Die Farbe der Leere

Cynthia Webb
Die Farbe der Leere

The Color of Emptiness, USA, 2004
Argument Verlag, Hamburg, 1. Auflage: 09/2011
TB, ariadne krimi 1187
ISBN 978-3-86754-187-9
Aus dem Amerikanischen von B. Szelinski und Else Laudan
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Westa Zikas – Fotolia.com

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.martingrundmann.de
www.nyc.gov/html/acs/html/about/about.shtml

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Katherine McDonald ist für die New Yorker ACS tätig, eine Kinder- und Jugendschutzbehörde, die Missbrauchsanzeigen nachgeht und betroffene Kinder nach gerichtlicher Verfügung bei Pflegefamilien und in Heimen unterbringt. Die meisten Opfer stammen aus den untersten sozialen Schichten der Bronx und haben bereits mehr mitgemacht, als man sich vorstellen kann. Diese Erfahrungen haben sie geprägt, und obwohl man ihnen durch die Maßnahme den Sprung in ein ‚normales Leben„ zu ermöglichen versucht, schaffen es die wenigsten.

Katherine engagiert sich schon seit Jahren in ihrem Beruf und hat eine gewisse Distanz zu ihren Fällen aufgebaut; anders wäre es nicht auszuhalten. Dieser fragile Schutz bricht zusammen, als der Staatsanwalt Dan Mendrinos Katherine bittet, ihn bei seinen Ermittlungen zu unterstützen: Ein Unbekannter vergewaltigt und tötet, ja, zerfleischt gezielt Jungen aus diesem Milieu, die er dann an öffentlichen Stellen drapiert, damit sie von der Polizei gefunden werden. Einer der Ermordeten zählte zu Katherines hoffnungsvollsten Fällen, der sie dann jedoch enttäuscht hat. Nach und nach entdeckt sie weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern – und eine Spur, die darauf hindeutet, dass es der Täter auch auf Katherine abgesehen hat!

„Die Farbe der Leere“ ist ein realistisch inszenierter, ergreifender Thriller, der in einem Milieu spielt, das den meisten Autoren zu heikel ist. Thematisiert werden Qualen und Missbrauch, die Kinder und Jugendliche oft durch ihre eigenen Angehörigen erfahren. Zwar wird nicht ins Detail gegangen, aber die Fälle, die angedeutet werden, reichen, um den Leser zu schockieren, der sich solche Dinge, wie sie den Opfern angetan werden, nicht einmal vorstellen kann. Die Hauptfigur Katherine McDonald hat, obwohl sie die Fälle nicht an sich heranlassen will, ein persönliches Motiv, dieser zermürbenden und deprimierenden Arbeit nachzugehen, so dass ihr alles, was sie aufdeckt, näher geht, als sie zugibt. Das wird deutlich, als sie an der Fahndung nach einem psychopathischen Mörder teilnimmt, zu dem eine zunächst ungeahnte Verbindung besteht und in der das Motiv für dessen Taten begründet liegt.

Indem der Unbekannte Katherine zu bedrohen beginnt, setzt er den Grundstein für seine Überführung. Doch bis es soweit ist, passiert noch sehr viel – nicht alles hat eine direkte Beziehung zu dem Fall -, und die Ermittler suchen verzweifelt nach Beweisen, die den Verdacht bestätigen und eine Verhaftung legitimieren. Der intelligente, skrupellose Mörder, der begreift, dass man ihn im Visier hat, sieht sich im Zugzwang. Wieder wird ein Junge entführt, und Katherine soll der Folter und seinem Tod beiwohnen, bevor sie an der Reihe ist. Die Handlung entwickelt sich schlüssig und mit ansteigendem Spannungsbogen bis zum packenden Ende. Die Charaktere und ihre Dialoge überzeugen. Auf unnötige Effekthascherei wird verzichtet, denn die eindringliche Geschichte hat diese nicht nötig. Der Leser lässt sich schon nach wenigen Zeilen in das Geschehen hinein ziehen und begleitet Katherine, die kurze Einblicke in ihr Privatleben erlaubt und früh vom Täter bedroht wird, sich durch Aktenberge liest, mit involvierten Personen spricht und Schlussfolgerungen zieht.

In einer Nebenhandlung wird darauf hingewiesen, dass jeder Opfer und/oder Täter werden kann, unabhängig von der sozialen Schicht, aus der er stammt. Selbst hinter den Fassaden scheinbar intakter Familien spielen sich Tragödien ab, die auf dramatische Weise eskalieren können. In jeder menschlichen Seele tun sich Abgründe auf, wenn der Betroffene keinen Ausweg mehr sieht, so dass eine Kurzschlusshandlung nicht selten ist. Nach der Lektüre lässt einen das Buch nicht mehr so schnell los. Die positiven Zitate im Vorwort und auf dem Backcover versprechen nicht zu viel, denn „Die Farbe der Leere“ ist erschreckend realistisch und erschütternd. Mit diesem Titel hat sich der Argument Verlag, der für seine kritischen, unbequemen Bücher bekannt ist, eine weitere Perle ins Programm geholt.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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