Die Musenfalle

Nora Miedler
Die Musenfalle

Argument Verlag, Hamburg, 1 Auflage: 08/2010
TB, ariadne krimi 1190, Wien-Krimi,
ISBN 978-3-86754-190-9
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Eugeny Trembach – Fotolia.com

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www.ariadnekrimis.de
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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Wiener Schauspielerin Lilly Sommer träumt vom großen Erfolg und wertet nach einer längeren Flaute den Jahresvertrag für einen Werbespot, den die Mobitel in Auftrag gegeben hat, als Trittbrett für den Sprung nach oben. Doch dann sterben erst ein Anwalt und dann der mit ihm befreundete Chef von Mobitel, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte. Die Kripo sieht in Lilly zunächst die wichtigste Tatverdächtige, und damit ist sie den Job prompt los. Einer der Beamten geht sogar so weit, sie in ihrem eigenen Haus niederzuschlagen. Damit dieser Vorfall nicht an die Öffentlichkeit gelangt, geht der Inspektor einen Deal mit Lilly ein und lässt ihr einige Informationen zukommen. Um sich bei demjenigen zu revanchieren, der ihren Karriere-Traum platzen ließ, engagiert Lilly den ehemaligen Schauspielerkollegen Dino Winter, der sich nun als Privatdetektiv durchschlägt.

Dino ist wenig begeistert von seiner aufdringlichen Klientin, zumal er gerade wegen eines verschwundenen Mädchens ermittelt, lässt sich aber breitschlagen, sich auch um Lillys Anliegen zu kümmern. Eine Spur führt schließlich über ein Frauenhaus zu der Theaterkommune der berühmt-berüchtigten Frieda Bernhard, die mit einem der Mordopfer verwandt ist. In diesen Kreis hineinrutschen zu können, war schon immer Lillys Wunsch, doch nun sieht es ganz danach aus, als wäre ihr Idol in eine ganze Mordserie verwickelt – und Lilly könnte das nächste Opfer werden …

„Die Musenfalle“ spielt im Wieder Künstler-Milieu. Nora Miedler, Autorin und Theaterschauspielerin, verarbeitet in ihrem zweiten bei Argument erschienenem Krimi (nach „Warten auf Poirot“) zweifellos eigene Erfahrungen und Beobachtungen. Sie schildert die Träume aufstrebender Mimen, die meist unerfüllt bleiben, oder das tragische Scheitern, wenn das Ziel endlich in Reichweite gelangte. Wer sich einen Namen machen konnte, gibt sich kapriziöse und gönnerhaft, selbst wenn hinter den Kulissen gar nichts mehr glänzt. Von daher wundert es nicht, dass es sich bei den Protagonisten um abgehalfterte Typen handelt, die ganz bewusst Klischees bedienen. Hauptfigur Lilly ist burschikos, nymphoman, prollig, sie kann einstecken und austeilen. Dino ist ein desillusionierter Alkoholiker, der nicht darüber hinweg kommt, wie nah er schon dem großen Erfolg war und wie er sich die zweite Chance verbaut hat. Frieda zehrt von ihrem verblassenden Ruf, geht Klinken putzen und lässt sich auf fragwürdige Aufträge ein, um ihr Theater erhalten zu können.

Alle drei – und einige weitere Akteure – werden durch die Morde zusammengeführt. Durch Dino werden zwei Fälle miteinander verknüpft, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, dann jedoch in Kombination die Auflösung des überaus komplexen Falles ermöglichen. Auch was die Hintergründe und den wahren Täter betrifft, ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick hin scheint. Nicht einmal als alles klar ist, sind sämtliche Zweifel aus dem Weg geräumt: Der Leser spekuliert mit Lilly und Dino, denn die Person, die die Wahrheit kannte, ist am Ende ebenfalls tot.

Was gefällt, sind die verschlungenen, unkonventionellen Pfade, die alle Beteiligten gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Das hat immer wieder unerwartete, überraschende Wendungen zur Folge. Dadurch liest sich der Krimi alles andere als gradlinig, was durch den regelmäßigen Szenen- und Perspektivenwechsel (nur Lilly erzählt in der ersten Person) auch stilistisch umgesetzt wurde. Geschmacksache hingegen ist stellenweise die Charakterisierung der Protagonisten, die recht derb ausfällt. Vor allem Lilly wirkt wie eine Egoistin, da sie bloß an sich selbst denkt, als Mitglied einer WG wenig zur Gemeinschaft beiträgt, stets bereit ist, sich von einem Mann abschleppen zu lassen, übermäßig trinkt, ständig Zigaretten und Joints raucht … Gerade die soften Drogen werden leider bagatellisiert und als gesellschaftsfein (in diesem Milieu) dargestellt.

Darüber geht der wahre Kracher fast unter: das Interesse eines kleinen Kreises an sogenannten Snuff-Videos – kommerzielle Filme, die zu Unterhaltungszwecken einen Mord dokumentieren. Zwar steht Lilly, als sie eine entsprechende DVD entdeckt und ihre Schlüsse zieht, Todesängste aus, und die Autorin legt ihr in den Mund, dass es sich bei den Herstellern und deren Klientel um verabscheuungswürdige Verbrecher handelt, aber die Message tritt auch deshalb in den Hintergrund, weil es sich dabei nicht um den eigentlichen Höhepunkt des Romans handelt.

Man hat insgesamt das Gefühl, Nora Miedler habe einfach zu viel in „Die Musenfalle“ hineinpacken wollen, angefangen beim Wiener Künstler-Milieu und seinen schrägen Typen, über mehrere zusammenhängende Mordfälle bis hin zu einem relativ offenen, realistisch anmutenden Schluss. Sie hält zwar alle Fäden sicher in den Händen und verknüpft sie gekonnt, doch weniger wäre vielleicht mehr gewesen.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann

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