Den nächsten, der Frohe Weihnacht zu mir sagt, bringe ich um

Johannes Engelke (Hrsg.):
Den nächsten, der Frohe Weihnacht zu mir sagt, bringe ich um

München: Droemersche Verlagsanstalt 2013
Droemer Hardcover
Thriller
Umfang 400 Seiten
Umschlagabbildung: FinePic®, München
ISBN 978-3-426-19986-2

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Das vorliegende Hardcover versammelt 12 teilweise hochklassige Kriminovellen bzw. -kurzgeschichten zwischen etwa 20 und 70 Seiten Länge rund um das Thema Weihnachtszeit.
Den Einstieg in das Buch besorgt Petra Busch mit einer fulminanten Story, welche die Erwartungshaltung des Lesers auf dem Kopf stellt. Der kleines Sohn eines allein erziehenden Vaters wird kurz vor Weihnachten von einem Auto erfasst und getötet. Doch wer nun erwartet, dass der Mann auf Mördersuche geht und dem Autofahrer hinterher jagt, wird genau so überrascht, wie der Leser, der meint, der Täter verhalte sich wie der übliche Fahrerflüchtige…

Die Autorin kitzelt aus den knapp 30 Seiten das optimale an Atmosphäre und Spannung raus und verblüfft mit einem frappierenden Ende (völlig abweichend zu der berühmten und außerordentlich gelungenen filmischen Vorlage Ein einziger Augenblick, an die einige Leser sicher werden denken müssen). Der Herausgeber tat sicherlich gut daran, diese begeisternde Geschichte als Auftakt dieser Anthologie zu wählen. Danach kann die Spannung fast nur abfallen und Autor Daniel Holbe kreiert zwar süffisante Protagonisten, aber leider keine allzu überraschenden Wendungen. Immerhin ist auch diese Kurzgeschichte lesenswert. Leider fällt danach die Qualität deutlich ab, wenn der ansonsten sehr talentierte Sven Koch seinen Protagonisten einfach nur brutal ins offene Messer eines Serienkillers laufen lässt. Danke fürs Gespräch! Oder eher für die Schlachtplatte!

Ein weiteres Highlight kommt dann aber gleich wieder von Alex Berg, die ihren Protagonisten ein merkwürdiges, fast magisches Wiedersehen gönnt, wobei die Autorin geschickt die scheinbar fernen Handlungsfäden zusammen fügt und zu einem gar nicht kitschigen Happy End verbindet. Leider kommt danach der Tiefpunkt der Anthologie: Karen Rose erzählt eine Geschichte mit so vielen losen Anfängen und Handlungsfäden, dass der Leser glaubt, den vorher existierenden Roman verpasst zu haben und gar nicht mehr durchzusteigen. Ist diese mit fast 70 Seiten längste Geschichte des Bandes die Fortsetzung eines der Romane der Autorin? Oder warum hat man als Leser das Gefühl, die vorherigen paar hundert Seiten verpasst zu haben? Dass die Novelle dann auch noch in den USA spielt, macht das Ganze leider gar nicht verständlicher oder vertrauter. Ein echter Missgriff in einer ansonsten starken Anthologie. Danach hat Simone Buchholz den Leser wieder voll auf ihrer Seite. Zwar spielt auch ihre Story in den USA, die hier geschilderte Serienkillerin hat aber echt Pfiff und verrichtet ihr Tagwerk “einschneidend” und sehr überraschend, berichtet in lakonisch kurzen Sätzen von ihrem Werk und lässt den Leser immer mehr vor Schreck erstarren. Dabei ist vor allem der von der Autorin gewählte Stil herausragend.

Leider kommen danach nur noch gute, aber keine überragenden Geschichten mehr, wobei auch diese Freude beim Lesen bereiten können. So berichtet Zoe Beck von der besonderen Beziehung zweier Schwestern. Während die eine als Musterkind alle Vorteile auf ihrer Seite zu haben scheint, bereitet die andere der Familie nur Kummer und Sorgen. Doch wer nun glaubt, die Musterschwester sei mit ihrer Rolle mehr als zufrieden, der sieht sich arg getäuscht…

Während Markus Heitz eine nette Variante mit Tötungsabsicht von Charles Dickens berühmter Weihnachtsgeschichte um Ebenezer Scrooge liefert, berichtet Heinrich Steinfest von der unheilvollen Begegnung eines Architekten mit seinem Schicksal, welche ihn in die eigene Vergangenheit und zu seinem baldigen Tod führt. Die drei verbliebenen Storys von Markus Stromiedel, Claudio M. Mancini und Frank Göhre sind recht unterhaltsam, aber nicht besonders herausragend und dabei arg konventionell geraten. Während bei Mancini gierige Banker dann doch anders bestraft werden, als im ersten Moment vom Leser gedacht, geht es bei den beiden anderen Erzählungen ebenfalls um Rache und Vergeltung, einmal gegen einen den Frauen allzu zugetanen Professor, das andere mal gegen einen brutalen und perversen Hofbesitzer, der verbogene Kinderseelen hinterlassen hat.

Insgesamt ist die vorliegende Anthologie, auch auf Grund des niedrigen Anschaffungspreises von nur 15 Euro für ein Hardcover und der einfallsreichen Gestaltung des Buchs (die drei Seitenränder sind rot gefärbt und umseitig mit dem vollen Buchtitel verziert), vor allem aber wegen des hohen Unterhaltungswerts der meisten Erzählungen, sehr empfehlenswert. Hier finden sich nämlich genau jene Highlights wieder, die in der diesjährigen Taschenbuchausgabe der Weihnachtskrimianthologie mit dem Titel Süßer die Schreie nie klingen gefehlt hatten.

Copyright © 2013 by Gunther Barnewald

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