Brennender Hibiskus

brennender-hibiskusSujata Massey
Brennender Hibiskus
Rei Shimura 10

Shimura Trouble, USA, 2008
Piper Verlag, München, 01/2010
TB, Krimi
ISBN 978-3-492-25767-1
Aus dem Amerikanischen von Sonja Hauser
Titelgestaltung von Cornelia Niere, München unter Verwendung
eines Fotos von Katya Evdokimova/Trevillion images
Autorenfoto von Jerry Bauer

www.www.piper.de
www.sujatamassey.com

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Rei Shimura, Tochter einer Amerikanerin und eines Japaners, beschäftigt sich eigentlich mit Antiquitäten. Durch ihre Arbeit kam sie einige Male Verbrechern auf die Spur und konnte sie überführen. Diese Erfolge brachten ihr schließlich ein Spezial-Training und den Status einer Agentin ein. Nachdem ihr Vater einen Schlaganfall erlitt, möchte sich Rei jedoch aus dem gefährlichen Metier zurückziehen und erst einmal nur für die Familie da sein. Unerwartet erhalten die Shimuras eine Einladung nach Hawaii. Sie stammt von einem bislang unbekannten Zweig der Familie. Rei hat wenig Lust, die weite Reise anzutreten, da sie sich um die Gesundheit des Vaters sorgt. Dieser besteht jedoch darauf, die Verwandten kennen zu lernen. Er und auch die anderen Angehörigen wissen nichts Näheres über Harue, die vor vielen Jahren verstoßen wurde und deren Nachkommen nun auf der Insel leben. Die Internet-Recherchen ergeben auch nicht viel, nur dass Cousin Edwin offenbar finanzielle Probleme hat.

Tatsächlich sieht Rei ihre Vermutung auch schon bald bestätigt, dass der Grund der Einladung die unverfrorene Bitte um Unterstützung ist. Die Shimuras wollen ihre Angehörigen nicht im Stich lassen, schon um wieder gut zumachen, was Harue von den gemeinsamen Vorfahren angetan wurde. Rei findet heraus, dass sich Edwin Hoffnungen auf das Häuschen und das Grundstück macht, das seiner Großmutter von ihrem Arbeitgeber in den Tagen des zweiten Weltkriegs überlassen wurde – inzwischen ist der Wert des Grundes immens, und es gibt auch schon Pläne für seine künftige Nutzung -, doch kann er seine Ansprüche nicht geltend machen, da die Urkunde nach Harues Tod verschwunden ist oder vernichtet wurde. Ihre Neugierde bringt schon bald nicht nur Rei in Lebensgefahr …

Wer bereits den einen oder anderen Band aus der „Rei Shimura“-Reihe gelesen hat, weiß was ihn erwartet: Jeder Roman ist eine Gesellschaftsstudie, die die Probleme schildert, denen Menschen sich stellen müssen, die zwei verschiedenen Kulturkreisen angehören und von keiner Seite völlig akzeptiert werden. Rei ist eine junge Frau, die westlich erzogen wurde und nach modernen Maßstäben denkt, die aber auch die Traditionen des Ostens schätzt und sich bis zu einem gewissen Punkt anpassen kann, wenn es erforderlich ist. Vor diesem komplexen und interessanten Hintergrund, der allein schon reichliches Konfliktpotential besitzt, löst die mutige Heldin verschlungene Kriminalfälle, in denen nichts so ist, wie es zunächst schien – und die zuletzt Dimensionen angenommen hatten, welche es notwendig machten, Rei ein Agenten-Training angedeihen zu lassen, da so viele Erfolge sonst nicht mehr glaubwürdig gewesen wären. Dadurch hat sie außerdem Zugriff auf Ressourcen, die einer Antiquarin nicht zur Verfügung stehen können. Ob das nun die Handlung noch packender macht oder schon zu viel des Guten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nebenbei wird ein Stück Geschichte miteinbezogen. Welche Rolle die Japaner im zweiten Weltkrieg spielten, welche Gräueltaten sie begingen und welchen Repressalien sich Menschen japanischer Abstammung ausgesetzt sahen, gehören zu den Dingen, die immer noch nicht aufgearbeitet wurden. Harue und ihr Sohn haben Schlimmes durchgemacht, woran teils die eigene Familie, teils die Amerikaner und ihre Verbündeten Schuld tragen. Der Rest ist menschliche Tragödie, denn selbst in einem Melting Pot wie Hawaii ist Diskriminierung Gang und Gäbe. Natürlich dürfen auch die romantischen Verwicklungen nicht fehlen. In Reis Leben gab es bereits einige Männer – und immer war es der Falsche. Die Familie, die sie gern verheiratet sehen würde, bevor sie mit ihren rund 30 Jahren als nicht mehr vermittelbar gilt, beweist mit ihren Vorschlägen aber auch kein glückliches Händchen. Der Zufall will es, dass Reis Kollege Michael Hendricks anlässlich einer Segel-Regatta für einige Tage auf Hawaii weilt. In dieser Zeit hilft er ihr nicht nur bei den Ermittlungen weiter, die beiden kommen einander auch näher, aber Missverständnisse trüben schon bald wieder die keimende Liebe. Wird es diesmal klappen?

Sujata Massey, die Tochter einer Deutschen und eines Inders, die lange Jahre in Japan lebte und sich vor einer Weile in den USA niederließ, weiß, wovon sie erzählt. Eigene Erfahrungen und akribische Recherchen vor Ort ermöglichen es ihr, die Story atmosphärisch dicht und glaubwürdig zu vermitteln. Es stört auch nicht, dass sie vier Fliegen mit einer Klappe schlägt – Gesellschaftsstudie, Geschichte, Krimi, Romanze -, was nicht jeder Autor schafft, der so (zu) viel auf einmal in ein Buch zu packen versucht. Sujata Massey gelingt der Balanceakt, und das Resultat ist ein spannender Roman, der mit interessanten Charakteren aufwartet, die ihre Rollen erfüllen und gleichzeitig auch für so manche Überraschung gut sind. Die kleinen Exkurse in Geschichte und Kultur verleihen der Handlung ein ganz besonderes Flair.

Das alles macht „Brennender Hibiskus“ zu einem Titel, den man vor allem Leserinnen empfehlen möchte, die ungewöhnliche Krimi-Heldinnen schätzen, aber auch für Manga-Fans, die sich für mehr als nur die Comics aus Japan interessieren, dürfte die Lektüre geradezu ein Geheimtipp sein.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.