Die Mutter

Brett McBean
Die Mutter

(sfbentry)
The Mother, Australien, 2006
Festa Verlag, Leipzig, 06/2010
PB mit einem Umschlag in Lederoptik
Thriller, Splatter
ISBN 978-3-86552-093-7
Aus dem Australischen von Doris Hummel
Titelmotiv von iStockphoto

www.festa-verlag.de
http://brettmcbean.com/
www.istockphoto.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Ich reise schon fast ein Jahr lang über den Hume. Mein Zuhause sind Motelzimmer, Autos, sogar Rastplätze, wenn die Umstände es verlangen. Ich bin schon in so vielen Autos gewesen und habe so viel Leute getroffen, dass mein Verstand ganz taub und meine Erinnerung ganz vernebelt ist. Alles, was ich weiß, ist, dass ich ihn immer noch nicht gefunden habe.“

Nur noch bruchstückhaft kann sie sich an ihr früheres Leben erinnern. An das Leben mit ihrer Tochter Rebecca, die sich nach einem Streit mit ihr davongeschlichen hat, um per Anhalter nach Sydney zu reisen und dort ihren Vater zu finden. Der Mann, der sie sowieso nie geliebt und immer wieder verprügelt hatte, bis sie schließlich abgehauen ist. Seit Rebecca tot ist, findet ihr Leben auf dem Hume Highway statt, der mit einer Länge von 880 km die Metropolen Sydney nach Melbourne verbindet. Irgendwo auf diesem Highway lief Rebecca ihrem Mörder in die Arme. Das einzige Indiz für dessen Identität sind die Worte „Stirb Mutter“, die er auf dem Unterarm tätowiert hat. Ein Detail, das ihr Rebecca bei ihrem letzten Anruf noch nennen konnte. Seitdem bereist sie den Highway auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter, nicht wissend, was sie tun wird, sollte sie ihn tatsächlich finden, und nicht wissend, was sie mit der nächsten Mitfahrgelegenheit erwartet.

„Die Momente, in denen ich glaubte zu sterben, gehören zu den glücklichsten in meinem Leben. Es waren die Augenblicke danach – wenn mir klar wurde, dass ich noch immer am Leben war – die am meisten wehtaten.“ Zunächst fällt die ungewöhnliche Struktur auf, in der der Australier Brett McBean seinen Thriller umgesetzt hat. Zwar ist „Die Mutter“ zweifellos die Hauptfigur, doch erzählt ist der Roman jeweils aus Sicht der Personen, die ihren Weg kreuzen, immer wieder unterbrochen von einem Brief, der an Rebecca gerichtet ist. Damit lösen sich der zeitliche und räumliche Fluss, den es bei einem herkömmlichen Roman einzuhalten gilt, weitestgehend auf, und man kann schon fast von einem Episoden-Roman sprechen. Ein genialer Kniff, der es Brett McBean ermöglicht, eine jeweils vom Betrachter geprägte, subjektive Sicht auf „Die Mutter“ darzustellen und so in jedem Kapitel eine etwas andere Hauptfigur zu präsentieren.

Angekündigt ist „Die Mutter“ als „ultraharter Psycho-Thriller“, was für einige Episoden nicht übertrieben ist. Beispielsweise wird der Leser Zeuge, wie „die Mutter“ aufs übelste gefoltert und wie ein Mann von einer brutalen Schlägerbande zu Tode geprügelt wird. Doch die clevere Erzählstruktur lässt die Eruptionen brutaler Gewalt deutlich weniger selbstzweckhaft wirken, wie z. B. diejenigen von Autorenkollege Richard Laymon, mit dem McBean im Rückentext verglichen wird. Diese brutalen Szenen im Hinterkopf erwartet man stets einen weiteren Geisteskranken, der hinter der nächsten Ecke, respektive unter jeder Kapitelüberschrift, lauert. Doch Brett McBean besitzt die Courage oder die Weitsicht, die Erwartungshaltung des Lesers zu enttäuschen, indem er auch leise Episoden voller Wehmut in seinen Roman einflechtet („George und Martha, das Pärchen“), die allerdings nicht weniger schmerzen.

Das Taschenbuch weist den gewohnt guten Festa-Standard auf und zeigt auch nach dem Lesen keine Rückenknicke. Der Umschlag ist in sogenannter ‚Lederoptik„ gefertigt. Das Covermotiv ist zwar ein Stockfoto, jedoch ganz ähnlich der Aufmachung der Australian mass-market paperback edition und wirkt im Zusammenspiel mit dem Titellayout außerordentlich gut. Mit Brett McBean hat Frank Festa nach der einschneidenden Verlagsprogrammänderung 2010 einen der ‚neuen„ Thriller-Autoren an Bord, von denen man sicherlich noch hören wird. „Die Bestien“ ist bereits für Herbst 2011 im Festa Verlag angekündigt.

„Die Mutter“ ist ein ungewöhnlicher, fast experimenteller und intensiver Thriller eines ‚frischen„ Autoren in gewohnt guter Festa-Paperback-Ausstattung.

Copyright © 2011 Elmar Huber (EH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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