Der Tote im Sumida

Sujata Massey
Der Tote im Sumida
Rei Shimura 9

Girl in a Box, USA, 2006
Piper Verlag, München, 03/2010
TB, Krimi 5896
ISBN 978-3-492-25896-8
Aus dem Amerikanischen von Sonja Hauser
Titelgestaltung von Cornelia Niere, München unter
Verwendung eines Fotos von Trinette Reed/Getty Images
Autorenfoto von Jerry Bauer

www.piper.de
www.sujatamassey.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Halbjapanerin Rei Shimura arbeitet seit geraumer Zeit für die OCI, einer kleinen Unterabteilung des CIA. Nachdem ein Kollege, der verdeckt in Japan ermittelte, unter dubiosen Umständen ums Leben kam, wird sie als Verkäuferin in das renommierte Kaufhaus Mitsutan, wo er als Model arbeitete, eingeschleust. Dort bekommt sie es mit viel harter Arbeit zu tun, mit eifersüchtigen Angestellten, die Rei ihre hervorragenden Englisch-Kenntnisse neiden, mit zudringlichen Vorgesetzten – und einem neuen Mord. Ausgerechnet einer der älteren Männer, der auf eine Affäre hoffte und sich mit Rei treffen wollte, wird tot in einem Wagen aufgefunden. Es wird gemunkelt, die Yakuza haben ihre Hände im Spiel.

Michael Hendricks, Reis Vorgesetzter, befürchtet, dass die junge Frau in großer Gefahr schwebt und folgt ihr nach Japan. Tatsächlich hat man ihr eine Wanze an pikanter Stelle untergeschoben. So recht will Rei allerdings nicht glauben, dass man sie im Visier hat, und so lässt sie sich zusammen mit ihrer Kollegin Miho auf ein Date mit zwei jungen Angestellten ein. Einer von ihnen vertraut Rei heikle Informationen an – es geht um Geldwäsche – und ist am nächsten Tag tot. Während Rei Eins und Eins zusammenzuzählen beginnt, wird Michael entführt. Einem Gespräch, das sie belauscht, kann sie entnehmen, dass ihn die Yakuza beseitigen sollen …

Ursprünglich war Rei Shimura eine Antiquarin, die sich als Hobby-Detektivin engagierte. Nachdem sie einige Fälle erfolgreich lösen konnte, macht Sujata Massey aus ihr eine Geheimagentin, die ein entsprechendes Training erhielt und der nun nützliches Equipment sowie wertvolle Informationsquellen zur Verfügung stehen. Gewissermaßen mutierte „Mrs. Marple“ zu „James Bond“ – ob das wirklich für mehr Spannung und Lesevergnügen sorgt, muss jeder für sich entscheiden. Die Autorin schildert die Ereignisse aus der Sicht der Hauptfigur und erlaubt dem Leser zudem, den einen oder anderen Blick auf die Kultur Japans zu werfen. Gerade das macht die Reihe um Rei Shimura zu einer reizvollen Lektüre, denn hier erzählt eine Insiderin, die auf eigene und die Erfahrungen Bekannter zurückgreift.

Wer sich z. B. für Mangas und Animes oder auch Romane japanischer bzw. in Japan lebender Autoren interessiert, ist mit den Themen vertraut, da sie in diesen ebenfalls immer wieder vorkommen: strenge Auswahlkriterien für Arbeitsuchende, harte Konditionen im Beruf, Mobbing, sexuelle Belästigung, strikte gesellschaftliche Konventionen, Ausgrenzung von Koreanern und Halbjapanern usw. Das Umfeld, in dem Rei Shimura agiert, ist fast schon interessanter als der Fall, den sie lösen muss. Tatsächlich gerät der Krimi gegenüber der detaillierten Milieu-Studie etwas ins Hintertreffen, zumal oft der Zufall hilft, die Zusammenhänge nicht immer ganz schlüssig sind und erst am Ende alle Puzzlestücke an die richtigen Plätze fallen.

Ebenfalls nachrangig wird die keimende Romanze behandelt, was jedoch angemessen ist, da Beziehungen zwischen Kollegen unerwünscht und die Beteiligten noch nicht ganz über ihre vorherigen Partner hinweg sind. Die Autorin schreibt routiniert und überzeugt vor allem mit den Passagen, die den japanischen Alltag beschreiben, während die Krimi-Handlung manchmal etwas bemüht wirkt. Trotzdem ist „Der Tote im Sumida“ ein weiterer unterhaltsamer Band aus der „Rei Shimura“-Serie, der durch seine interessanten Milieu-Schilderungen besticht und nebenbei auch noch mit einer kurzweiligen Story um sympathische Charaktere aufwartet. Krimi- und Japan-Freunden bietet Sujata Massey mittlerweile schon zehn Lektüren, die Lust auf mehr machen.
 
Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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