Linkslesestärke oder Die Sache mit den Borten und Wuchstaben

Anja Janotta
Linkslesestärke oder Die Sache mit den Borten und Wuchstaben

cbt-Verlag, München, 03/2015
HC
Kinderbuch, Drama
ISBN 978-3-570-16339-9
Titelgestaltung von Geviert Grafik & Typografie unter Verwendung
einer Illustration von Stefanie Jeschke
Zeichnungen im Innenteil von Stefanie Jeschke
Autorenfotos von Volker Rebhan und Henrike Hiersig

www.cbt-jugendbuch.de
www.linkslesestaerke.de
www.stefaniejeschke.de

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Titel erhältlich bei eBook.de

Mira geht in die 3. Klasse und ist sehr unglücklich. Von ihren Mitschülern wird sie ständig verspottet, denn sie hat eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Einziger Lichtblick ist ihr langjähriger Freund Felix, der in der Nachbarschaft wohnt, doch in der Schule muss er sich von ihr fernhalten, denn Mädchen sind ja doof. Durch die neue Schülerin Svenja könnte alles besser werden. Aber zu früh gefreut: Sofort wird Svenja von der fiesen Fiona, der Anführerin der vier anderen Mädchen, mit Beschlag belegt. Es passieren einige unschöne Dinge, durch die Mira immer mehr isoliert wird und die sogar Felix dazu bewegen, auf Distanz zu gehen. Allein die schüchterne Shirin spricht noch ab und zu mit Mira, wenn es sonst keiner sieht. Die Situation wird immer schlimmer, und nicht einmal als Mira krank wird, erkennen die Eltern oder die Lehrer, was hier passiert …

Der Titel „Linkslesestärke oder Die Sache mit den Borten und Wuchstaben“ vermittelt zusammen mit den lustigen Illustrationen den Eindruck, man habe es mit einem amüsanten Buch zu tun, aber ganz im Gegenteil: Sehr schnell wird bei der Lektüre klar, dass Anja Janotta ein Problem anspricht, mit dem viele Kinder zu kämpfen haben, der Lese- und Rechtschreibschwäche. Die Autorin geht jedoch noch einen Schritt weiter, denn es bleibt nicht bei relativ harmlosen Spötteleien, sondern Mira wird massiv gemobbt, einschließlich Erpressung, Sachbeschädigung und körperlicher Gewalt. Besonders schlimm ist, dass man die Verzweiflung des Mädchens, dem niemand hilft, unmittelbar mit erleben muss. Zunächst wehrt sich Mira, wird dafür aber von Lehrern und Eltern bestraft. Wenn sie sich verteidigt und zu erklären versucht, was geschehen ist, hört ihr niemand zu. Schließlich resigniert sie und sagt gar nichts mehr, was die Erwachsenen glauben lässt, dass sie völlig uneinsichtig ist und gewissermaßen ihre Schuld eingesteht.

Fakt ist: Wie fast immer in der Realität, wenn Vergleichbares geschieht, versagen Eltern und Schule total. Weder werden Miras Probleme frühzeitig erkannt und ihnen durch gezielte Förderung entgegengewirkt, noch haben die Erwachsenen offene Augen und Ohren für die eskalierende Situation. Sie wollen ihre Ruhe haben, gehen den einfachsten Weg, und der heißt, dass man mit einem vermeintlichen Sündenbock leichter fertig wird als mit einer ganzen Klasse richtiger Sündenböcke. Es muss sehr viel passieren, bis endlich eine Person aufmerksam wird (Mira hat eine Gehirnerschütterung und ist physisch und psychisch am Ende), ihr zuhört und dadurch auch einige Schüler dazu bringt zu erzählen, was wirklich geschehen ist und wer daran die Schuld trägt. Wie so oft sind es einzelne andere Kinder, die eigentlich keinen Grund haben, den Betroffenen abzulehnen, ihn jedoch mobben, einfach nur weil sie es können! Und die Masse macht lieber mit oder schaut weg, um nicht selbst zum Opfer zu werden.

Mira ist keineswegs dumm. Sie lässt sich nicht alles gefallen, aber gegen eine Übermacht aus Erwachsenen und Mitschülern ist sie hilflos. Ihre Revanchen sind nicht ohne, und trotz ihrer Schwäche für alles, das mit Buchstaben zu tun hat, ist sie wortgewandt und hat viel Spaß daran, durch Buchstabendreher neue, witzige Wörter zu erfinden. Das sorgt stellenweise auch für einige Lacher, doch bleiben diese dem Leser im Hals stecken, weil die ganze Geschichte viel zu ernst ist, als dass man auch nur Schmunzeln kann. Nach der Lektüre bleibt man betroffen zurück, denn auch wenn sich für Mira letztendlich alles zum Guten wendet, so klappt das in der Realität meist nicht so reibungslos. Immerhin erhält man einen Einblick, was Betroffene durchmachen müssen – und das sollte jeden sensibilisieren, falls sich Derartiges in seinem Umfeld abspielt, damit nicht weggeschaut und schnellstens geholfen wird.

„Linkslesestärke“ ist ein sehr empfehlenswertes Buch für junge Familien, Kindergärten und Schulen und sollte ab der 2. Klasse auf der Lektüreliste stehen. Schade nur, dass im Anhang, der die Autorin und die Zeichnerin vorstellt, der außerdem auf www.linkslesestäerke.de verweist, wo man weitere lustige Wörter finden und einreichen kann, versäumt wurde, Adressen zu nennen, unter denen Mobbing-Opfer Hilfe finden.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
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Comments

  1. Hallo liebes Team vom Buchrezicenter,
    habe Eure Rezi hier per Zufall entdeckt und ich natürlich sehr über dieses Lob für mein Debüt sehr, sehr gefreut. Tausend Dank! Danke auch für den Tipp, mehr Mobbinghilfe-Links auf http://www.linkslesestaerke.de einzubinden. Das hole ich noch nach, versprochen!

    Es grüßt Euch ganz herzlich
    Anja Janotta

  2. Liebes Team von Buchrezisenter,

    ich bin gerade zufällig über Eure Rezi gestolpert und habe mich sehr, sehr gefreut, dass Euch mein Debüt so gut gefällt. Tausend Dank für die tolle Rezi. Ich fühle mich ziemlich geehrt. Und danke für den Hinweis, was Euch bei http://www.linkslesestaerke.de noch fehlt. Das werde ich baldmöglichst noch nachholen.

    Ganz herzliche Grüße
    Anja Janotta

  3. Liebe Anja Janotta,

    wir freuen uns deswegen so sehr über deinen Post, da leider, leider nur sehr wenige Autoren auf die Rezensionen reagieren (klar, die haben genug mit Schreiben zu tun, weiß ich ja aus eigener Erfahrung).

    I.d.R. haben wir den einzigen direkten Kontakt zu Autoren via Interviews, die wir sehr gerne machen. Und Martina scheint ja hier Interesse zu haben. Tauscht euch doch mal per E-Mail aus. Zu den beiden Fragen oben hat Martina sicher noch mehr auf dem Herzen. Uns/mich würde es freuen.

    Mit galaktischen Grüßen 😉
    Werner Karl
    Chefredakteur Buchrezicenter

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