Die Engelsmühle

Andreas Gruber
Die Engelsmühle
Peter Hogart 2

(sfbentry)
Festa Verlag, Leipzig, 10/2008,
PB, Thriller
ISBN 978-3-86552-080-7
Titelillustration von Marylin Nieves

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www.agruber.com/
www.marylinnives.com

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Versicherungsdetektiv Peter Hogart wird von seinem Bruder Kurt, einem Chiropraktiker, gebeten, Nachforschungen bei einem berühmten Rückenmarksspezialisten anzustellen. Kurt Hogart hat bei Abel Ostrovsky studiert und am vergangenen Abend einen Anruf erhalten, bei dem ihn der Professor um Hilfe ersuchte. Als sie an der Villa des Arztes eintreffen, befindet sich bereits die Polizei vor Ort, denn Abel Ostrovsky wurde brutal gefoltert und ermordet. Die Ermittlungen werden von guten Bekannten Hogarts geleitet, Eichinger und Garek. Trotzdem schafft es der Versicherungsdetektiv, in die Villa einzudringen und ein Videoband sicherzustellen, während dem der Rückenmarksspezialist Hogarts Bruder kontaktierte, der von der Polizei verhört wird.

Auf dem Video ist lediglich eine zehn minütige Schwarzweiß-Sequenz zu finden, in welcher ein Arzt und eine Frau im Rollstuhl zu sehen sind. Die Frau hört auf den Namen Linda Bohmann und lehrt Kunst an der hiesigen Fakultät. Den Arzt identifiziert Hogart nach langer Suche als Dr. Dornauer, doch auch hier kommt der Detektiv zu spät, denn Dornauer wurde ebenfalls ein Opfer des gnadenlosen Killers. Während Kurt Hogart zum Hauptverdächtigen wird, macht sein Bruder Bekanntschaft mit der exzentrischen Zwillingsschwester von Linda Bohmann, die in der sogenannten „Engelsmühle“ wohnt. Ein düsterer Ort, der irgendwie mit den Verbrechen in Zusammenhang zu stehen scheint. Doch zunächst hat Peter Hogart andere Sorgen, denn durch den Besitz des Videobandes gerät er selbst ins Visier des Mörders …

Der zweite Roman mit dem Versicherungsdetektiv Peter Hogart als Hauptfigur steht dem ersten in Punkto Dichte und Intensität in nichts nach. Abermals entwickelt Andreas Gruber auf knapp 250 Seiten eine ausgefeilte Krimi-Handlung, die bereits nach wenigen Seiten den Leser in ihren Bann schlägt. In seinem zweiten Fall darf Peter Hogart zu Hause bleiben und in seiner Heimatstadt Wien ermitteln, in der sich der Autor bestens auskennt, was man der Geschichte deutlich anmerkt. Auch wenn die Story nicht die düstere Atmosphäre in Sachen Location ausstrahlt, wie der Prag-Roman, so bietet die titelgebende „Engelsmühle“ doch eine schaurige Umgebung, um den Lesern die eine oder andere Gänsehaut zu bescheren.

Abermals muss Gruber für die differenzierte Charakterdarstellung ein großes Lob ausgesprochen werden. Die Personen, allen voran Peter Hogart, wirken so wunderbar echt und authentisch, dass man dem Glauben erliegen kann, die im Roman mitspielenden Leute würden wirklich und wahrhaftig existieren. Selbst die Handlungsweise der Figuren bleibt immer nachvollziehbar, und trotz der Tatsache, dass Hogart häufig als sympathischer Loser dargestellt wird, merkt man schnell, dass der Detektiv einiges auf der Pfanne hat. Lediglich der Zufall spielt bisweilen eine sehr große Rolle und sorgt dafür, dass die Handlung nicht ins Stocken gerät. Wie bereits „Schwarze Dame“, so bietet auch dieser Roman ein düsteres, trostloses Setting, in dem ein Mensch wie Peter Hogart mit all seinen Schwächen und Fehlern sehr sympathisch wirkt. Andreas Gruber schafft es, den Alltag eines Versicherungsdetektivs realistisch zu schildern, auch wenn ein Fall wie dieser natürlich ins Reich der Fiktion gehört.

Die Handlung ist eine packende Mischung aus Thriller und Horror, und gerade die Szene in dem Video erinnert in ihrer Dichte vehement an „The Ring“. Im Finale zieht Gruber noch einmal alle Register der Spannung, und auch wenn der gewiefte Thriller-Kenner die Lösung bereits lange zuvor erraten hat, so bleibt das Ende dennoch dramatisch. „Die Engelsmühle“ ist ein Roman, der von der ersten Seite an fesselt und mitreißt, keine Langeweile aufkommen lässt und den Leser erst loslässt, wenn er das Buch zu Ende gelesen hat.

Für Fans des Autors Andreas Gruber und für Freunde gut durchdachter Thriller ist dieser Roman Pflicht. Das Format des Taschenbuchs ist auf den ersten Blick ein wenig sperrig, liegt aber unheimlich gut in der Hand. Die Klebebindung ist stabil, das Papier hochwertig und der Satz gefällig. Das Cover ist einfach, morbide und passt perfekt zu der düsteren Stimmung des Romans. Ein weiteres Highlight aus der Feder von Andreas Gruber. Die Geschichte ist schockierend, spannend und intelligent, obwohl die Lösung des Falles nicht schwer zu erraten ist.

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg (FH)

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