Das fünfte Mädchen

Gillian Philip
Das fünfte Mädchen

The Opposite of Amber, GB, 2011
cbt-Verlag, München, 04/2013
TB, Jugendbuch, Thriller, Drama, Romance
ISBN 978-3-570-30832-5
Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger
Titelgestaltung von init.büro für Gestaltung, Bielefeld unter Verwendung eines Fotos von Gettyimages
Autorenfoto von Bloomsbury

www.cbt-jugendbuch.de
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Ein Mörder geht um. Seine Taten folgen stets demselben Muster: Ein junges Mädchen, das sich prostituiert hat, wird getötet und ihre Leiche so abgelegt, das alle Spuren getilgt sind, wenn sie nach einer Weile gefunden wird. Nur einmal begeht er einen Fehler und ermordet ein Mädchen, das nach einem Streit lediglich von zu Hause fortbleiben wollte. Nach dem Tod der Mutter kümmert sich Jinn um ihre jüngere Schwester Ruby. Um über die Runden zu kommen, arbeitet Jinn im Mini-Markt, und Ruby hat eine Lehrstelle bei einem Friseur angenommen. Sie sind glücklich, so wie alles ist – doch dann taucht Jinns alter Schwarm Nathan wieder auf. Es heißt, er wäre nach einer Messerstecherei im Gefängnis gelandet und gerade frei gekommen.

Prompt nistet er sich im kleinen Haus der Schwestern ein und treibt durch seine Anwesenheit einen Keil zwischen die beiden. Nach einer Auseinandersetzung mit Ruby ziehen Nathan und Jinn aus. Die Schwestern sehen einander immer seltener, und Ruby findet bei Cameron, einem früheren Mitschüler, Trost. Es dauert nicht lang, bis Jinn für Nathan stiehlt, darum ihren Job verliert und sich schließlich unter dem Namen Jinx prostituiert, um das Geld aufzutreiben, das er für seine Dealer benötigt. Dann wird Jinn tot aufgefunden. Sie ist „das fünfte Mädchen“. Aber wer ist der Täter? Nathan mit seiner dubiosen Vergangenheit? Tom, der Jinn immer gern hatte und ein Kunde von Jinx war? Oder …?

Die Mordfälle sind kein großes Thema. Sie werden hin und wieder erwähnt, denn die Mädchen sollen vorsichtig sein, damit sie nicht die nächsten Opfer sind, aber das ist auch schon alles. So etwas steht in der Zeitung, es passiert irgendwo und irgendwem, jedoch nie einem selbst oder jemandem, den man kannte.
Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf der sich verändernden Beziehung der grundverschiedenen Schwestern. Jinn ist extrovertiert und versucht, dem Leben das Beste abzugewinnen, trotzdem sie schon früh in die Mutterrolle schlüpfen musste. Ruby stand immer in ihrem Schatten, sah dies jedoch stets positiv, da sie ungern redet und keine Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte. Ihre kleine Welt ist heil, bis Nathan sich einmischt. Jinn will sich nun nicht länger nur um Ruby kümmern, sondern ein neues Leben mit Nathan beginnen, der sie zwar zu lieben scheint, sich jedoch vor allem ins gemachte Nest setzt. Um ihn zu halten und ihm zu helfen, gerät Jinn immer mehr auf die schiefe Bahn, freiwillig, da er sie zu nichts zwingt. Sie zur Vernunft zu bringen ist unmöglich, da sie schon immer scharf auf Nathan war und er, wie sie meint, sie mehr braucht als Ruby. Diese wiederum möchte ihre Schwester nicht verlieren, schon gar nicht an einen Lump, für den sie Dinge tut, die einfach nicht richtig sind.

Aber es gibt noch etwas anderes, das Ruby beschäftigt: Ein Junge, Toms Bruder Alex, ist ihretwegen vom Dach gesprungen und hat schwer verletzt überlebt. Obwohl sie sich sagt, dass es seine Entscheidung war, macht sie sich Vorwürfe, da sie wusste, dass er sich in sie verliebt hatte und ihre unbedachten Worte ihn zu dieser Tat getrieben haben. Ist Schweigen dann nicht besser? Und gut schweigen kann sie zusammen mit Cameron, der geduldig wartet, bis sie soweit ist, sich ihm zu öffnen. In dieser Hinsicht gibt es eine Parallele zwischen den Schwestern. Jede von ihnen könnte mit einem netten Jungen zusammen sein, der sie liebt und mit ihr ein ‚normales‘ Leben führen würden. Beide jedoch sehnen sich nach etwas bzw. einem ‚Besseren‘, der attraktiver ist, mehr Aufregung verspricht, weniger vorhersehbar ist. Wie es scheint, können sie sich letztlich, nachdem sie ihre Wahl getroffen haben, nicht auf Nathan und Cameron verlassen. Oder sind die Jungen doch besser, als erwartet?

Als Jinn zu Jinx wird und Ruby aus ihrem Leben heraushalten will, damit sie nichts mit Nathans dubiosen Kumpanen zu tun bekommt, versucht Ruby immer noch, die Schwester zu retten, sogar wenn der Preis Nathan als Mitbewohner ist. Kurz darauf ist Jinn tot, Ruby glaubt, den Täter zu kennen und will Rache, doch per Zufall findet sie heraus, dass sie sich geirrt hat und gerät dadurch in Gefahr. Und erst jetzt wird die Handlung spannend. Zuvor wurde zu viel reflektiert, von Ruby, die so gut wie nie spricht und deshalb für seltsam gehalten wird. Man erfährt viel über ihre kleine Familie und ihr Denken. Der Roman ist tatsächlich mehr ein Drama als ein Thriller, da die Krimi-Elemente allein durch die seltenen Hinweise auf eine Mordserie in die Handlung gelangen und darauf vorbereiten, dass die Schwestern involviert werden. Der kurze Moment am Ende, als sich der Täter zu erkennen gibt, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass „Das fünfte Mädchen“ in erster Linie eine Milieu-Studie ist über zerrüttete und exzentrische Familien sowie die scheinbar harmlos-netten Einzelgänger in einer kleinen britischen Ortschaft und den schnellen Weg abwärts, der ungeahnte Konsequenzen haben kann.

Der Titel wendet sich an Leserinnen ab 15 Jahre, die sich für ein realistisch inszeniertes, handlungsarmes Drama erwärmen können, das weniger Thriller ist, als der Klappentext verspricht. Dem jüngeren Publikum dürfte die Aufbereitung der Problematiken und die träge Romanze zwischen Ruby und Cameron, die im Kontrast zu der Hals über Kopf-Liebe von Jinn und Nathan steht, auf Dauer zu eintönig sein, zumal die Entwicklungen vorhersehbar sind.

Copyright by 2013 © Irene Salzmann (IS)

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