Die bleiche Hand des Schicksals

Julia Spencer-Fleming
Die bleiche Hand des Schicksals

Russ Van Alstyne und Clare Fergusson-Reihe 3
Out of the DeepICry, USA, 2006
Knauer Verlag, München: 7/2008
TB, Krimi, 978-3426635377, 480/895
Aus dem Amerikanischen von Frauke Czwikla
Titelbildgestaltung von: ZERO Werbeagentur, unter Verwendung einer Abbildung von Mauritius Images

www.droemer-knaur.de
www.juliaspencerfleming.com

Der Winter will dieses Jahr aber auch gar kein Ende nehmen hoch im Norden des Bundesstaates New York. Clare Fergussen, ihres Zeichens Geistliche der kleinen Gemeinde Millers Kill, zieht allerdings wieder einmal den Ärger magisch an: In ihrer Kirche ist das Dach undicht, und eine wahre Sintflut droht, sobald Eis und Schnee schmelzen. Der Gemeinderat muss helfen – und zumindest ein Mitglied desselben tut dieses auch.

Eine Stiftung wird aufgelöst – besser gesagt: die Stiftung, die bisher für die Armenklinik der Stadt gedacht gewesen ist und von der Gründerin ins Leben gerufen wurde. Clare fühlt sich nicht so recht wohl dabei, kann die alte Dame, die das Vermögen verwaltet, allerdings auch nicht umstimmen.

Und so wird Clare einmal mehr in ein gefährliches Abenteuer gezogen, denn da stimmt einiges nicht. Und was hat der Kinderfriedhof oben am Stausee mit dem ganzen zu tun?

Es gibt Romane, auf deren Einband steht ‚Kriminalroman’, und sie geben sich auch als solche aus – zumindest bis man beginnt zu lesen. Was dann aber kommt, ist Beziehungskitsch allerübelster Sorte. Die Krimihandlung, sofern überhaupt noch vorhanden, rückt in die hinterste Ecke und wird lapidar nebenher abgehandelt.

Leider fällt auch der vorliegende Roman der amerikanischen Autorin Julia Spencer-Fleming unter die Kategorie. Was da hoch lobend angepriesen wird als ‚mitreißende Spannung’, nötigt eher zu einem müden Gähnen ab, die ‚Kaminfeuer-Atmosphäre’ lässt eher danach sehnen, dieses Buch in demselben zu entsorgen. Nun ja…

Was weite Teile des Romans einnimmt, ist die ‚Beziehung’ zwischen Clare und dem Sheriff des Ortes, Russ Van Alstyne. Dummerweise ist Letzterer verheiratet, zufällig mit der noch lebenden Ausgabe von Marilyn Monroe (O-Ton der Autorin), einer Seele von Frau, die natürlich absolut keine Ahnung hat, was da hinter ihrem Rücken vor sich geht. Und knistern tut es wohl zwischen Clare und Russ gewaltig… Die gute Ehefrau scheint absolut blind und auch taub zu sein, bieten die beiden doch wohl immer wieder reichlich Raum für Klatsch und Tratsch in der Gemeinde.

Beziehungskiste Nummer 2 nehmen die arme Mutter Debba Clow und der Chefarzt der Armenklinik Dr. Allan Rouse ein. Clow bezichtigt den Arzt, durch falsch verabreichte Impfseren Autismus bei ihrem Sohn ausgelöst zu haben, Dr. Rouse streitet dieses natürlich ab – und verschwindet nach einem Streit mit der Mutter. Merkwürdig ist nur, Debbas Sohn zeigt an für sich recht wenig autistische Symptome, als er denn endlich einmal in der Handlung auftaucht. Gut zeichnen können auch andere Kinder. Er spricht, er spielt, vielleicht etwas still, aber unter ‚dramatische Verschlechterung seines Zustandes’ sollte man doch etwas anderes verstehen.

Das Verschwinden des Arztes bietet den ersten dramatischen (und kriminalistischen) Höhepunkt des Romans – sollte man denken. Tatsächlich hat die Autorin das Ganze aber dermaßen durchsichtig angelegt, dass von vornherein klar ist, dass Dr. Rouse vielleicht nicht ganz das ist, was er nach außen zu sein vorgibt.

Dafür tut sich denn – endlich!!! – die Tür in die Vergangenheit auf, und der wahre Kriminalfall kommt ans Licht: Die Stifterfamilie Ketchem lebte in einer dramatischen Zeit voller widriger Umstände. Dann verschwindet auch noch der Ehemann Jonathan auf Nimmer-Wiedersehen, lässt Frau und einzig überlebende Tochter allein und, wie es aussieht, mittellos zurück. Merkwürdig nur, dass seine Frau nie einen Handstreich arbeiten muss in ihrem doch noch recht langen Leben, seine Tochter studieren kann – und sogar noch genug Geld da ist, um die Armenklinik jedes Jahr mit rund zehntausend Dollar zu versorgen.

Da hat man doch endlich etwas, womit sich etwas anfangen lässt, jubelt der Leser – und wird wieder von der Kunst der Autorin an der Nase herumgeführt. Was geschehen ist, ist wieder dermaßen durchsichtig und klärt sich fast schon auf den ersten Seiten, so dass nichts als pure Enttäuschung bleibt. Selbst die Herkunft des Geldes ist spätestens nach der Erwähnung der Prohibition geklärt – also nichts wirklich Neues im ganzen Roman.

Bliebe da noch ein kleiner Absatz zum Thema der Hauptfigur Clare Fergussen. Deren Vergangenheit dürfte nämlich viele beim ersten Hinsehen zum Kauf dieses Romans animieren. Allerdings scheint von der bewegten Pilotenvergangenheit des Captain Clare Fergussen wenig bis gar nichts – einmal abgesehen von ‚klugen Sprüchen’ ihres Ausbilders – übrig geblieben zu sein. Spätestens bei der Kellerszene, in der Clare endlich ihrem Russ näher kommen darf, wird klar, zu mehr als zur Schreibstube scheint es bei ihr nicht gereicht zu haben.

Alles in allem ein überaus schwacher Roman, der seine Leser hohl und leer zurücklässt. Nichts wirklich Neues aus Ami-Land. Schade um das Papier und die vertane Zeit… (RSch)

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Die bleiche Hand des Schicksals

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