Aschenputtelfluch

aschenputtelfluchKrystyna Kuhn
Aschenputtelfluch

Arena Verlag, Würzburg, 2. Auflage: 06/2009
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Krimi, Drama
ISBN 9783401063850
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.krystyna-kuhn.de

Ihren Noten verdankt Jule ein Stipendium, so dass sie ein renommiertes Internat besuchen darf. Schon während der Busfahrt verknallt sie sich ein bisschen in Nikolaj, der nicht nur gut aussieht, sondern sie auch als Einziger freundlich behandelt. Allerdings schiebt sie ihre Gefühle beiseite – denn warum sollte sich ein so toller Typ ausgerechnet in eine flache Bohnenstange verlieben? Jule bemüht sich, einen Platz in der Hackordnung zu bekommen, aber vergeblich. Ihre Zimmernachbarin Meg behandelt sie ablehnend, vor allem als Nikolaj auch weiterhin nett zu ihr ist. Auch die anderen beteiligen sich an den Scherzen, die immer übler werden. Sonja, die andere Neue, macht ebenfalls mit, um nicht selbst in die Opferrolle gedrängt zu werden. Das Schlimmste jedoch ist, dass ein Mädchen, das Jule nur flüchtig kannte, vom Glockenturm springt. Ein Selbstmord oder ein Unfall?

Zufällig bekommt Jule den Arbeits-PC von Kira zugeteilt. So findet sie das geheime Tagebuch der Toten – und ist nach der Lektüre erschüttert: Alles, was Kira zustieß, wiederholt sich nun bei Jule. Wollen die anderen Schüler auch sie zu einer Verzweiflungstat treiben? Warum? Das Buch beginnt mit dem letzten Tagebucheintrag Kiras. Man weiß sogleich, dass etwas Schlimmes passieren wird und hält dann zunächst Jule, die Ich-Erzählerin, für das Opfer, bis durch die Spitznamen und schließlich das Unglück klar wird, dass eine andere das Mobbing nicht länger ertragen konnte und die Schüler mit Jule dasselbe böse Spiel treiben, wobei man sich fragt, ob Meg, Pink, Trixie, Nikolaj oder alle zusammen die Drahtzieher sind.

Jule ist ein ganz normales Mädchen inmitten schriller, kreischender und unsympathischer Paradiesvögel. Leserinnen ab 13 Jahren können sich leicht mit der Protagonistin identifizieren. Man ist bloß überrascht, dass sie freiwillig auf ein Internat geht und die Eltern darüber alles andere als erbaut sind, ist es doch sonst eher umgekehrt wie in Sonjas Fall. Allerdings hat Jule einen Grund für diese ‚Flucht’, und sicher hat so manche Gleichaltrige das gleiche erlebt: Sobald ein Junge mehr als Küssen und Händchenhalten will, bohrt und bohrt er; bleibt das Mädchen standhaft, sucht er sich sofort eine andere, die auf Hopp! mit ihm ins Bett springt. Dadurch kuriert, wahrt Jule immer etwas Distanz zu Nikolaj und versteht nicht, weshalb andere sie eine Schlampe nennen und behaupten, sie werfe sich dem Jungen an den Hals. Um sie zu diskreditieren, bezichtigt man sie sogar des Diebstahls, und es scheint auch so, als ginge die Rechnung der anderen auf. Jule kann den Sachverhalt nicht einmal richtig stellen, denn Nikolaj befindet sich in der Krankenstation und darf keine Besuche empfangen.

Die Schlinge um Jules Hals zieht sich immer enger zu, und man befürchtet, dass sich Kiras Schicksal an ihr wiederholen wird. Zwar verrät Jule ihre Mitschüler nicht, aber sie beteiligt sich auch nicht mehr an den unsinnigen Mutproben und versucht stattdessen herauszufinden, wer Kira in den Tod getrieben hat. Schließlich konfrontiert sie die Beteiligten mit ihrem Wissen – aber ein anderes Mädchen ist es, das nun auf dem Glockenturm steht. Und das Handeln der wahren Drahtzieherin wird, wie so oft, damit entschuldigt, dass sie ein traumatisches Erlebnis hatte und nichts dafür kann, dass alle diese Tragödie nicht gewollt haben. Da wundert man sich natürlich, warum keiner eingegriffen hat, als noch Zeit war, Kira zu retten – und warum sich das Muster bei Jule 1 : 1 wiederholt. Das passt nicht zusammen, die Verharmlosung der Taten – des Mobbings – sorgen für ein schwaches Ende und nehmen dem Buch die Aussagekraft. Kaum noch will man es als eine Warnung ansehen, was passieren kann, wenn Scherze zu weit getrieben werden, wenn der oder die Täter entschuldigt werden und das Opfer kurzerhand als zu schwach bezeichnet wird. So spannend und geschickt, wie der Roman auch aufgebaut ist, durch diesen Schluss wertet die Autorin ihre Geschichte selber ab. Schade!

„Aschenputtelfluch“ wendet sich an ein weibliches Publikum, das Lektüren schätzt, welche einen Mix aus Drama, Romanze und Krimi bieten. Sie sollten genug Lese-Erfahrung mitbringen, um die Message herausfiltern zu können: wie gefährlich und verwerflich Mobbing ist, dass man zum Mittäter wird, wenn man nichts unternimmt. Jeder kann in eine Situation wie Kira oder Jule geraten – und das schneller, als man glaubt, auch an anderen Orten als der Schule.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
Titel bei Buch24.de:
Aschenputtelfluch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.