Das Venus-Gift

M. J. Rose
Das Venus-Gift
Morgan Snow 3

The Venus Fix, USA, 2006
MIRA TACHENBUCH im Cora Verlag, Hamburg, 06/2008
TB 25288, Psycho-Thriller
ISBN 978-3-89941-472-1
Aus dem Amerikanischen von Martin Hillebrand
Titelgestaltung von pecher und soiron, Köln unter Verwendung eines Motivs von Harlequin Books S. A.
Autorenfoto von Harlequin Books S. A.

www.mira-taschenbuch.de
www.mjrose.com

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Ein hübsches, junges Mädchen, dessen erotischen Spielen man gegen eine Gebühr im Internet zusehen darf, stirbt vor laufender Webcam einen qualvollen Tod. Die Polizei stellt fest, dass das Opfer durch ein Gift, das sich leicht beschaffen lässt und über die Schleimhäute aufgenommen wird, ermordet wurde. Sie soll nicht die einzige bleiben, denn wenig später passiert drei ihrer Kolleginnen dasselbe. Die Spur führt zu dem renommierten Richter Alan Leightman, der bei der Sexualtherapeutin Morgan Snow wegen seiner Sucht nach Internet-Pornos in Behandlung ist. Nach seiner Verhaftung bekennt er sich zu den Morden, aber Morgan ist davon überzeugt, dass er nicht der Täter ist und dieser auch ihm zu schaden versucht. Allerdings ist sie durch die Schweigepflicht gebunden und kann ihrem Freund Detective Noah Jordain nichts anderes als ihre Beteuerung bieten. Der Zufall hilft Morgan weiter: Ein Mädchen, das zusammen mit einigen Mitschülern, ihre Gruppen-Therapie besucht, bricht ihr Schweigen …

„Das Venus-Gift“ ist nach „Die Magdalenen-Morde“ und „Das Delilah-Komplott“ bereits der dritte Band, den M. J. Rose der Sexualtherapeutin Morgan Snow gewidmet hat. Aus der Perspektive der Hauptfigur werden die Geschehnisse aufgerollt, wobei es mitunter etwas störend wirkt, dass die erste Person nicht beibehalten wird und bei einem Wechsel zu einer anderen Handlungsebene ein neutraler Erzähler übernimmt. Die therapeutischen Gespräche wirken gekünstelt und können leider nicht überzeugen, da die Protagonistin zu wenige Tricks auf Lager hat, um ihren Patienten Informationen entlocken können und der glückliche Zufall bemüht wird, damit schließlich doch jemand genau die brisanten Dinge verrät, die für die weiteren Ermittlungen in den Mordfällen wichtig sind. Das sind jedoch die beiden einzige Mankos. Von diesen einmal abgesehen, gelingt es der Autorin, ein zeitgenössisches Problem zum Dreh- und Angelpunkt ihrer spannenden Krimi-Handlung zu machen: die Sucht nach Internet-Pornos, der nicht nur Erwachsene sondern auch Jugendliche erliegen, mit der Konsequenz, dass sie an realen Partnern kein Interesse mehr zeigen (Ein vergleichbares Motiv wurde in der Manga-Serie „Genshiken“ aufgegriffen: Hier litt eine junge Frau darunter, dass ihr Freund – genau wie seine Single-Kommilitonen – seine Befriedigung bei Hentai-Animes und –Games suchte.). Eine Lösung zeigt M. J. Rose nicht auf, denn es gibt kein Patentrezept, mit dem sich jeder Süchtige heilen ließe.

Um Aufklärung und Hilfe geht es auch nicht, denn die Problematik liefert nur den pikanten Auslöser für die Morde, und das Wohl der Patienten ist kein Thema mehr, nachdem sie ihre Rollen erfüllt haben. Tatsächlich fühlen sich Mädchen und Frauen gedemütigt, wenn sie durch Phantasieprodukte ersetzt werden, was im Roman zu einer Verkettung unglücklicher Umstände führt, die in einer Tragödie gipfeln, welche das Motiv für die Verbrechen stellt. Zunächst kommen viele Personen als Täter in Frage, und so tappt man als Leser mit der Polizei im Dunkeln. Erst gegen Ende, nachdem sich einige Spekulationen als korrekt erwiesen haben, ahnt man, wer der Mörder sein könnte, der geschickt aus dem Hintergrund die Fäden zieht, um jene zu bestrafen, die ihm etwas Wichtiges genommen haben und ihm anderweitig in die Quere kamen. Wieder einmal liegen Genie und Wahnsinn dicht beieinander, denn die klugen Strategien entspringen einem kranken Geist.

Die Charaktere sind kompliziert und vielschichtig. Dadurch wahren sie eine gewisse Distanz zum Leser, selbst Morgan Snow, deren private Probleme parallel zu den Ermittlungen laufen: Sie ist geschieden, unterhält eine freundschaftliche Beziehung zu ihrem Ex, die pubertierende Tochter versucht immer wieder, beide gegeneinander auszuspielen, und als der Konflikt mit Dulcie eskaliert, schlägt der Vater überraschend vor, es nochmal miteinander zu probieren und dem Kind eine intakte Familie zu geben. Morgan muss sich entscheiden, ob der vermeintlich leichte auch der richtige Weg für sie alle ist – oder ob sie trotz ihrer Bindungsängste eine Zukunft an der Seite von Noah Jordain bejahen kann. Durch Morgans Freundschaft zu Noah und die Internet-Pornografie werden Romantik und Sex in die Handlung getragen, aber nicht zu viel, da die Krimimalhandlung im Vordergrund steht. Während die gemeinsamen Momente des Paares dezent beschrieben werden, ist die Wortwahl im Zusammenhang mit der käuflichen Liebe deftiger, um zu verdeutlichen, dass es nicht dasselbe ist.

Die Autorin schreibt flüssig, sie versteht es, einen Spannungsbogen aufzubauen und am Ende alle Fäden zu einem überzeugenden Finale zu vertäuen. „Das Venus-Gift“ ist ein packender Psycho-Thriller, der es schafft, nicht zum Romantic Thrill zu verkommen. Über die kleinen Schwächen sieht man gern hinweg, da man rundweg gut unterhalten wird. Insbesondere Leserinnen werden gern zugreifen.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Booklooker.de

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