Die dünne Frau

Dorothy Cannell
Die dünne Frau

The Thin Woman, USA, 1984
Argument Verlag, Hamburg, 10/2009, 1. Auflage: 1991
TB, ariadne Krimi
ISBN 978-3-88619-516-9
Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Kimberly Jennery

www.argument.de
www.fantasticfiction.co.uk/c/dorothy-cannell/
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die lieben Verwandten sind ein Kreuz für sich – das weiß die 1943 geborene Autorin Dorothy Cannell nur zu genau, da ihre eigenen immer wieder gerne in die Wohnung der zurückgezogenen Frau einfallen und dort Chaos anrichten. Die kleine Rache für dieses Verhalten ist wohl „Die dünne Frau“. Der Original-Roman erschien bereits 1984 und wurde seit 1991 mehrfach von Argument neu aufgelegt. Viele Elemente der Handlung sind auch heute immer noch aktuell.

Ellie Simmons ist Innenarchitektin und kommt ganz gut allein zurecht – bis zu dem Tag, an dem sie zu einem Familientreffen eingeladen wird. Auch wenn sie keine rechte Lust dazu hat, beschließt sie, ihre Pflicht zu tun. Damit man ihr keine dummen Fragen stellt, warum sie immer noch solo ist, engagiert sie für die Tage kurzerhand den jungen Bentley Haskel von einem Begleitservice. Allerdings erweist sich der Gute auch nicht als ganz so passend, aber es ist zu spät, noch einen anderen anzufordern. Auf dem Treffen nimmt alles erst einmal seinen erwarteten Lauf, bis zu dem Moment, in dem Erbonkel Merlin verscheidet. Sein Testament ist ausgerechnet für Ellie ein Schock, denn der alte Mann verdonnert sie dazu, in den nächsten Monaten mit Bentley in seinem Schloss zu leben, abzunehmen und einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Der junge Mann, den sie als ihren Verlobten ausgegeben hat, soll ein Buch schreiben.

So bleibt den beiden ungleichen Partnern, die eigentlich nur eine geschäftsmäßige Beziehung haben, nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen und die Zähne zusammenzubeißen. Und da ist ja auch noch die Verwandtschaft, die zum großen Teil leer ausgegangen ist und das nicht auf sich sitzen lassen will.

Humorvoll und witzig beschreibt Dorothy Cannell die Ereignisse auf einem Schloss und gibt Einblicke in eine schrullige Familie, wie man sie wohl sonst nur aus den schwarzen Komödien Großbritanniens kennt. Dabei konzentriert sie sich sehr stark auf die Figuren, speziell Ellie und Bentley. Beide müssen über ihren Schatten springen und sich sehr verändern, und ob das zum Guten ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Autorin geht dabei sehr viele Kompromisse ein und unterwirft sich gängigen Handlungsmustern, die man bereits aus anderen Romanen kennt: Ellie wird schlank und passt sich an, anstatt die humorvolle Mollige zu bleiben. Auch steht die Romanze zwischen ihr und Bentley im Vordergrund und nicht das Verbrechen.

Dabei handelt es sich nicht, wie jeder denken mag, um den Tod des Erbonkels sondern um etwas, was bereits vor vielen Jahrzehnten passiert ist. Aber diese Tat scheint auch nur ein Aufhänger zu sein, um die Geschichte überhaupt dem Krimi-Genre zuzuordnen. Die Suche nach Hinweisen und Beweisen wirkt deshalb genauso halbherzig wie die spätere Auflösung des Ganzen. Deshalb sollten Krimi-Fans nicht all zu enttäuscht sein, wenn sie nicht das erhalten, was sie erwartet haben. Denn unterhaltsam zu lesen ist das Buch schon, gerade was die Darstellung der Figuren angeht. In manchen Szenen kommt man aus dem Schmunzeln nicht heraus.

Wer nicht gerade einen Krimi erwartet, sondern sich auch mit einer augenzwinkernd erzählten Liebesgeschichte mit vielen kauzigen Figuren zufrieden gibt, wird von „Die dünne Frau“ jedenfalls nicht enttäuscht. werden.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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