Lob des Unkrauts: Wilde Pflanzen in Garten und Stadt – nützlich und schön

Brunhilde Bross-Burkhardt
Lob des Unkrauts: Wilde Pflanzen in Garten und Stadt – nützlich und schön

Haupt Verlag, Bern (CH), 02/2015
PB mit Flexicover
Sachbuch, Natur & Tier, Garten/Essen & Trinken, Therapie
ISBN 978-3-258-07907-3
Titelgestaltung von Roberta Bergmann & Tonia Wiatrowski
Illustrationen im Innenteil von Roberta Bergmann & Tonia Wiatrowski, Tatendrang-Design; Harper Finch Designs
Ca. 250 Fotos im Innenteil von Brunhilde Bross-Burkhardt u. a.
Autorenfoto von Edgar Burkhardt

www.haupt.ch
www.bross-burkhardt.de
www.tatendrang-design.de
http://imharper-finch.blogspot.de

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So mancher erinnert sich bestimmt noch daran, wie er als kleines Kind mit den Eltern oder Großeltern Spaziergänge unternahm und auf den Wiesen oder am Ackerrand bunte Blumen pflückte. Durch die Monokulturen und Unkrautvernichtungsmittel ist ihre Verbreitung und Vielfalt stark zurückgegangen, sodass z. B. Klatschmohn, Kornblumen, Kornraden und Löwenmäulchen am Wegrand zu einem seltenen Anblick wurden. Schließlich erkannte man, dass der Nutzen (höhere Ernteerträge) den durch extensiven Einsatz von Herbiziden verursachten Schaden nicht aufwiegen konnte. Seither sucht man nach umweltverträglicheren Methoden, um übermäßig wuchernde Ackerbegleitpflanzen einerseits einzudämmen, sie aber nicht auszurotten, sondern für die Tiere, die sich von ihnen ernähren, und das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Tatsächlich findet man in manchen Gegenden Felder, die für einige Jahre der Natur überlassen werden, damit sich die Böden und der Pflanzenbestand erholen können.

Auch dem Kleingärtner wird empfohlen, nicht sofort mit der Chemiekeule zuzuschlagen, wenn die Unkräuter seinen Gemüsepflanzen den Lebensraum streitig machen. Durch rechtzeitiges und regelmäßiges Hacken und Ausgraben/-rupfen, Lichtentzug, Wurzelsperren etc. ist es möglich, der Plage Herr zu werden. Hinzu kommt, dass einige dieser Pflanzen auf natürliche Weise Schädlinge von den Kulturpflanzen fernhalten, sodass man einige von ihnen tolerieren sollte. Außerdem bereichern sie durch ihre hübschen Blüten, die Insekten anlocken, jeden Garten. Aber noch besser: Viele sogenannte Unkräuter sind wertvolle Heilpflanzen und/oder finden Verwendung in der Küche. Das Wissen der Großeltern, wie man Wildpflanzen nutzen kann, geriet leider in Vergessenheit, und erst in jüngerer Zeit entdeckte man es wieder, sei es um den eigenen Speisezettel durch nachhaltige, gesunde, für Abwechslung sorgende Zutaten zu ergänzen, sei es um den Gourmets neue Gerichte und Geschmacksvarianten bieten zu können.

Problematisch ist nur, dass der Unkundige nicht weiß, welche Wildpflanzen er (auf welche Weise) verwenden kann, denn einige ähneln ungenießbaren oder gar giftigen Gewächsen (Bärlauch – Maiglöckchen, Herbstzeitlose), und auch Bestimmungsbücher helfen nur bedingt, da Fotos und Zeichnungen doch etwas von der Realität abweichen können. Am besten wäre es, von jemandem, der sich damit befasst, in die Wildpflanzenkunde eingeführt zu werden. Dass ein Interesse an dem Thema besteht, belegen nicht nur entsprechende Publikationen wie „lob des Unkrauts“, sondern auch Kurse, die von verschiedenen Einrichtungen angeboten werden.

