Der Austernmörder

Kari Köster-Lösche
Der Austernmörder

Sönke Hansen 2
Knaur Verlag, München, 6/2007, Originalausgabe bei Droemer, München, 2006
TB, Krimi, 978-3-426-63659-6, 400/895
Titelillustration von Mauritius Images/FinePic, München
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München

www.knaur.de
http://home.arcor.de/koeloe/ 

Sönke Hansen erhält einen anonymen Anruf – der Unbekannte meldet einen Toten am Südstrand von Föhr, dem symbolisch eine Auster auf die Brust gelegt wurde. Darüber hinaus behauptet der Anrufer, dass Hansens Kollege Dr. Claussen, der die Aufsicht über die Austernbänke hat, nicht vertrauenswürdig sei.

Cornelius Petersen, Hansens Vorgesetzter, setzt Sönke Hansen auf den ‚Fall’ an. Hansen begrüßt die Unterbrechung seiner manchmal eintönigen Schreibarbeit. Darüber hinaus leidet er unter der Trennung von seiner dänischen Verlobten Gerda, einerLehrerin, die seit einem Jahr verschwunden ist, da sie vor den preußischen Machthabern ins Ausland fliehen musste, weil sie dänische Kinder heimlich in ihrer Muttersprache unterrichtet hatte.

Sönke Hansen fährt per Dampfschiff nach Wyk auf Föhr. Sein erstes Ziel ist dort die kleine Zeitung ‚Föhrer Nachrichten’ und dort der Chefredakteur Hajo Clement. Zwischen den beiden Männern herrscht ein gespanntes Verhältnis. Dennoch erhält Hansen die Information, dass der bayerische Baron Eberle Gaispitzheim den Toten gefunden hat.

Und so sucht Hansen diesen und seine Gattin im ‚Bayrischen Hirschen’ auf und erfährt Einiges von dem sympathischen Ehepaar. Zum Beispiel, dass der Tote eine Tätowierung auf seinem Unterarm hatte: ‚La Perle de Cancale’. Cancale ist berühmt für seine Fischerbootflotte (in der Bretagne), die meist in der Bucht von Mont Saint Michel bleibt, wo die Fischer ihre Austernbänke beackern. Die Baronin weist Hansen darauf hin, dass sie Würgemale am Hals des Toten bemerkte und somit davon auszugehen sei, dass er eines gewaltsamen Todes starb.

Als nächstes besucht Sönke Hansen, seinen alten Bekannten Nummen Bandick und dessen Frau Matje und spricht mit ihm über den Fall. Danach trifft er auf Reimer, der früher zur Amrumer ‚Austernflotte’ gehörte und erfährt von ihm vieles über Austernfischerei.

Hansen begibt sich danach in den Austernpark und trifft dort auf den Aufseher Erk Tammens. Dieser erklärt ihm einiges über die Austernzucht und verrät auch, dass Dr. Claussen am Vortag im Austernpark war. Hansen stellt fest, dass dort zu wenig Arbeiter beschäftigt werden, und auch Erk Tammens hat das schon mehrfach bei Claussen bemängelt, ohne dass Abhilfe geschaffen wurde.

Sönke Hansen kommt das Ganze immer rätselhafter vor, da ihm kaum Austern gezeigt werden, und so stattet er dem Austernpark am nächsten Tag einen erneuten Besuch ab und macht dort die Bekanntschaft des jungen Austernbank-Pächters Carl Amsick. Mit ihm zusammen stellt Hansen fest, dass das Gros der Austern des Parks tot ist.

Und somit wird schnell gewahr, dass es in diesem Buch um Austernmord im doppelten Sinne geht, denn es werden nicht nur Menschen sondern auch Austern getötet.

