Straight to You

David Moody
Straight to You

Originaltitel: Straight to You (Halesowen : Infected Books 2014)
Übersetzung: Jasmin Krieger
Deutsche Erstausgabe: Juni 2017 (Voodoo Press)
281 S.
ISBN-13: 978-99957-56-40-6
eBook: Juni 2017 (Voodoo Press)
868 KB
ISBN-13: 978-99957-56-39-0

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Das geschieht:

Seit der Totgeburt des sehnlich erwarteten Babys kriselt es zwischen den Eheleuten Steven und Samantha Johnson. Schließlich kommt es zum großen Streit, und sie zieht zurück ins Haus des verwitweten Vaters, der erfreut die Trennung vom verhassten Schwiegersohn begrüßt. Steven flüchtet sich in seine Arbeit als Kreditberater, doch auch beruflich gibt es Schwierigkeiten, die nur deshalb seiner Karriere kein Ende bereiten, weil die Welt plötzlich vor einem elementaren Problem steht.

Dass es in diesem Herbst heißer als im Hochsommer ist, wird in den Medien weidlich ausgeschlachtet. Experten streiten sich, die Regierung wiegelt ab, doch Tatsache ist, dass die Sonne der Erde deutlich stärker einheizt, als sie es aus wissenschaftlicher Sicht sollte. Nun kommen plötzliche Energieausbrüche hinzu, die den Planeten förmlich in Licht und Hitze baden. Sie treiben die Temperaturen weiter nach oben – und die Abstände zwischen den Eruptionen verkürzen sich!

Für Gegenmaßnahmen ist es zu spät, als feststeht, dass die Sonne sich nicht beruhigen wird. Die Menschen flüchten aus den Städten, obwohl sie auf dem Land keine Rettung erwarten können. Auch Steven schließt sich an; er will nach Norden, um zusammen mit Sam auf das Ende zu warten.

Vor ihm liegt eine Strecke von mehreren hundert Kilometern. Mit dem Wagen kommt Steven nicht weit. Zu Fuß muss er sich durch ein Land kämpfen, das binnen weniger Tage zerstört und zunehmend unbewohnbar geworden ist. Seine Reise wird zu einer alptraumhaften Odyssee. Nicht nur Hitze und Trockenheit machen Steven zu schaffen. Er muss erleben, wie die Menschen um ihn herum elend zugrunde gehen. Die Zivilisation zerfällt, Mitleid und Hilfsbereitschaft schwinden, fanatische Untergangspropheten terrorisieren ratlose, verzweifelte Männer und Frauen. Steven muss sich anpassen, seine Skrupel vergessen, notfalls zurückschlagen. Er kämpft sich durch, während am Himmel die Sonne mörderisch weitertobt …

Doppeltes Debüt, halbe Wirkung

Wie wir dem Vorwort entnehmen können, schrieb David Moody diesen Roman bereits 1996. Es war sein Erstling, und nachdem der Stolz über die gelungene Veröffentlichung verraucht war, wuchs nach eigener Auskunft die Frustration über ein Buch ohne inhaltliche oder formale Qualitäten. Was andere Schriftsteller achselzuckend als Jugendsünde abgetan hätten, ließ Moody keine Ruhe. Knapp zwei Jahrzehnte später – inzwischen konnte er auf eine lange Reihe von Romanen zurückblicken – griff er sich das Debüt und schliff es, bis es seinen aktuellen Anforderungen an eine gelungene Geschichte entsprach.

Tatsächlich habe er „Straight to You“ praktisch neu geschrieben und nur den Plot, die Namen der Hauptfiguren und einige Szenen beibehalten, führt Moody aus. Entstanden ist nach seiner Meinung eine deutlich verbesserte Neufassung. (Übrigens hat er diese Art der Runderneuerung auch weiteren Frühwerken angedeihen lassen: Moody ist offenkundig ein Autor der digitalen Gegenwart, für den ein geleistetes Werk nie wirklich abgeschlossen ist, sondern jederzeit ‚modernisiert‘ werden kann und darf.)

Die Mehrheit der Leser dürfte darüber anders denken; vielleicht auch nicht, denn David Moody ist ein Autor, der für ein spezielles Publikum schreibt, das seinen Lesestoff möglichst simpel strukturiert schätzt. Hintergründigkeit wird höchstens behauptet bzw. in homöopathischen Dosen beigemischt, um die Eindimensionalität des Geschehens – besagtes Publikum würde den Ausdruck „zielgerichtet“ vorziehen – zu bemänteln.