„Lob des Unkrauts“ von Brunhilde Bross Burkhardt ist ein interessantes Sachbuch, das „wilde Pflanzen in Garten und Stadt“ in Wort und Bild vorstellt und zeigt, dass sie „nützlich und schön“ sind. Zunächst führt die Autorin den Leser in die ‚Welt der Unkräuter‘ ein und erklärt, welche verschiedene Arten es gibt (ein-, mehrjährig, ausdauernd), welche Bodenbeschaffenheiten (schwer/alkalisch, leicht/sauer/nährstoffarm, feucht) und Lebensräume (Beete und Äcker, Rabatten und Ränder, Wege und Flächen, Zäune und Hölzer) sie bevorzugen und dass sie sich für gewöhnlich früher und schneller entwickeln, dazu kräftiger und höher wachsen als Kulturpflanzen und ihnen auf diese Weise erfolgreich Konkurrenz bereiten – wenn man sich dieses Wissen nicht zu eigen macht und gegen das Unkraut einsetzt. Wie man vorgehen kann und welche Hilfsmittel/Gartengeräte dienlich sind, wird ebenfalls erläutert.

Die Anregungen sollen jedoch nur das Wuchern eindämmen, nicht aber alle lästigen Pflanzen aus dem Garten total vertreiben. Es ist der Autorin sehr wichtig, die Neugierde des Lesers an den Unkräutern zu wecken, ihm zu zeigen, dass sie Zierden seines Gartens sein können und ihren Nutzen haben. Ja, man soll sie sogar gezielt ansiedeln (durch das Sammeln der Samen bei Spaziergängen), mit ihnen die Beete gestalten und ihre essbaren Teile ernten. Liest man die darauf folgenden Porträts von 66 Wildpflanzen und betrachtet die wunderschönen Fotos, dann sieht man die Plagen zunehmend mit anderen Augen. Das eine oder andere wird man gleich erkennen oder mit Hilfe des Buchs identifizieren können. Vielleicht erlaubt man nach dem Umdenken den Unkräutern, an einigen Stellen zu bleiben.

Jedes Pflanzenporträt wartet mit dem üblichen, dem lateinischen und den volkstümlichen Namen sowie einem kurzen Steckbrief auf. Beschrieben werden die Erkennungsmerkmale, man erfährt Näheres über ihre Herkunft (einheimisch oder eingewandert), den Lebensraum und die Möglichkeiten einer Eindämmung, welche Teile Verwendung in der Küche oder der Medizin finden und welche verwandte Arten oder Verwechslungsgefahren existieren. ‚Richtige‘ Rezepte findet man leider keine, aber kurze Angaben zur Nutzung als Beigabe in Salaten, Suppen, Kräuterquark, Pfannengerichten etc. geben schon mal die Richtung vor. Abgerundet wird mit Fotos, die wenigstens Diaformat haben und bis zu zwei Seiten belegen können. Auch die Abbildungen werden kurz erklärt. Zu sehen sind meist die ganze Pflanze, im Detail ihre Blätter, Blüten und Früchte. Ausgewählt wurden „Weißer Gänsefuß“, „Rote Taubnessel“, „Vogelmiere“, „Ackerstiefmütterchen“, „Giersch“, Schöllkraut“, „Gewöhnliche Walderdbeere“, „Kanadische Goldrute“, „Portulak“, „Löwenzahn“, „Zaunwicke“ u. a. m.

Brunhilde Bross-Burkhardt spart nicht am „Lob des Unkrauts“. Sie hat wahrlich sehr viel Wissenswertes über zahlreiche Pflanzen, die man oft vom Sehen her, nicht aber mit dem Namen kennt, zusammengetragen. Nach der Lektüre kann man die Unkräuter gar nicht mehr als solche, sondern nur noch als nützliche Wildkräuter sehen, die man jetzt gar nicht mehr um jeden Preis aus dem Garten vertreiben will. Vielmehr möchte man sich – in Maßen – an ihrer Schönheit erfreuen und dem nächsten Salat ein paar Gänseblümchenblüten und Löwenzahnblätter hinzufügen. Ein wirklich informatives, nützliches Buch, das Lust macht, einen Wildkräuterkurs zu besuchen und den Garten entsprechend einzurichten.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

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