Das vergessene Mädchen

Wolfgang Burger
Das vergessene Mädchen
Alexander Gerlach 9

Piper Verlag, München, 04/2013
PB, Heidelberg-Krimi
ISBN 978-3-492-27259-9
Titelgestaltung von Eisele Grafik-Design, München unter Verwendung
eines Fotos von Thomas Frey/mauritius images/Imagebroker

www.piper.de
www.wolfgang-burger.com

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Ausgerechnet am Wochenende teilt die aufgeregte Lehrerin Frau Marchow Alexander Gerlach von der Heidelberger Kripo – man kennt sich, denn seine Zwillinge sind in ihrer Klasse – mit, dass die Schülerin Lea Lasalle während des Ausflugs nach Straßburg verschwunden ist. Da das Mädchen erst vor kurzem zu ihrem Vater gezogen ist und noch keinen Anschluss gefunden hat, fiel das erst auf der Heimfahrt kurz vor Heidelberg auf, zu spät für eine Umkehr. Justus Lasalle, ihr Vater, ein Alkoholiker, gibt sich gelassen, weil sie nicht zum ersten Mal ausreißt und fast 18 ist.

Einen Tag später sitzt Henning Dellnitz, ein in Lea verknallter Mitschüler, in Gerlachs Büro, außer sich vor Sorge. Er ist davon überzeugt, dass etwas faul ist und der Vater mit ihrem Verschwinden zu tun hat. An dessen Ärmel und im Haus wird tatsächlich Blut gefunden, das von Lea stammt. Gleichzeitig taucht in Straßburg die Leiche einer jungen Frau auf, deren Beschreibung auf die Vermisste zutrifft, und wenig später eine weitere, die nur schwer zu identifizieren ist. Plötzlich ist auch Henning verschollen. Gerlach und seine Kollegen beginnen, Nachforschungen anzustellen und erfahren Dinge, die ein völlig neues Bild von Lea zeichnen – aber auch von anderen Personen, die überraschenderweise mit ihr zu tun hatten. Selbst Gerlach bleibt nicht gänzlich ungeschoren, denn ein Jahre zurückliegendes Ereignis gibt ihm zu denken.

Wolfgang Burger siedelt bereits zum zehnten Mal einen Krimi in Heidelberg und Umgebung an, der neunte mit Kommissar Alexander Gerlach. Dieser ist ein Mittvierziger, verwitwet und Vater zweier Töchter, Louise und Sarah, im Alter von 16 Jahre, die recht selbständig ihre eigenen Wege gehen und ihm immer wieder mit ihrem ‚Insider-Wissen‘ aushelfen. Seit einer geraumen Weile ist er mit Theresa Liebekind, der Frau seines Vorgesetzten, liiert. Was zunächst wie ein typischer ‚Ausreißer‘-Krimi beginnt, entwickelt sich nach und nach zu etwas Größerem, in das immer mehr Personen involviert sind, die Dreck am Stecken haben. Schließlich gibt es sogar Tote – und am Schluss eine Überraschung durch die Person, die alles erst ins Rollen brachte. Mehrere, teils voneinander unabhängige, Delikte werden aufgeklärt, aber nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet.

Die Handlung ist zwar in sich abgeschlossen, doch ist sie in eine fortlaufende Serien-Kontinuität eingebettet, in der vor allem das Privatleben der Hauptfigur und die Interaktion mit wiederkehrenden Charakteren von Bedeutung ist und sich weiterentwickelt. Dadurch erhält der Krimi einen sehr familiären Anstrich, was leider etwas zu Lasten der Spannung geht. So macht sich Gerlach z. B. viele Gedanken um seine Töchter, insbesondere als ihm in Hennings Zimmer kleine Pillen in die Hände fallen und er zu vermuten beginnt, dass Sarah und Louise ebenfalls Ecstasy konsumieren. Ihm gefällt das ebenso wenig wie dem Leser, aber ein anderer Protagonist ‚beruhigt‘ den aufgewühlten Vater, dass es heute ‚völlig normal‘ sei, wenn Jugendliche alles Mögliche ausprobieren, um mitreden zu können, denn durchs Probieren werden sie nicht gleich zu Junkies. Das mag zwar den Zeitgeist, die Einstellung der Teens und Twens widerspiegeln, aber in den Augen des reiferen Publikums ist das eine Bagatellisierung der Drogenprobleme.

Letztlich fiebert man bei der auf Sparflamme laufenden Fahndung nicht so richtig mit. Stattdessen verfolgt man die Entwicklungen zusammen mit Alexander Gerlach aus einer gewissen Distanz. Er wird selten aktiv, ist vor allem Beobachter und Frager (vieles wird den Zeugen und Verdächtigen in den Mund gelegt, was als Beeinflussung gewertet werden kann), Informationen mit Hilfe von Kollegen, Zeugen und anderen sammelt, eher selten Schlüsse zieht, außer die Indizien sind sehr deutlich. Er hängt sich zwar hinein, auch in diesen Fall, der lange keiner ist und von ihm fast schon privat verfolgt wird, aber es fehlt der Funke, der zum Leser überspringt.

Für Krimi-Fans aus der Region oder die mit Heidelberg und Umgebung vertraut sind, ist es zweifellos schön, von Lokalitäten zu lesen, die man selbst gesehen hat. Auch Nicht-Heidelberger werden durchaus unterhalten, wenn sie diese ruhigeren, familiären Krimis mögen. Aber man vermisst ein bisschen den Biss, vergleicht man beispielsweise mit den Rheinland-Pfalz-Krimis von Monika Geier, den Schwaben-Krimis von Christine Lehmann oder den Passau-Krimis von Dagmar Isabell Schmidbauer. Allerdings sind die Geschmäcker verschieden, und wer sich in das sehr menschliche Umfeld von Alexander Gerlach in Heidelberg hineinversetzen kann, wird gewiss nicht enttäuscht.

Copyright © 2013 by Salzmann, Irene (IS)

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