringen könnte: Fehlanzeige, alles gekappt – oder getunt, denn Autor Reilly macht in seinem Vorwort gar keinen Hehl daraus, dass genau dies sein Begehr gewesen ist. Den „Prototyp für einen anderen Stil von Buch – einen superschnellen, absoluten Non-Stop-Thriller“ wollte er kreieren. Herausgekommen ist eine Art Youtube-Reißer für anspruchslose und/oder geistig nicht zu überlastende Zeitgenossen.

Zu denen gehören wir nach einem harten Tag in der Tretmühle alle gern einmal. Dann schätzen wir diese Art von Hirn-Fastfood; schlechten Gewissens vielleicht aber ohne Rücksicht auf eventuelle Negativfolgen. Anders als Reillys übliche, d. h unfreiwillig grausige Machwerke ist „Showdown“ kein gänzlich aus dem Ruder gelaufenes Thriller-Kasperletheater, sondern ein turbulentes Abenteuer-Spektakel – zwar ohne Ideen oder Überraschungen aber in seiner zielgerichteten Schmalspur-Dramaturgie immerhin konsequent. Die Ähnlichkeit mit einem Computerspiel – sechs Etagen = sechs Level hat die Bibliothek – kommt ebenfalls nicht von ungefähr.

Wer keine Lust hat, Reillys „Showdown“ zu verfolgen, die Story aber trotzdem gern kennenlernen möchte, greife zur Science-Fiction-Kurzgeschichte „Arena“. Fredric Brown hat sie 1944 verfasst; sie gehört zu den besten des Genres und dient seit Jahrzehnten Film- und TV-Drehbuchautoren als Inspiration. Sogar der unsterbliche Captain James T. Kirk hat sie schon einmal durchlitten. Reilly tritt „Arena“ zum „Showdown“ breit und reichert die Handlung mit Blut, Kind-in-Gefahr-Episoden und ähnlichen Tricks an; wie so oft funktioniert das sogar.

Personen ohne Persönlichkeiten

‚Figuren‘ wie Stephen Swain, Wunderkind Holly oder Sidekick Selexin lagern zusammen mit schießwütigen Geheimdienstlern und Haufdrauf-Aliens in den Klischee-Magazinen Hollywoods. Wenn nicht gerade eine neue Reißbrett-Phantastik-Serie zum Dreh ansteht, kann man sie mieten und sich getrost darauf verlassen, dass sie ihre vorgegebenen Rollen mit Scheinleben füllen.

Mehr ist nicht drin, mehr soll es auch nicht sein; es würde den Primär-Fan verwirren und langweilen, denn dieser schätzt es, wenn Dramaturgie sich vorzugsweise auf großkalibrige Waffen und harte Fäuste stützt. Deshalb treffen wir auch in „Showdown“ viele alte Bekannte wieder: auf Schurkenseite das Alien, den Predator, sogar den guten alten Ymir, die „Bestie aus dem Weltenraum“ (USA 1957). Sie wurden ein wenig umgestaltet, aufpoliert und wieder in die Schlacht geworfen, wo sie gewalttätig aber tumb durch dunkle Gänge tappen und sich von hoffnungslos unterlegenen aber schlauen – weil US-amerikanischen – Erdmenschen in die Pfanne hauen lassen. Das mag auch daran liegen, dass sie vor dem finalen Todeshieb stets von außerordentlicher Redseligkeit befallen werden und sich so lange stolz ihrer Schlau- und Bosheit brüsten, bis ihr Opfer wieder entwischt und den Spieß umdreht.

Sie werden halt niemals lernen, dass man sich mit einem Bürger von God’s Own Country nicht anlegen sollte! Mr. Jedermann verwandelt sich hier sogleich in eine Kampfmaschine, wenn man ihn herausfordert oder gar seine Familie bedroht. Dr. Swain ist zudem Unfallchirurg, was praktisch ist in einer Geschichte, die viel Blut fließen lässt. Obwohl er reihenweise Monster mit Fahrstühlen zerquetscht oder stromtoastet, ist unser Stephen ansonsten natürlich ein netter Kerl, liebevoller Vater und eigentlich toller Ehemann aber momentan ein immer gramgebeugter, alleinerziehender Witwer. Außerdem hat er gerade in Notwehr ein menschliches Schurkenschwein erledigt, was ihm und auch Holly gar schrecklich nachgeht. Ist es da ein Wunder, dass Reilly so rasch die Filmrechte für „Showdown“ an Hollywood verscherbeln konnte? Allerdings verschwanden sie dort in der „development hell“ für vom Pech verfolgte Drehbücher und wurden nie umgesetzt; eine Tatsache, die sich problemlos verschmerzen lässt.

Autor

Matthew Reilly wurde am 2. Juli 1974 in der australischen Metropole Sydney geboren. Er besitzt zwei Universitätsabschlüsse (Jura und Kunst) und kann sein Schriftsteller-Debüt in eine hübsche Story kleiden, die er u. a. im Vorwort von „Showdown“ erzählt: Obwohl erst 2000 erschienen, ist dieses Werk doch sein Erstling, entstanden 1993 noch vor „Ice Station“, dem Thriller, der ihm den Durchbruch brachte.

Ohne den Prominenten-Bonus, der ihm dadurch zuteilwurde, orientierten sich die Verleger an der Qualität des eingereichten Werkes, was für einen Verfasser vom Kaliber Reillys von Nachteil ist. Jedenfalls lehnte sämtliche Verlagshäuser das Manuskript ab. Unverdrossen nahm Reilly sein Schicksal selbst in die Hand und ließ auf eigene Kosten 1000 Exemplare von „Showdown“ drucken, die er in seiner Heimatstadt Sydney mehr schlecht als recht unter die Leser brachte, bis einer hochrangigen aber niveauflachen Mitarbeiterin des Pan Macmillan-Verlags ein Exemplar in die Hände fiel.

Danach wurde alles anders, Reilly ein Bestseller-Autor und war besagter Verlag dankbar über jedes Manuskript, das sein neues Rennpferd im Stall aus dem Schreibtisch kramen konnte. Mit viel Trara erlebte deshalb auch „Showdown“ seine Reinkarnation. Nehmen wir es gelassen, da Reilly, der seinen folgenden Thrillern erst recht mächtigen Dumm-Schaum quirlte, mit „Showdown“ immerhin eine Zugfahrt oder einen Nachmittag am Strand versüßen kann.

Website des Verfassers

Copyright © 2016 by Michael Drewniok (md)

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