Der 7. Tag

Nika Lubitsch
Der 7. Tag

Print!t/UvR Unternehmensberaten + Verlag, Berlin, 12/2012
im Vertrieb der Münchener Verlagsgruppe GmbH, München, 01/2013
PB, Krimi
ISBN 978-3-86882-447-6
Titelgestaltung von Hanspeter Ludwig, www.imaginary-world.de unter Verwendung eines Motivs von Fotosearch.de

www.muenchener-verlagsgruppe.de
http://nikalubitsch.blog.de
www.facebook.com/NikaLubitsch

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„Der 7. Tag“ wurde bereits 1999 von Nika Lubitsch (Pseudonym) geschrieben und erst einige Jahre später in der Kindle-Version, aufgrund des breiten Leserinteresses nun auch als Print veröffentlicht. Zuvor schrieb die Berliner Autorin mehrere Sachbücher. Inzwischen ist von ihr ein weiterer Krimi in Buchform erhältlich: „Das 5. Gebot“. Beide Romane spielen in Berlin an realen Orten.

Schon die Gliederung des Buchs in zwei (eigentlich sogar drei) Teile zu jeweils acht Kapiteln (Prolog mitgerechnet) und einem Epilog ist ungewöhnlich. Zunächst ist der Leser Beobachter im Gerichtssaal und nimmt Anteil an den Gedanken und Erinnerungen der Hauptfigur bis zum „7. Prozesstag“, dann begleitet er sie in die Justizvollzugsanstalt und liest „die wahre Geschichte“, die von der Inhaftierten für eine Zeitung niedergeschrieben wird. Der 8. Teil wartet dann auch mit der überraschenden Wende auf (der dritte Abschnitt), die durch Recherchen an anderen Orten erbracht, von den Journalisten widergegeben und in den Bericht integriert wird.

Sybille Thalheim ist des Mordes an ihrem Mann Michael angeklagt. Obwohl sie die Tat geplant hatte, kann sie sich nicht erinnern, sie ausgeführt zu haben. Ein blutiges Küchenmesser, Blut an ihrer Kleidung und die Zeugenaussagen werden als Indizien für ihre Schuld gewertet, und dem Verteidiger geht es bloß noch darum, das Strafmaß zu begrenzen. Während der sieben Prozesstage schweigt Sybille und lässt ihr Leben vor ihrem inneren Auge vorüberziehen: ihre großartige Karriere, die glücklichen Tage an Michaels Seite, die Freude auf das gemeinsame Kind – und dann Michaels plötzliches Verschwinden, der Vorwurf, er habe 9,6 Millionen Euro unterschlagen, die Überwachung durch die Polizei, der Verlust des Arbeitsplatzes, des Hauses, der Mutter und des ungeborenen Kindes, der totale Absturz. Als Michael zufällig in einer Ortschaft nahe Berlin von seiner Sekretärin erkannt wird, will Sybille Rache nehmen und ihn töten. Kurz vor dem Spruch der Richterin bekennt sie sich unerwartet schuldig.

In der JVA hat Sybille viel Zeit, über die Tragödie nachzudenken. Als ihr ein Journalist anbietet, ihre wahre Geschichte in seiner Zeitschrift zu veröffentlichen, stimmt sie unter gewissen Bedingungen zu. Zu diesen gehört auch, dass einige Reporter in Sybilles Auftrag Recherchen anstellen, denn Michael hat das Geheimnis, weshalb er sie verließ, mit ins Grab genommen.
Was nun ans Tageslicht kommt, ist eine große Überraschung, die alles, was jeder – einschließlich Sybille – glaubte, auf den Kopf stellt.

Und diese Wende ist leider die Schwachstelle des Buchs. Zunächst beschreibt die Autorin meisterhaft, wie ihre Protagonistin mit der Situation umgeht. Man kann sich leicht in Sybille hineinversetzen, die alles hatte, mehr als viele andere, und dann alles mit einem Schlag verlor. Durch die Rückblenden, in denen im Wechsel ihr großes Glück und ihre Verzweiflung, die Depressionen und der Hass geschildert werden, wird dieser Bruch in ihrem Leben, der Absturz besonders eindringlich dargestellt. Man nimmt Sybille die ganze Gefühlpalette ab und hat Verständnis für ihr Handeln, auch für ihr Schweigen und die doch recht distanzierte Betrachtung des Prozesses, dessen Ausgang im Prinzip feststeht und durch ihr überraschendes Geständnis zur Höchststrafe führt.

Das gilt auch für die Betrachtungen, die sie während des Aufenthalts in der JVA anstellt. Tatsächlich begreift sie erst jetzt durch dieses Umfeld so richtig, dass sie ein privilegiertes Leben geführt hatte, dass eine glückliche Familie, Karriere und Vermögen für sie eine Selbstverständlichkeit waren, die sie gar nicht richtig zu würdigen gewusst hatte, und wie tief sie gefallen ist. Die Puzzlestücke, die dem Leser bis dahin vorgesetzt wurden, werden nun nach und nach an die richtigen Stellen gelegt, doch bleiben drei wichtige Fragen: Warum hat Michael seine Familie verlassen? Was passierte, nachdem Sybille zu Bett gegangen war, um am nächsten Tag ihren Mann zur Rede zu stellen und zu töten? Weshalb gestand sie einen Mord, an den sie sich nicht erinnert?

Haben sich die Erinnerungen plötzlich eingestellt? Die Antworten, die nun folgen, dürfte kaum jemand erwartet haben, doch sind sie nach den bitter-realistischen ersten 150 Seiten schon ein bisschen zu „James Bond“. Hätte die Autorin diesen Realismus beibehalten, wäre Michaels Geheimnis wohl eines geblieben, wie das von so vielen Menschen, die urplötzlich verschwinden. Es ist jedoch verständlich, dass sie dem Publikum eine versöhnliche Lösung bieten wollte, die das Paar reinwäscht und jemanden als Täter benennt, den man möglicherweise aufgrund winzigster Hinweise bereits in Verdacht hatte. Zweifellos sind die Erklärungen durchaus nachvollziehbar – aber eben im Verhältnis zum Vorangegangen etwas zu dick aufgetragen, was jedoch vor allem ein persönliches Empfinden ist.

Auf jeden Fall ist dieser Krimi eine hochdramatische, spannende Lektüre mit unvorhersehbarem Ende, brillant aufgebaut und geschrieben. Kein Wunder, dass das eBook wochenlang zu den Kindle-Bestsellern zählte!

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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