Die Cézanne-Connection

Andreas Lukoschik
Die Cézanne-Connection
Anatol Balthasar Trockaus zweiter Fall

(sfbentry)
emons: Verlag, Köln, 03/2015
PB, Krimi
ISBN 978-3-954-51330-7
Titelgestaltung von Tobias Doetsch unter Verwendung des Motivs
„Weibliche Badende, von einem Beobachter überrascht“ von Paul Cézanne, 1870, in Privatbesitz

www.emons-verlag.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

„Die Cézanne-Connection“ ist der zweite in sich abgeschlossene Fall, in dem der selbständige Versicherungsagent Anatol Balthasar Trockau nebst Team damit beauftragt wird, ein gestohlenes Kunstwerk wiederzubeschaffen. Schöpfer der Figur ist Andreas Lukoschik, der vielen vielleicht unter seinem Pseudonym Leo aus dem gleichnamigen TV-Magazin (1987 – 1991) bekannt sein dürfte. Darüber hinaus spielte der deutsche Autor in diversen Filmen mit und verfasste mehrere Bücher. Seit geraumer Zeit lebt er in der Schweiz. Von diesem Punkt aus ist es ein Leichtes für ihn, vor Ort zu recherchieren, sodass die in seinen Büchern geschilderten Lokalitäten in Deutschland, der Schweiz und Italien sowie die Zeitangaben für die unterschiedlichen Verkehrswege zweifelsohne real sind. Gerade Letzteres liest sich stellenweise schon etwas übertrieben, doch ergibt dies durchaus Sinn, denn die Handlung wird präzise auf einen Prolog und neun Tage eingegrenzt, anders als bei zahlreichen Romanen, in denen man das Zeitgefühl verliert und die Dauer kaum abschätzen kann.

Nach der Erledigung eines Auftrags verbringt Anatol Balthasar Trockau noch einige erholsame Tage in Rom. Die Mitteilung, dass die Artecuritas-Versicherung, die ihn schon öfters angeheuert hatte, in Zukunft wohl keine Verwendung mehr für ihn hat, da der neue Vorstand Kosten sparen und auf angestellte Mitarbeiter setzen will, erschüttert ihn wenig, denn er hat seine Kontakte. Zufälligerweise wird ihm von einem solchen, nämlich seiner Mitarbeiterin Hedwig von Wessin, von einem Bekannten berichtet, dem ein Cézanne gestohlen wurde, und gleichzeitig tritt Schmoller an ihn, heran, um ihm einen letzten Job bei der Artecuritas zu vermitteln, bei der es ebenfalls um gestohlene Werke dieses Künstlers geht. Das sind Trockau zu viele Zufälle, zumal sich auch noch ein Kunsthändler namens Renzo Landolt meldet, dem ausgerechnet ein Cézanne angeboten wurde.

Sofort trommelt Trockau sein Team zusammen, denn er ahnt, dass diese Vorfälle zusammenhängen und bei Renzo Landolt eine heiße Spur beginnt. August, das Computergenie der Gruppe, kann endlich seinen Wert beweisen, denn durch seine Spähprogramme gelingt es ihm, Ghjuvan Roca ausfindig zu machen, der zusammen mit seinen Leuten im Auftrag eines geheimnisvollen Hintermannes und Kunstsammlers die Diebstähle organisiert und Interessenten exzellente Fälschungen andreht. Je mehr Trockau und seine Gruppe herausfinden, umso deutlicher wird, dass namhafte Personen involviert sind sowohl in die Diebstähle als auch in einen raffinierten Versicherungsbetrug. Obwohl die Aufgabe lediglich lautet, die Originale wiederzubeschaffen, ergreift das Team die Chance, die Verbrecher aus dem Verkehr zu ziehen …

Man kann gewiss sagen, dass es zwei Arten Krimis gibt (mit ihren Unterarten): Die einen spielen in der großen Welt, die actionreich von einem Superhelden gerettet wird; die anderen sind lokal begrenzt an nachvollziehbaren Orten angesiedelt, die Akteure sind alles andere als toughe Agenten, Detektive, Cops etc., und im Mittelpunkt stehen Recherche, ausgetüftelte Strategien und eine Verbrechensaufklärung, die fast ohne Blutvergießen auskommt. „Die Cézanne-Connection“ zählt zu Letzterem. Zweifellos hätte man das Vorgehen der Diebesbande auch brutaler gestalten können – aber wozu? Es hätte weder für mehr noch für weniger Spannung gesorgt, denn diese ergibt sich ganz aus den Fähigkeiten des Trockau-Teams und wie sie jedem Hinweis nachgehen, der sie ihrem Ziel näher bringt, einige gefährliche Momente inklusive.

Das sollte man mögen, um dem Roman etwas abgewinnen zu können, anderenfalls wird man sich vielleicht bei manchen Details – die Beschreibungen der Locations, das Schwärmen von Kunst, Küche und teuren Hotels, Trockaus ‚Auszeiten‘ mit seiner Freundin Katharina Boiern – langweilen, denn sie nehmen natürlich das Tempo aus der Handlung und tragen nicht immer etwas Wesentliches zu dieser bei. Hinzu kommt, dass man sich nur schwerlich mit den Protagonisten identifizieren kann, die in einer gänzlich anderen Welt leben als die Mehrheit der Leser: Trockau ist ein bonvivant, der dank der lukrativen Aufträge über die Mittel verfügt, für sich und seine Kameraden nur das Beste zu wählen. Er mag sich zwar der High Society nicht zugehörig fühlen, aber vom ‚normalen Bürger‘ grenzt er sich genauso ab. In Konsequenz darf das Publikum einen kleinen Blick in eine Welt erhaschen, in der eine Flasche Wein so viel kostet wie ein Reifensatz für einen Kleinwagen … Aber als Habenichtse würde das Team nur schwerlich Zugang zu dem Personenkreis erhalten, um dessen Probleme es sich kümmert.

In der Summe ist „Die Cézanne-Connection“ ein ruhiger, unterhaltsamer Krimi, der durch das Thema, die realistischen Szenarien und das gezielte Vorgehen der Hauptfiguren gefällt, auch wenn die Protagonisten zum Leser Distanz wahren.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.