Blue Lying

Ken Catran
Blue Lying

Blue 2 (von 3)
Blue Murder, Australien, 2001
Arena Verlag, Würzburg, 1. Neuauflage: 6/2008, dt. Erstausgabe: Arena Verlag, 2006, unter dem Titel „Blue – Bei Anruf Gefahr“
TB, Schwarze Reihe 50055, Jugendbuch, Thriller, 978-3-401-50055-3, 201 + 6 Seiten Leseprobe aus „Blue Dying“/695
Aus dem Australischen von Barbara Küper
Titelgestaltung von knaus. büro für konzeptionelle und visuelle identitäten, Würzburg

www.arena-verlag.de
www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa001484.html

Blue, der mehrere Personen, die blaue Kleidungsstücke trugen, ermordet hat, ist überführt: Mike Connors, ein 17-jähriger Schüler und Waise, entwickelte eine gespaltene Persönlichkeit und rächte sich an allen, die seine heile Welt zerstört hatten. Die Polizei kann den Tathergang lückenlos rekonstruieren, aber es fehlen die Beweise, und als plötzlich ein weiterer Mord nach gleichem Muster geschieht, muss Mike frei gelassen werden. Schnell ist der ‚neue’ Blue gefasst: Roy Mareo kam hinter Mikes Geheimnis und wurde aus Bewunderung und wegen des Thrills zum Nachahmungstäter.

Allerdings kehrt noch keine Ruhe in Pineville ein. Mike ist nun ein Ausgestoßener, der von allen gemieden wird und sich mit seinen Erinnerungen auseinandersetzen muss – und mit Blue, der ein Teil von ihm ist. Wieder und wieder meldet sich der Mörder über das Handy und verlangt, dass Sheril, Mikes Freundin, sterben muss, weil sie ihn verraten hat und durch ihr Wissen eine Gefahr für ihn darstellt…

Nachdem in „Blue Killing“ der vorgeblich ahnungslosen Mike Connors geschildert hat, wie der mysteriöse Blue wahllos mordete und sich mit ihm am Telefon über Gut und Böse unterhielt, werden die Geschehnisse in „Blue Lying“ ein weiteres Mal aufgerollt, auch wieder aus Mikes Perspektive, aber nun mit dem Hintergrund, dass sich der Schüler seiner gespaltenen Persönlichkeit mehr oder minder bewusst ist. Dabei wird auch verraten, was der Auslöser für die Morde war:

Mike entstammt einer reichen Familie, in der nach außen hin alles in bester Ordnung ist. Die Entdeckung, dass die heile Welt bloß eine Fassade war und er den Eltern sogar lästig fällt, bewirkt einen Schock. Den Tod von Mutter und Vater kann man noch als einen tragischen Unfall sehen, nicht jedoch das Weitere. Eiskalt und gezielt rechnet Mike mit allen ab, denen er die Schuld am Zerbrechen des Familienidylls zuschreibt. Damit keine Spur zu ihm führt, opfert er auch Unbeteiligte und später jene, die zu viel wissen.

Die mitreißende Erzählung wird ab und zu von Vernehmungsprotokollen unterbrochen, die daran erinnern, dass die Geschichte in Retrospektive und aus Mikes subjektiver Sicht wiedergegeben wird. Sein Auftreten bei Befragungen lässt ihn kalt und arrogant erscheinen, so dass der Leser kein Mitleid mit ihm empfindet, selbst wenn die Umstände, die ihn zum Morden trieben, fast wie eine Entschuldigung wirken. In einem labilen Alter erlebte er einen schweren Schock und anschließend den Verlust der Eltern, was seine Schizophrenie ausgelöst hat.

Da Mike jegliche Hilfe ablehnt und den Behörden die Hände gebunden sind, geht die Spirale immer weiter abwärts. Er kommt nicht los von Blue, seinem Alter Ego, und die nächste Tragödie bahnt sich an. Sheril ahnt zwar etwas, aber wie will sie dem Schicksal entgehen, das Blue ihr zugedacht hat?

Auch dieser Band ist spannend, da er die Hintergrundinformationen liefert, die bisher fehlten. Außerdem fordert Blue auf die eine oder andere Weise neue Opfer. Man kann den Roman problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, da er ebenso in sich abgeschlossen ist wie das erste Buch. Eine Leseprobe aus dem dritten Teil stimmt auf den Abschluss ein und macht neugierig auf die letzten Puzzlestücke, denn das nächste Mal wechselt die Perspektive zu einer anderen involvierten Figur.

Negativ fallen einige Klischees auf: Wieder mal verschwimmen die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn, ein begeisterter Fantasy-Fan und Gamer wird zum Nachahmungstäter, Blues Einflüsterungen kommen über ein Handy – dem permanenten Begleiter aller Jugendlicher -, Dragqueens sind zwielichtige Gestalten mit finsteren Freunden, wer Geld hat, ist auch zu krummen Geschäften bereit. Die Alkoholprobleme der Teenager werden hingegen verharmlost.

Leser und Leserinnen ab 14 Jahren, die düstere Jugend-Thriller mögen, werden von der „Blue“-Trilogie bestens unterhalten, da die Erwartungshaltung erfüllt und bestimmte Vorstellungen (Klischees) bestätigt werden. Der Autor versteht es, eine flüssige Story zu erzählen, realistische Charaktere zu erschaffen und den Handlungsbogen bis zum Finale hin zu steigern. Auch erwachsene Leser dürften viel Vergnügen an der spannenden Lektüre haben, die überhaupt nicht kindlich ist. (IS)

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