Das Ende naht, bleibt aber ohne Überraschungen

„Straight to You“ entspricht in sämtlichen Details diesen Vorgaben. Generell ist dagegen nichts einzuwenden. Die Apokalypse wurde schon x-fach als Thema bemüht? Das hindert niemanden, sie ein weiteres Mal zu entfesseln. Theoretisch ist sie eine sichere Bank, denn wer hat sich noch nie gefragt, was er oder sie tun würde, wenn der Tag des Jüngsten Gerichts wirklich kommen würde? Allerdings liegt wie so oft der Mehrwert in der Variationsbreite begründet. Es gibt nicht DIE Apokalypse sowie Standard-Reaktionen darauf, wovon Moody auszugehen scheint. Abwandlungen = Überraschungen sind gestattet – und notwendig, wie „Straight to You“ unfreiwillig unter Beweis stellt.

Wie mag der ursprüngliche Roman sich gelesen haben? Moody schämt sich in der Erinnerung, weil er Flach-Figuren nur ausgedachte, aber nicht selbst empfundene Emotionen aufgezwungen habe. Das hat sich in keiner Weise geändert. „Straight to You“ bietet auch in der Fassung von 2014 ausschließlich Klischees und alternativ bestenfalls Routinen. Steven ist Orpheus, der Sam – seiner Eurydike – in die Hölle folgt, was als Symbol für ewige Liebe unsterblich geworden ist. Die griechische Antik-Version ist freilich ungeachtet ihres Alters nicht annähernd so platt geraten wie Moodys Interpretation, die sich dramaturgisch an B-Movies und TV-‚Spielfilmen‘ orientiert.

Die Leser sollen erschüttert verfolgen, wie Steven diese Lektion lernt: Die Liebe ist alles! Wir lernen ihn als leidlich gut situierten Durchschnittsbürger kennen, der erst seinen Besitz, dann seine Würde, Selbstgefälligkeit und andere Charakterschäden einbüßt, um schließlich geläutert seiner Samantha in die Arme zu sinken. Bis es soweit ist, verlängert Moody die Leidenstour, indem er typische Untergangs-Episoden einbaut; sogar auf den wahnsinnigen Untergangspropheten mag er nicht verzichten. (Falls derartige Spinner tatsächlich schlagartig von gläubigen Anhängern umringt werden, wenn das Ende naht, sollte sich die Menschheit unbedingt in Staub und Ruß auflösen!)

Am Ende bleibt nur – würg! – die Liebe!

Doch die Emotionen wollen sich nicht mitteilen, weil Moody sie nur behauptet. Dazu passt eine Handlung, die wir viel zu gut kennen, bis sie in einem Finale ganz eigener ‚Qualität‘ mündet. Die Sonne legt eine Pause ein, damit ausgiebig diskutiert werden kann: Steven mit Schwiegervater Norman, Norman mit Tochter Sam und selbstverständlich Sam mit Steven.

Was haben sich die wiedervereinten Eheleute und Geliebten zu sagen? Es ist eine Sammlung ausgedroschener Phrasen, die sich in die Länge ziehen, bis der Leser die finale Sonneneruption förmlich herbeisehnt. Möglicherweise wirken solche Null-Dialoge überzeugender, wenn sie im Rahmen einer echten Apokalypse gesprochen werden. Leider verfügt Moody nicht ansatzweise über jene Sprachgewalt, die diesen Aspekt vermitteln könnte. Es bleibt der Eindruck eines Dramas, dessen Inhalt eine Kurzgeschichte oder eine Novelle, aber nicht einen – wenn auch kurzen – Roman tragen kann. Anders ausgedrückt: Dieser Hitze-Tod lässt die Leserherzen kalt.

Autor

David Moody (geb. 1970 nahe Birmingham/England) gehört als Schriftsteller (noch) zu den Seiteneinsteigern seiner Zunft. Er hatte die üblichen Startprobleme als junger, unbekannter und von den Verlagen als unkalkulierbares Risiko abgelehnter Autor und setzt deshalb auf das Internet, um seine Romane zu vermarkten. „Autumn“, der erste Band einer Serie, die in einer von Zombies überrannten Welt spielt, wurde von Moody ins Netz gestellt und zum unentgeltlichen Download freigegeben, lange bevor dieser Roman in Buchform (und dann im Eigenverlag „Infected Books“) erschien. Nach Auskunft des Verfassers wurde „Autumn“ in fünf Jahren von mehr als einer halben Million Leser heruntergeladen, was Moodys Karriere nachhaltig in Gang brachte.

Gehörten der Verfasser bzw. seine (weiterhin fortgesetzte) „Autumn“-Serie (deren erster Teil 2009 verfilmt wurde) lange zu den Geheimtipps der Horror-Literatur, gelang Moody der Durchbruch spätestens mit der 2006 begonnenen „Hater“-Trilogie. Inzwischen werden seine Werke längst von ‚richtigen‘ Buchverlagen verlegt. Über seine vielfältigen Aktivitäten informiert David Moody auf dieser Website.

Copyright © 2018 by Michael Drewniok (md)

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