Das Albtraumreich des Edward Moon

Jonathan Barnes
Das Albtraumreich des Edward Moon

The Somnambulist, GB, 2007
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 8/2008
HC, Steampunk, Mystery-Thriller, 978-3-492-70157-0, 400/1990
Aus dem Englischen von Biggy Winter
Titelillustration von Christophe Madura

www.piper.de

„Das Alptraumreich des Edward Moon“ ist das Debüt des englischen Autors Jonathan Barnes. Der Roman spielt in London kurz nach dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Edward Moon ist ein an Popularität verlierender Zauberkünstler und ein erfahrener Hobbydetektiv. Er wird von Scotland Yard zur Hilfe bei der Aufklärung von einem Mord an einem drittklassigen Schauspieler hinzugezogen, dem bald ein zweiter folgt.

Moon gelingt es, den Täter aufzuspüren, der sich vor seiner Festnahme tötet. Es wird Moon klar, dass sich hinter den Morden ein größerer Plan verbergen muss.

Was zunächst wie ein Krimi im (Nach-) Viktorianischen Zeitalter Englands anmutet, weist schnell phantastische und auch morbide Handlungselemente auf. Da ist zunächst der Partner Moons, der Schlafwandler (der wohl der Originalausgabe des Romans den Titel gab), ein hoch gewachsener, stummer und unverwundbarer Mann. Oder der Mörder, den Moon auf einem Jahrmarkt stellt, einen Fliegenmenschen. Im Laufe der Handlung wird Barnes auch noch das „Frankenstein“-Motiv verwenden.

Thomas Cribb gar könnte einem Roman von Philip K. Dick entlehnt sein, da er sich in der Zeit rückwärts bewegt. Dagegen erscheint es geradezu harmlos, dass Moon die Dienste von bärtigen Prostituierten in Anspruch nimmt und als Mitglied des (geheimen) Direktoriums einem Versehrtenclub angehört.

Es überrascht nicht, dass London von einer Verschwörung bedroht wird. Wohl aber, dass sie auf einer Utopie des englischen Dichters Coleridge, eines Vertreters der Romantik, beruht – einer missbrauchten natürlich. „Das Alptraumreich des Edward Moon“ bleibt düster: Gingen die Protagonisten bereits vor dem Endkampf nicht besonders freundlich miteinander um, so fordert letzterer mehrere hundert Tote.

Dabei strapaziert der Autor mehr als bei den übrigen phantastischen Elementen die ‚willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit des Lesers’. Dies ist eine Theorie Coleridges, die heute mehr Bedeutung als zu seinen Lebzeiten hat, da sie die Bereitschaft des Lesers bezeichnet, u. a. phantastische Sujets zu akzeptieren. In diesem Fall sind es zwei gedrungene Mörder, die nach der Ausführung ihres ursprünglichen Auftrags die Kontrahenten niedermetzeln. Das passt zwar noch in den Handlungsrahmen hinein, aber es wäre nicht nötig gewesen, ihnen die Fähigkeit zu geben, sich nach Belieben durch Zeit und Raum zu bewegen.

„Das Alptraumreich des Edward Moon“ ist eine gelungene Hommage. Zunächst natürlich an das Viktorianische Zeitalter, vor allem aber an die Romantik, die sich der Realität nicht verpflichtet sah. Damit löst „Das Alptraumreich des Edward Moon“ die vermeintlichen Widersprüche zwischen Realität und Phantastik auf und wird zu mehr als zu einem bloßen Kriminalroman. Wer sich auf das Konzept des Romans einzulassen vermag, wird mit einer reizvollen Lektüre belohnt werden.

Die deutsche Titelgebung verwirrt natürlich. Denn es ist natürlich nicht „Das Alptraumreich des Edward Moon“, das über London kommen soll, sondern das seines Widersachers. Der Originaltitel gibt aber auch Rätsel auf: Ist der Begleiter Moons gemeint, dessen Wesen nicht enthüllt wird?! Dagegen spricht, dass der Schlafwandler nicht die Hauptfigur des Romans ist. Oder der (in dem Roman) schlafende Coleridge selbst?! Oder ist „The Somnambulist“ ein Hinweis auf ein Motiv der Romantik…?!

„Das Alptraumreich des Edward Moon“ wird im Sommer 2009 als preisgünstigere Taschenbuch-Ausgabe erscheinen (Piper TB 6693). (armö)

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Das Albtraumreich des Edward Moon

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