Die Hex ist tot

Monika Geier
Die Hex ist tot
Bettina Boll 6

Argument Verlag, Hamburg, 10/2013
TB, ariadne krimi 1216, Rheinland-Pfalz-Krimi
ISBN 978-3-86754-216-6
Titelgestaltung von Martin Grundmann, Hamburg unter Verwendung eines Tattoo-Motivs, Künstlerin unbekannt

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.martingrundmann.de

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Kommissarin Bettina Boll und ihr Kollege Ackermann werden abgestellt, um die Kanaldeckel zu untersuchen, die vor vier Jahren von einem Unbekannten in Ludwigshafen geöffnet wurden, da dasselbe seit kurzem in Lautringen passiert. Hinzu kommt, dass damals in einem der Kanäle die Leiche einer vermissten Frau entdeckt wurde. Man nahm an, dass es sich bei den Mördern um die Begleiter der Toten handelte, doch da eine wichtige Zeugin eingeschüchtert wurde und ihre Aussage zurückzog, kamen die Verdächtigen frei. Nun wird der Fall neu aufgerollt. Die Indizien weisen auf den Sohn der Zeugin hin, der damals in Ludwigshafen ansässig war, jetzt in Lautringen wohnt und eine Weile wegen Anorexie und Borderline in therapeutischer Behandlung war. Die Leichen ausschließlich übergewichtiger Frauen lassen den Schluss zu, dass der Student einen Hass auf Dicke hat. Aber diese simple Lösung ist einfach zu schön, um wahr zu sein.
Bettina fasst einige weitere mögliche Täter ins Auge, kommt dabei jemandem in die Quere und soll beseitigt werden – genauso wie die anderen …

Und als wäre der Fall allein nicht knifflig und gefährlich genug, muss sich die gestresste Kommissarin zusätzlich mit beruflichen und privaten Problemen befassten, wie es der treue Leser nicht anders von ihr kennt: Seit sich Bettina um die Kinder ihrer verstorbenen Schwester Barbara kümmert, kann sie nur noch halbtags arbeiten und muss beruflich dennoch stets beweglich sein. Die Tante, von der sie und Barbara nach dem Tod der Eltern aufgenommen wurden, liegt im Sterben. Ein Kollege verknallt sich in Bettina, und sie ist nicht abgeneigt, eine feste Beziehung einzugehen. Prompt intrigiert eine eifersüchtige Kollegin und sorgt dafür, dass Bettinas Stelle wackelt. Die neue Liebe entpuppt sich nach einer Weile nicht als der zuverlässige Freund, den sich Bettina erhofft hatte.

Genauso wie die Protagonistin zwischen Beruf und Privatleben, Recherche und persönlichem Drama ständig hin und her springen und allen Seiten gerecht werden muss, wird der Leser zu viel Flexibilität gezwungen, denn er folgt ihr überall hin, und nicht selten muss er mit Bettina genau in dem Moment einen interessanten Tatort verlassen oder eine Unterbrechung privater Kümmernisse erleben, als die Geschehnisse besonders spannend oder aufschlussreich sind. Es ist wie im richtigen Leben, in dem auch nicht alles wie am Schnürchen läuft und sich klar trennen lässt. Trotzdem behält Bettina immer einen klaren Kopf und lässt sich selbst von Rückschlägen nicht beirren.

Genauso wie nicht der wahre Täter sofort offensichtlich ist, erweisen sich auch die neuen und alten Kollegen nicht immer als gute Kameraden bzw. überraschen jene, die man zunächst für schwierig oder schlimmer erachtet hat: Kommissar Schwartz beispielsweise, der von Bettinas zweifelhaftem Ruf (Teilzeit, eigenwillige Ermittlungsmethoden) gehört hat, will sie an der kurzen Leine halten, gibt dann aber immer mehr nach, da die Erfolge ihr Recht geben – und man freut sich mit Bettina über jedes kleine Lob. Anders ihr Love-Interest, der sich vom fürsorglichen ‚Frauen-Versteher‘ immer mehr zur kleinlichen, beleidigten Leberwurst entwickelt, der eigentlich Angst um sein ‚Machismo‘ hat in Gegenwart selbstbewusster, selbständig denkender Frauen.

Wie man es von Monika Geiers Romanen gewohnt ist (fünf weitere „Bettina Boll“-Krimis und die Side-Story „Müllers Morde“ im Argument Verlag), schafft sie es bravourös, ihre Protagonisten lebensnah zu schildern und eine spannende, glaubwürdige, äußerst komplexe Handlung um sie zu weben. Die Lektüre ist ein wahrer Genuss, und man möchte sie nicht aus der Hand leben, solange die Auflösung offen ist.

Auch das Lokalkolorit ist in einem angemessenen Maß eingebunden, ohne dass die Autorin dafür Dialoge in einem (nahezu unverständlichen) Dialekt einbindet, der den Lesefluss hemmt. Man nimmt ihr auch ohne dieses Hilfsmittel ab, dass die Handlung in der Region zwischen Ludwigshafen und Kaiserslautern spielt und typische Pfälzer vor einer authentischen Kulisse agieren. Angesichts des Erfolgs von z. B. den „Kluftinger“-Verfilmungen wundert man sich, dass die „Bettina Boll“-Krimis noch immer nicht vom Fernsehen entdeckt wurden, denn sie sind auf ihre eigene Weise genauso lesens-/sehenswert und jedem Genre-Fan ans Herz zu legen.

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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