Das Geheimnis des Geigers

das-geheimnis-des-geigersAlisha Bionda (Hrsg.)
Das Geheimnis des Geigers

(sfbentry)
Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 4
BLITZ Verlag, Windeck, 10/2006
PB, Mystery-Krimi-Anthologie
ISBN 978-3-89840-214-9
Titelbild von Mark Freier
Innenillustrationen von Andreas Gerdes

www.blitz-verlag.de
www.alisha-bionda.net/
www.freierstein.de
www.grafikdesigh-gerdes.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Siebzig Jahre nach dem Tod eines Autors ist sein Copyright auf eine literarische Figur ausgelaufen, es sei denn seinen Erben gelingt es irgendwie, eine Fristverlängerung zu erwirken oder aber dafür zu sorgen, dass jedem anderen Schriftsteller die Benutzung eines Hintergrunds oder einer Person vergällt wird. Da das bei „Sherlock Holmes“ von Sir Arthur Conan Doyle nicht der Fall ist, greifen seit Anfang des Jahrtausends immer wieder neue Autoren auf den Hintergrund zurück und schreiben weitere Geschichten um die Figur, die zweifelsohne mittlerweile in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Der scharfsinnige Detektiv mit der ausgeprägten Kombinationsgabe wurde zum Wegweiser für den Kriminalroman, und manch einem fällt es heute schwer zu glauben, dass Sherlock Holmes eigentlich nur eine literarische Person ist. Auch die Anthologie „Das Geheimnis des Geigers“ greift Themen, Figuren und Mythen aus dem Umkreis von Sherlock Holmes auf. Die insgesamt sechzehn Geschichten zeigen die Bandbreite dessen, was man mit dem Meisterdetektiv alles anstellen kann.

Andreas Gruber entführt mit „Glauben sie mir, mein Name ist Dr. Watson!“ in die Nähe des Phantastischen. Alles beginnt mit einem Mann, der verwirrt herumirrend in London aufgegriffen wird und behauptet, ein anerkannter Amerikaner namens Jack London zu sein. Doch weder Holmes noch Watson ist dieser Name geläufig, auch Nachforschungen ergeben nichts. Dennoch gehen sie der Sache nach und stoßen auf ein Geheimnis, das es in sich hat und einen von ihnen in größte Schwierigkeiten bringt. Auch „Die brennende Leiche“ von Markus Kastenholz nutzt ein Thema, dass eher dem Horror-Genre entlehnt scheint, als der Detektiv den Tod einer überraschend bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Frau aufklären will. Eher klassisch ist die Geschichte „Der Henker“ von Christian Endes. Ein Mann wird erhängt in einem Lagerhaus vorgefunden. Da es überhaupt keine Spuren zu geben scheint, bittet Inspektor Lestrade Holmes um Hilfe, weil er sich eine mühevolle Suche ersparen will.

Ähnlich sieht es mit „Das Geheimnis des Geigers“ von Matthias Heyen aus, der Titel gebenden Geschichte. Ein bekannter russischer Musiker verletzt sich überraschend und muss das schon lange erwartete Konzert absagen. Der Meisterdetektiv nimmt den Vorfall genauer unter die Lupe, weil er sich geprellt fühlt, und entdeckt an einem winzigen Detail, dass ein Verbrechen vorliegt. „Ein Fall von Nekrophilie“ macht Holmes schwer zu schaffen. Stephan Peters zeichnet hier das Bild eines anderen Holmes, der nicht mehr länger der selbstsichere Zyniker und Logiker ist, sondern immer mehr unter Depressionen leidet und diese mit Kokain zu betäuben versucht. Ähnlich sieht es bei Arthur Gordon Wolfs „Die Blaue Taube“ aus. Auch sein Meisterdetektiv ist nicht länger die starke Figur der frühen Romane, die ihre Meinung selbstbewusst vertrat. Sein Holmes ist ein gebrochener und kraftloser Mann, dem der Ruhm schwer zu schaffen macht und der sich von seinem eigenen Ruf erdrückt fühlt, da er lange nicht so unfehlbar ist, wie die anderen glauben. Umso schwerer tut er sich dann mit dem Lösen eines simpel scheinenden Falls.

Dies sind nur einige der Erzählungen, die von durchweg guter bis ausgezeichneter Qualität sind und ein entspannendes Lesevergnügen für jeden Fan des Meisterdetektivs bieten. Die Autoren versuchen bewusst, Stil und Atmosphäre der Originalgeschichten zu bewahren; nur selten gibt es Brüche mit dem Bild, das Sir Arthur Conan Doyle geschaffen hat. Auch die Themen sind abwechslungsreich. Der eine lässt andere beliebte Figuren wie Professor Moriarty oder Irene Adler auftreten, der andere verlässt sich ganz auf dramatische und unvergessene Ereignisse der spätviktorianischen Epoche oder bewegt sich völlig frei in einem eigenen Universum. Heraus kommt eine Sammlung, die sich sehen lassen kann, da jeder Leser sicherlich mehr als nur eine Lieblingsgeschichte finden wird. Das macht „Das Geheimnis des Geigers“ zu einem Geheimtipp für alle Freunde des Meisterdetektivs, die von Sherlock Holmes, seinen Freunden und Feinden noch nicht genug bekommen können.

Copyright © 2008 by Christel Scheja (CS)

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