Von Amsick hört Hansen auch, dass in der Nähe der Austernbänke ein englischer Lugger (Segler) gesichtet worden sei. Da sich Erk Tammens bisher stets so verhalten hat, als habe er etwas zu verbergen, geht Hansen erneut zu ihm, um die volle Wahrheit aus ihm herauszuholen. Als er im Austernpark ankommt, wird er Zeuge eines Streits zwischen Claussen und einem Mann, der sich später als James Dixon, ein Schotte herausstellt, der darauf hofft, die preußischen Austernbänke zu pachten. Kurze Zeit spät kommt Erk Tammens zu Tode; laut Claussen handelt es sich um Selbstmord, doch Hansen bezweifelt das sehr bald. Der Fall wird immer mysteriöser, als Hansen erfährt, dass von dem Lugger etwas ausgesät worden sein soll – im Auftrag des Wasserbauamts.

Auch zwischenmenschlich geht es mit Hansen hoch her. Er begegnet bei einem weiteren Besuch, den er bei Nummen Bandick abhält, Jorke wieder, die ihn auf irgendeine Weise anzieht, trotzdem er sich noch an seine Verlobte Gerda gebunden fühlt. Jorke findet heraus, dass es sich bei der Auster, die man auf dem Toten gefunden hat, um eine französische Crassostrea gigas (Pazifische Felsenauster) handelt.

Je länger Sönke Hansen dem Fall nachgeht, desto verzwickter wird er. Meint man zu Anfang der Handlung, eine gewisse Beschaulichkeit des Plotaufbaus zu entdecken, merkt man sehr schnell, dass dem keineswegs so ist. Hansen gerät von einer Situation in die nächste: Da ist eine ominöse Einladung, eine Kutsche, die ihn zu überfahren droht, Hansen gerät in Verdacht ein Spion im Austerngeschäft zu sein, er stößt durch den Hinweis eines Kollegen auf den Verbleib des mysteriösen Lugger, er lernt Dr. Marten Janssen, einen Malakologen (Spezialist für Muscheln und Schnecken), in der ‚Königlichen Biologischen Anstalt’ auf Helgoland kennen, er kommt der ‚Austernpest’ (Pantoffelschnecke) auf die Spur – und da sind noch Gerda und Jorke, die beiden Frauen, die ihn beide emotional erreichen…

Kari Köster-Lösches „Hansen“-Krimis zeichnen sich durch sehr gute Recherche, mehrdimensionale und fein gezeichnete Charaktere und sehr atmosphärischem Lokalkolorit aus. Darüber hinaus sind die Morde eher Beiwerk, im positiven Sinne. Hier schreibt eine Autorin, die nicht auf flache Effekthascherei aus ist, sondern mit sehr viel Liebe zum Detail ein buntes Gemälde schafft, das viel über die Menschen, die Gesellschaft dieser Zeit und den Landstrich aussagt.

Mit wie viel Liebe zum Detail vorgegangen wurde, zeigt auch die im Anschluss an den Romantext befindliche ausführliche Auflistung der Personen – sogar in der Reihenfolge, wie sie in der Handlung erscheinen – und ein kleines Wortverzeichnis (Glossar). Darüber hinaus ist das Rezept eines Austerngerichts, das in dem Krimi vorkommt, angefügt werden.

Überhaupt wird man, auf perfekt in die Handlung eingebundene Weise, umfangreich über die Austernzucht informiert, ohne geschulmeistert zu werden. Aber man erfährt auch viel über Land und Leute, und das macht den besonderen Reiz des Textes aus. Die Autorin vermittelt dem Leser den Eindruck, ihn in die Handlung einzuladen, zu den Menschen, die sie ausmacht – sozusagen einer von ihnen zu sein.

Ein Satz bleibt besonders im Gedächtnis haften: „Alle Abschiede sind schwer, besonders aber die, die einen Abschnitt des Lebens beenden.”

„Der Austernmörder“ ist ein „Hansen“-Krimi mit Lokalkolorit, mehrdimensionalen Akteuren, liebevollen Details und einer sehr dichten und stimmungsvollen Handlung. (AB)

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Der Austernmörder

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