Ashby House

V. K. Ludewig
Ashby House

dtv-Verlag, München, 03/2012
PB, Mystery-Thriller
ISBN 978-3-423-21351-6
Titelgestaltung von Wildes Blut, Atelier für Gestaltung unter Verwendung eines
Fotos von plainpicture/Arcangel und Trevillion Images/Yolande de Kort

www.dtv.de
http://vkludewig.wordpress.com

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Ashby House wurde 1845 von den Geschwistern Lady Deborah Ashby und ihrem  Stiefbruder Sebastian Branwell, erbaut. Um das Anwesen ranken sich sonderbare Geschichten, so sollen die Geschwister alchemistische Experimente durchgeführt haben, und in dem Turmzimmer des Anwesens sollen Menschen verschwunden sein – so auch nach fünfundvierzig Jahren die beiden Geschwister.

Die bekannte Fotografin Lucille Shalott, seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, erwirbt in der Gegenwartshandlung Ashby House und zieht mit ihrer Schwester Laura Shalott, mit der sie eine Hassliebe verbindet, von Los Angeles nach England auf das neu erworbene Anwesen. Lucille ist die vermögendere der beiden Schwestern, Laura das ‚Aschenputtel‘, das sich nie aus dem Schatten der berühmten Schwester befreien konnte. Die auch optisch gegensätzlichen Schwestern sind jede auf ihre Weise schön, beide aber nicht gerade von rein positivem Charakter. Lucille ist die eiskalte Blondine und Laura ihr berechnender Gegenpart. So will es zumindest scheinen.

Ashby House empfängt sie kalt und mit einem alten Geheimnis. Als Bedienstete stehen den beiden Schwestern der Butler Steerpike zur Seite, der von atemberaubender Schönheit ist, aber leider für die Damenwelt verloren, da er Männer liebt, und eine ältere Köchin. Laura hat es sofort auf Steerpike abgesehen, muss aber bald feststellen, dass sie aufgrund seiner Neigungen keine Chance bei ihm hat. Sie bezieht Lady Ashbys ehemaliges Zimmer und quartiert Steerpike im Nebenraum ein (ehemals Lord Ashbys Zimmer). Laura findet ein sonderbares Notizbuch von Lady Ashby mit merkwürdigen Angaben über Kinder. Bei einem Eintrag, neben dem eine weißblonde Locke klebt, befällt Laura großes Unbehagen – der Name des Mädchens: Lucy Gray. Wurden in Ashby House unrechenschaffene, gar alchimistische Versuche an Kindern durchgeführt?

Laura beobachtet durch zwei Gucklöcher in einer Wand ihres Zimmer, wie sich Steerpike mit einem Mann vergnügt und weiß somit, dass sie die ‚Bemühungen‘ um ihn getrost einstellen kann. Dafür stimmt die ‚Chemie‘ sofort zwischen ihr und Hector Slasher (elegant und gut aussehend), dem Besitzer des Pubs ‚Star Inn‘, für den sie sich mehr und mehr erwärmt, was dieser auch geschickt zu nähren weiß. Es gelingt nicht, Ashby House, trotz Einheizens, in anheimelnde Wärme zu tauchen. Das Haus strahlt eine geradezu feindselige Aura auf die neuen Bewohner aus. Steerpike und Laura wollen dem Geheimnis, das in diesen Mauern verborgen zu sein scheint, auf den Grund gehen und inspizieren den zweiten Stock mit dem berüchtigten Turmzimmer, das sonderbarerweise von außen nicht zu sehen ist. Sie finden die Ausstattung erstaunlich edel und luxuriös vor und stoßen auf ein sonderbares Klassenzimmer und ein Bodenmosaik, das die Ashby-Geschwister mit einem Dutzend Kindern zeigt. Immer deutlicher wird ihnen allen gewahr: Mit Ashby House stimmt etwas nicht.

Laura wird mehr und mehr von Alpträumen heimgesucht. Dann verschwindet auch noch Lucille, und es stellt sich immer deutlicher die Frage: Was geschieht in dem geheimnisvollen Turmzimmer, in dem auch die Gesetze der Zeit ausgeschaltet zu sein scheinen? Befindet sich dort ein Tor zu einem Zeittunnel? Ist dort Lucille verschwunden? Oder will sie gar mit einem inszenierten Abgang den ihres großen Idols Greta Garbo nachahmen?

Steerpike wiederum verehrt Lucille, daher verspricht er Laura, ihr bei der Suche nach ihrer Schwester zu helfen. Laura findet Aufzeichnungen von Lucille, die darauf schließen lassen, dass sie an ihrer Autobiografie schreiben wollte und dass Lucille Ashby House gezielt gekauft hatte. Laura fragt sich, wie viele ihrer eigenen Geheimnisse ihre Schwester lüften wollte, neben dem des Unfalls, den Lucille erlitten hat. Aber auch die Tatsache, dass Lucille wohl einen Film über Chris, das ehemalige Licht-Double der Garbo, das ebenfalls in Ashby House spurlos verschwunden sein soll, drehen wollte, gibt Rätsel auf. Dann taucht auch noch der US-Schauspieler Stephen Steed auf, der nach Lucille sehen will, und Ashby House entwickelt ein immer groteskeres Eigenleben. Es wird immer turbulenter, als Steed ebenfalls in dem Turmzimmer verschwindet – und auch Hector Slashers Interesse scheint nicht nur auf Laura gerichtet zu sein. Offenbar verfolgt er eigene Pläne …

So viel zum Inhalt des Romans, der von der ersten bis zur letzten Seite zu überzeugen weiß und in der Tradition des alten ‚Schauerromans‘ daherkommt. Der Autor führt darüber hinaus als kleines Schmankerl kurze Dialoge mit dem Leser, bindet ihn somit in die Handlung ein, die in vier Abschnitte aufgeteilt ist. V. K. Ludewig schreibt schnörkellos, unterhaltsam und spannend bis zum Finale. Der Roman erweist sich als wahrer pageturner ohne jegliche Längen. Die Faustformel ein altes Haus mit düsterem Geheimnis, zwei konträre Charaktere (in dem Fall die beiden Schwestern) und ein wenig Sex geht auch hier wieder einmal auf. Auch die Aufmachung des Werkes ist ohne Fehl und Tadel: Papier, Satz und Lektorat sind erstklassig.

Schnörkellos, unterhaltsam, geheimnisvoll und spannend – absolut empfehlenswert.

Copyright © 2012 by Alisha Bionda (AB)

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Comments

  1. Noch so eine schöne Rezi… Ich weiß ja schon, dass ichs unbedingt lesen will, aber hieran begeistert mich folgendes:
    Ich zitiere „Auch die Aufmachung des Werkes ist ohne Fehl und Tadel: Papier, Satz und Lektorat sind erstklassig.“

    Vor Kurzem hatte ich ein Buch, dass ich nach ungefähr 100 Seiten abbrechen musste, weil es so grottenschlecht und mit unsagbar vielen Fehlern übersetzt war, dass es einfach nicht mehr ging. Von daher freue ich mich wirklich immer wieder, wenn man einer Geschichte folgen kann, ohne quasi schon automatisch den Rotstift anzusetzen!

    Ein guter Pluspunkt für dieses Buch 🙂

    Liebe Grüße
    Bine

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