Das Alphabethaus

Jussi Adler-Olsen
Das Alphabethaus

Kvinden i buret, Dänemark, 2010
Der Audio-Verlag, Berlin, 03/2012
Nach dem gleichnamigen Roman von Jussi Adler-Olson „Das Alphabethaus“, dtv, München, 01/2012
6 Audio-CDs
Psycho-Thriller
ISBN 978-3-862311-03-3
Laufzeit: ca. 504 min.
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
Titelgestaltung von N. N.

www.der-audio-verlag.de/
www.dtv.de
www.jussiadlerolsen.dk 

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Die englischen Bomberpiloten James und Bryan werden während des zweiten Weltkriegs über Deutschland abgeschossen und müssen in der Nähe von Freiburg notlanden. Um den deutschen Häschern zu entkommen, springen sie auf einen Zug auf, der Kriegsversehrte transportiert, vor allem Soldaten mit Kriegsneurosen und anderen Geisteskrankheiten. James und Bryan nehmen die Identitäten der SS-Offiziere Gerhard Poykert und Arno von der Leyen an und werden in ein Lazarett für Geisteskranke überführt, das sogenannte Alphabethaus. Dort sind sie der Grausamkeit und Willkür von Ärzten, Pflegern und Offizieren ausgeliefert, immer mit der Angst lebend, als Simulanten entlarvt zu werden. Allerdings sind Bryan und James nicht die einzigen Insassen mit einem dunklen Geheimnis.

Bryan alias Arno von der Leyen gelingt schließlich die Flucht aus dem Alphabethaus, während er den verletzten James zurücklassen muss. Fast dreißig Jahre später findet Bryan eine Spur seines Kameraden und reist nach Deutschland. Er kommt einer finsteren Verschwörung auf die Spur und muss erkennen, dass die Zeit nicht alle Wunden heilen kann …

Tatsächlich gab es eine Zeit vor Carl Morck, Assad und dem Sonderdezernat Q. „Das Alphabethaus“ ist das Thriller-Debüt des dänischen Autors Jussi Adler-Olsen und erzählt die Geschichte zweier englischer Fliegerpiloten, die über ihre Kameradschaft hinaus auch eine enge Freundschaft verbindet. Diese wird auf eine harte Probe gestellt, als sie die Identität deutscher Wehrmachtsoldaten annehmen müssen und schließlich getrennt werden, als es Bryan gelingt zu fliehen. Jussi Adler-Olsen hat aus dem Schicksal der beiden Piloten eine höchst interessante und fesselnde Geschichte gestrickt, die vor allem in psychologischer Hinsicht äußerst spannend ist. Die essentielle Frage ist wohl, was mit einem Menschen passiert, der sich fast dreißig Jahre in der Hand seiner Peiniger befindet, ihrer Willkür und ihren Launen ausgesetzt ist, in dem Wissen, dass der vermeintlich beste Freund geflohen ist.

Die Geschichte besteht im Gro aus zwei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der weit zurückliegenden Vergangenheit und spielt während des zweiten Weltkriegs. Im zweiten Teil, der im Jahr 1972 angesiedelt ist, geht es um die Suche Bryans nach seinem immer noch vermissten Kameraden James. Jussi Adler-Olsen hat somit einen historischen Thriller verfasst, der zum einen die entwürdigende Behandlung von psychisch Kranken während des zweiten Weltkriegs beschreibt, zum anderen aber auch geschichtliche Schlüsselereignisse erwähnt, wie das Attentat bei den olympischen Spielen in München. Darüber hinaus ist es immer erholsam, einen modernen Krimi zu lesen respektive zu hören, in dem die Protagonisten ohne Handys und Computer auskommen müssen, der aber auch nicht gleich im Mittelalter spielt. Motivation und Antrieb von Bryan und James sind jederzeit nachvollziehbar und glaubhaft.

Allerdings ist der erste Teil doch relativ kurz ausgefallen und die kaltblütige Hinrichtung von Simulanten sowie die Behandlung mit Elektroschocks wirkt mehr wie ein gängiges Klischee, als tatsächlich recherchierte Fakten. Über damalige dokumentierte Behandlungsmethoden erfährt man nur wenig, vermutlich lag dies auch nicht in der Absicht des Autors. Der zweite Teil indes ist ein beinahe klassischer Krimi. Bryans Suche und der anschließende Rachefeldzug bestimmen das Setting, das von einer äußerst trübsinnigen Atmosphäre begleitet wird. Tatsächlich ist die Geschichte im mittleren Teil stark vorhersehbar und zeigt deutliche Längen im Handlungsverlauf. Erst das Ende kann mit einer kleinen überraschenden Wendung überzeugen. Mit den Fällen des „Sonderdezernats Q“ kann „Das Alphabethaus“ jedenfalls nicht mithalten, obwohl gerade der Beginn und der düstere Schluss äußerst packend und spannend beschrieben werden. Zumal Wolfram Koch mit seiner einprägsamen Stimme wieder eine souveräne Leistung als Sprecher abliefert.

Die verstörende Cover-Illustration hat einen starken symbolischen Charakter und fällt sofort ins Auge. Auffallend ist außerdem die Andersartigkeit der äußeren Gestaltung im Vergleich zu den Hörbüchern des „Sonderdezernats Q“. Allein hier wird schon deutlich, dass „Das Alphabethaus“ eine gänzlich andere Richtung einschlägt. Leider finden sich in der Hörbuch-Box keinerlei Infos zum Autor oder zum Sprecher.

„Das Alphabethaus“ bietet mehr geschichtliches Freundschaftsdrama als Krimi. Jussi Adler-Olsens Roman-Debüt bleibt vor allem wegen der düsteren, bedrückenden Atmosphäre im Gedächtnis haften.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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