Arme-Leute-Essen – heute Delikatessen

Annette Kalcher-Dähn & Herbert K. Kalcher
Arme-Leute-Essen – heute Delikatessen

Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 2. Auflage: 2007, Originalauflage: 5/2006
HC, Sachbuch, Essen & Trinken, 978-3-7888-1069-6, 98/1495
Titelgestaltung von N. N.
Farbfotos von Paavo Blafield
Food, Zubereitung, Styling von Marcello Fabbri, Marco Herz/Frucht Express TS GmbH, Kindischleuba
Fotolocation: Hotel Elephant, Weimar
www.neumann-neudamm.de

Schon immer mussten die Hausfrauen in Notzeiten, um ihre Familien durchzubringen, auf das zurückgreifen, was ihnen die Natur in Hülle und Fülle bot oder was relativ preiswert eingekauft werden konnte. Nichts durfte verschwendet, möglichst alles musste verwertet und am besten noch gestreckt werden. Das war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht anders als in früheren Jahren. Als es den Menschen langsam wieder besser ging, verschwanden die Gerichte, denen das ‚Arme-Leute-Image’ anhaftete, und auch das Wissen um die Nutzung verschiedener Gemüse und anderer Zutaten ging verloren.

Jahrzehnte später hat man die verpönten Speisen wieder entdeckt. Zum einen schmeckten sie doch nicht so schlecht, und so mancher würde gern wieder essen, was einst von Mutter und Großmutter gekocht worden war. Zum anderen suchen die Köche nach neuen Gaumenfreuden, um die Gäste abwechslungsreich zu verwöhnen. Nicht vergessen sollte man einen dritten Aspekt: Durch die hohe Teuerungsrate gerade im Bereich der Lebensmittel wächst das Interesse an preiswerten Rezepten, die gleichzeitig schmackhaft und gesund sind.

Sehr interessant sind die Anmerkung der Autoren zu dieser Entwicklung, die eine Gegenüberstellung von Lohn/Preis in den Jahren 1950 und 1990 einschließen, und die Produktinformationen. Wer hätte gedacht, dass Fisch im Gegensatz zu Fleisch sogar erheblich teurer geworden ist in vierzig, nun bald sechzig Jahren?

Annette Kalcher-Dähn und Herbert K. Kalcher, die Autoren des vorliegenden Bandes, von denen bereits verschiedene Kochbücher erschienen sind, haben sich bemüht, viele ‚vergessene Gerichte’ von damals zu finden und in einer Form zu präsentieren, durch die sie im Rahmen den heutigen Begebenheiten leicht nachkochbar sind. Wünschenswert wären in diesem Zusammenhang mehr Hinweise gewesen, welche vorbereiteten Teile oder Convenience-Produkte alternativ verwendbar wären, wenn man nicht selber z. B. einen Fisch schuppen und ausnehmen oder Knochen auskochen möchte.

Der Rezept-Teil ist alphabetisch geordnet, wobei die Hauptgemüse und –zutaten, die Verwendung finden, besonders hervorgehoben wurden. Man kennt sie, manche erst wieder seit kurzem, andere schon lange, ohne dass man jedoch so recht wusste, was man mit ihnen anstellen soll: Bärlauch, Bohnen, Grünkohl, Mangold, Rote Bete, Rotkohl, Schwarzwurzel, Sellerie, Steckrüben, Stielmus, Weinbergschnecken, Wirsing, Zwiebel.

Was man für jedes Gericht benötigt, ist als Zutatenliste aufgeführt – man bekommt alles problemlos auf dem Markt oder in der Gemüseabteilung der gut sortierten Discounter. Hat man einen Garten, kann man auch versuchen, manches selbst zu ziehen. Es fällt auf, dass nur Zutaten verwendet werden, die man als ‚deutsch’ kennt. Exotische Gemüse und Gewürze oder sonstiger Schickschnack fehlen. Die Rezepte sind ursprünglich und einfach. Ergänzt wird mit einer nachvollziehbaren Koch- bzw. Backanleitung, oft auch mit einer Anmerkung zum Gericht oder einen Extra-Tipp und in den meisten Fällen mit einem farbigen Foto des fertigen Essens.

„Arme Ritter“, „Bohnensalat“, „Falscher Hase“, „Graupensuppe“, „Heringsstipp“, „Kalte Schnauze“, „Pumpernickel Quarkspeise“, „Rote Grütze“, „Schellfisch in Senfsoße“, „Schwarzwurzeln in Schinkensoße“, „Steckrübenbratlinge“, „Stielmus rustikal mit dicker Rippe“ sind nur einige Beispiele für Rezepte, die bei vielen gewiss Erinnerungen wecken oder die man gar nicht ‚vergessen’ hat – wie den heute noch immer beliebten „Zwiebelkuchen“, den man besonders gern zu Federweißer oder einem jungen Wein reicht:

Aus 250 g Mehl, 50 g Butter, 1/8 l Milch, 1 Ei und 1 P. Backpulver bereitet man einen Mürbeteig, den man auf ein rundes, gefettetes Backblech gibt. Für den Belag 150 g durchwachsenen Räucherspeck in Würfel schneiden, in 1 TL Butter kurz anbraten und aus der Pfanne nehmen. 1,5 kg Gemüsezwiebeln in Ringe schneiden, im Fett kurz dünsten und abkühlen lassen. ¼ l saure Sahne, 2 Eier, Salz, weißer Pfeffer und 1 TL Kümmel verrühren, zusammen mit dem Speck zu den Zwiebeln geben und alles auf dem Teig verteilen. Im vorgeheizten Ofen bei 200°C ca. eine Stunde ausbacken.

Anhand der Beispiele kann man erkennen, dass das „Arme-Leute-Essen“ durchaus abwechslungsreich und schmackhaft war und auch heute den Speisezettel wieder bereichern kann. Vor allem jene, die die gutbürgerliche Küche schätzen und sich nicht mit den Gerichten aus den Urlaubsländern oder den ‚gewollt anderen’ Rezepten aus der experimentellen Küche anfreunden können, werden hier viel finden, was ihnen zusagt.

Das Buch ist überdies liebevoll gestaltet mit einem Cover im Retro-Look, einem übersichtlichen, ansprechenden Layout und zahlreichen Farbfotos. Sucht man nach einem hübschen Geschenk und entscheidet sich für das „Arme-Leute-Essen“, sollte man am besten gleich zwei Exemplare des Buchs kaufen, denn eines möchte man bestimmt für sich selbst behalten. (IS)

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Arme-Leute-Essen – heute Delikatessen: Traditionelle Hausmannskost wird zur Delikatesse

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BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete  in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.

Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!

Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!

Die Gewinner der Preisrätseltitel:

1. Tobias Schoormann
2. Annette Havemann
3. Thomas Roberts

Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!
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