Der Feind im Schatten

Henning Mankell
Der Feind im Schatten
Wallander 10

Den orolige mannen, Schweden, 2009
Zsolnay Verlag, Wien, dt. Erstausgabe: 04/2010
HC mit Schutzumschlag, Krimi
ISBN 978-3-552-05496-7
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Titelgestaltung von David Hauptmann unter Verwendung einer Fotografie der Medusa Rondanini

www.zsolnay.at
www.mankell.de
www.wallander-web.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Mit „Der Feind im Schatten“ legt Henning Mankell den zehnten (die Kurzgeschichtensammlung „Wallanders erster Fall“ [u. a. dtv-TB 20700] mitgezählt) und letzten „Wallander“-Roman vor. Der schwedische Kommissar ist inzwischen sechzig und hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt, nämlich sich ein eigenes Haus gekauft – und einen Hund. In „Der Feind im Schatten“ wird er in einen Fall verwickelt, der sich in seiner Familie abspielt. Zwar wurde Wallander bereits in diversen früheren Romanen zum Ziel von Mördern, doch diese unmittelbare Betroffenheit ist für ihn neu (auch wenn sie im Genre natürlich ein gängiges Motiv ist – die US-amerikanische Autorin Sara Paretsky ist mit ihrer Privatdetektivin Vic Warshwaski ein schönes Beispiel).

Wallander wird zum Empfang anlässlich des 75. Geburtstages des pensionierten Korvettenkapitäns Håkan van Enke eingeladen, des Großvaters seiner Enkelin, die Wallanders Tochter Linda vor wenigen Wochen zur Welt brachte. Während des Empfanges berichtet van Enke von einer Episode aus seiner militärischen Laufbahn, nämlich von der Jagd auf fremde U-Boote, die Anfang der achtziger Jahre in die schwedischen Hoheitsgewässer eindrangen. Van Enke erhielt dabei den Befehl, die Suche abzubrechen – ein Vorgang, der ihn sein weiteres Leben beschäftigen sollte. Ein paar Tage verschwindet Håkan van Enke spurlos. Auf die Bitte seiner Frau nimmt Wallander (inoffiziell) die Ermittlungen auf und beginnt, das Leben des Ehepaares van Enkes aufzurollen.

„Der Feind im Schatten“ ist, was die Kriminalhandlung angeht, ein typischer „Wallander“-Roman. Wallander präsentiert sich erneut als leicht depressiver Ermittler mit einer pessimistischen Weltsicht, dessen Hartnäckigkeit, Detailversessenheit und Intuition ihn letztendlich das Geheimnis Håkan van Enkes lüften lässt, selbst wenn er zuvor – auch das ist nicht untypisch für Wallander – auf eine falsche Spur gelockt wurde. Genau wie in dem zweiten „Wallander“-Roman, „Die weiße Löwin“ (u. a. dtv-TB 20150), greift Mankell ein politisches Ereignis auf und benutzt es als Ausgangspunkt des Romans. Es mutet zwar etwas zufällig an, als sich Wallander an die Bekanntschaft mit einem ehemaligen Stasi-Offizier erinnert, der in Schweden politisches Asyl erhalten hat, doch weder der Autor noch die Leser dürften sämtliche Details aus dem Leben des schwedischen Kommissars kennen.

Mankell lässt in „Der Feind im Schatten“ auch das Leben Wallanders Revue passieren, wobei sein Privatleben verständlicherweise größeren Raum einnimmt als die Kriminalfälle, die er löste. Dabei wird der Roman etwas rührselig. Wallander begegnet Baiba wieder, der Frau, die er in „Die Hunde von Riga“ (u. a. dtv-TB 20194) liebte, die an Krebs erkrankt ist und in wenigen Monaten sterben wird, doch bereits nach wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Lebens kommt. Wallander dichtet Mankell eine beginnende Alzheimererkrankung an (was bereits in dem Alter, das der Kommissar erreicht hat, nicht auszuschließen ist). Und hier leistet sich Mankell den nächsten unwahrscheinlichen Zufall, als Wallanders Haus nur deshalb der völligen Zerstörung entgeht, weil seine Tochter Linda einen Rauchmelder installieren und mit der Feuerwehrzentrale verbinden ließ – als hätte der Verlust von Wallanders Dienstwaffe in einem Restaurant zu Beginn des Romans nicht bereits ausgereicht …!

„Der Feind im Schatten“ ist ein typischer, empfehlenswerter Wallander-Roman und trotz aller Einwände ein würdiger Abschluss der Reihe. Es bot sich in der Tat an, den Roman im familiären Umwelt Wallanders anzusiedeln. Dass es Mankell nicht genügte, seinen Kommissar schlicht und mit dem einen oder dem anderen Schicksalsschlag weniger in Pension gehen zu lassen, werden seine Leser akzeptieren müssen (und können).

Copyright © 2010 by Armin Möhle (armö)

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